Krise bei ThyssenKrupp Die alte Garde muss weichen
Gerhard Cromme ist bei ThyssenKrupp die unangefochtene Nummer eins. Seit 2001 steht er an der Spitze des Aufsichtsrats. Doch Milliardenverluste und Korruptionsvorwürfe werfen die Frage auf, ob die Kontrolleure ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind.
Heinrich Hiesinger (links) ist seit Januar 2011 Vorstandschef von ThyssenKrupp. Er gilt als integer - und soll bei dem Konzern aufräumen. Nun trennt sich das Unternehmen in einem beispiellosen Schritt von der Hälfte seiner Vorstände.
Technik-Vorstand Olaf Berlien muss seinen Posten räumen.
Auch Stahl-Chef Edwin Eichler muss gehen. In seine Zuständigkeit fallen Stahlwerke in den USA und Brasilien, die dem Konzern milliardenschwere Verluste bescheren.
Jürgen Claassen gilt als enger Vertrauter von Cromme und stieg zum Kommunikationsvorstand auf. Doch Berichte über Luxusreisen brachten ihn unter Druck. Auch er muss den Vorstand verlassen.
Hiesinger will den Konzern stärker zu einem Technologieunternehmen umbauen und weg vom Stahl. Diese Strategie muss er nun mit neuen Vorständen umsetzen.
Auch Finanzvorstand Guido Kerkhoff gilt als "neuer" Mann bei ThyssenKrupp. Er kam im April 2011 in den Konzern.
Wenn im kommenden Jahr dann der IG-Metall-Gewerkschafter Oliver Burkhard den bisherigen Personalvorstand Ralph Labonte ersetzt, hat Cromme den Vorstand einmal komplett durchgetauscht.
Cromme will mit 69 Jahren noch einen entscheidenden Karriereschritt machen. Er gilt als designierter Nachfolger des 99 Jahre alten Berthold Beitz, dem Chef der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Als größter Einzelaktionär von ThyssenKrupp gibt die Stiftung den Ton bei dem Unternehmen an. Cromme würde so zum Patriarchen des Konzerns aufsteigen.
Ein Arbeiter entnimmt im ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg an einer Öffnung eines Hochofens eine Stahlprobe. Der Konzern hat das Ruhrgebiet maßgeblich mitgeprägt.