ThyssenKrupp Krise als Dauerzustand
ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg: Der Konzern steckt in großen Schwierigkeiten. Bislang konnten sich die jeweiligen Herren auf der Villa Hügel aber immer aus schwieriger Lage herauswinden. Allein der scheidende Chefkontrolleur Gerhard Cromme sicherte dem Konzern durch spektakuläre Coups das Überleben. Ein Überblick.
Nach 1945 war die einstige Waffenschmiede des Dritten Reichs am Boden. Firmen-Patriarch Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wurde als Kriegsverbrecher und wegen des Einsatzes von Zwangsarbeitern ins Gefängnis geschickt. Ende der fünfziger Jahre aber war Krupp schon wieder obenauf. Statt Waffen produzierten die Essener nun vor allem Brücken, Kräne, Lastwagen und Lokomotiven, Schiffe und Turbinen. Und auch in der Stahlfrage hatte man die Alliierten zum Einlenken bewegt.
Ehrenvorsitzender Berthold Beitz: Er stieß 1953 aus Hamburg zu Krupp und wurde der zweite Mann hinter Alfried Krupp. Durch sein geschicktes Taktieren gegenüber den Alliierten durfte Krupp die Hütten Jahr um Jahr behalten.
Ex-Wirtschaftsminister Schiller: Nach 1965 geriet Krupp in den Strudel der Nachkriegsrezession. Im Dezember 1966 drehten die Banken Krupp den Geldhahn zu. Beitz wandte sich an Schiller und an Hermann Josef Abs von der Deutschen Bank. Am Ende schnürte der Bund gemeinsam mit 28 Banken ein Rettungspaket. Der Inhalt: eine Bürgschaft von 300 Millionen Mark. Allerdings musste Krupp die Bürgschaft am Ende gar nicht in Anspruch nehmen.
Gerhard Cromme: 1989 übernahm der Manager den Chefstuhl bei Krupp. Er sicherte das Überleben von Krupp durch zwei spektakuläre Coups. 1991 wagte Cromme als erster Konzernchef an der Ruhr eine feindliche Übernahme. Das Objekt: der Dortmunder Hoesch-Konzern.
ThyssenKrupp-Firmenschild: Im März 1997 startete Cromme eine Attacke auf den doppelt so großen Düsseldorfer Konkurrenten Thyssen. Erst 1999 kam es durch einen zweiten, friedlichen Anlauf zur Fusion von Thyssen und Krupp.
Hütte in Brasilien: Im Geschäftsjahr 2011/2012 musste ThyssenKrupp 3,6 Milliarden Euro auf Stahlwerke in den USA und Brasilien abschreiben. Der Jahresverlust des Konzerns kletterte auf rund 5 Milliarden Euro.
Vorstandschef Hiesinger: Ende 2012 setzte der Aufsichtsrat den halben Vorstand vor die Tür. Hiesingers Vorstandskollegen Olaf Berlien, Jürgen Claassen und Edwin Eichler mussten gehen.
Cromme und Beitz: Der scheidende Aufsichtsratschef galt lange als Ziehsohn des Patriarchen. Cromme machte sich Hoffnungen, den Vorsitz der Krupp-Stiftung übernehmen zu können.