Tierforscher: Tödliche Begegnungen - DER SPIEGEL
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Tierforscher Riskante Jobs - tödliche Begegnungen mit Tieren

"Was mit Tieren"? Augen auf bei der Berufswahl: Tierforscher und -filmer gehen mitunter beträchtliche Risiken ein. In einigen bekannten Fällen endeten Begegnungen tödlich.
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Vom Rochen erstochen: Man nannte ihn auch "The Crocodile Hunter", so hieß seine Serie mit 345 Teilen - für seine spektakulären Tierfilme war Steve Irwin berühmt, ebenso für seinen ständigen Flirt mit der Gefahr. Auf diesem Foto von 2002 posiert er mit einem Alligator in San Francisco. Vier Jahre später verletzte ihn ein Stachelrochen tödlich - vor laufenden Kameras.

Foto: Justin Sullivan / Getty Images
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Filmer und Entertainer: Den 1962 geborenen Australier, der stets im khakifarbenen Dress auftrat, machten seine Dokumentationen weltweit berühmt, vor allem in den USA hatte er eine riesige Fangemeinde. Das Foto zeigt ihn 2006 in einem Nationalpark des australischen Bundesstaats Queensland. Dort war Irwin ab 1991 auch Direktor eines Zoos.

Foto: STEVE IRWIN COLLECTION/ AP
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Vor diesem Stachelrochen im Aquarium sind die Beobachter sicher. Bei Unterwasseraufnahmen im September 2006 war Irwin im Great Barrier Reef unterwegs. Mit einem Kameramann filmte er einen zweieinhalb Meter langen Stachelrochen. Sie waren bei der letzten Aufnahme, als das Tier auf Irwin einstach und ihn ins Herz traf. Er zog sich den Stachel noch aus der Brust, bevor er das Bewusstsein verlor und kurz darauf auf einem Boot starb. Alle Kopien des Filmes wurden später zerstört, das Original erhielt seine Witwe, die das Video niemals veröffentlichen will.

Foto: © Edgar Su / Reuters/ REUTERS
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Zum Abschied vom Abenteurer fand am 20. September 2006 in Irwins Zoo in Beerwah eine Trauerfeier statt, bei der seine Mitarbeiter Tiere hielten. Schon als Kind hatte Irwin im Reptiliennaturpark seiner Eltern mitgeholfen und früh gelernt, Krokodile zu fangen. Er war passionierter Tierschützer und zugleich Selbstdarsteller mit einem Faible für spektakuläre Inszenierungen. So fütterte er Anfang 2004 ein vier Meter langes Krokodil mit der Hand, während er seinen erst einen Monat alten Sohn auf dem Arm hielt.

Foto: POOL/ REUTERS
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Protokollant seines eigenen Todes: Statt schleunigst medizinische Hilfe zu suchen und sein Leben zu retten, notierte er mit wissenschaftlicher Akribie, wie die Vergiftung voranschritt, nachdem die Schlange ihn biss. Karl Patterson Schmidt hielt sie für ungefährlich und dachte wohl, töten werde ihn das Gift schon nicht. Er sollte sich irren. Ein Kollege hatte ihm am 15. September 1957 die junge afrikanische Schlange zur Untersuchung ins Labor geschickt, Schmidt agierte zu unvorsichtig, sie versenkte einen Zahn drei Millimeter ins Fleisch unterhalb seines linken Daumens. Es war eine Boomslang (Dispholidus Typus), wie sich später herausstellen sollte.

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Von Reptilien erobert: Der renommierte Herpetologe, 67 Jahre alt, fuhr nachmittags zurück nach Hause und schrieb auf, was passierte: "16.30 bis 17.30 Uhr starke Übelkeit... 20.30: Aß zwei Stück Toast...". Gut geschlafen habe er danach, notierte Schmidt. Im letzten Eintrag beschrieb er sein Frühstück und dass er alle drei Stunden etwas Blut uriniert habe, dann: "Mund und Nase bluten weiter, aber nicht übermäßig." Dem Museum teilte Schmidt, er werde am nächsten Tag wieder arbeiten. Doch um 14 Uhr fiel er ins Koma und starb gut eine Stunde später bei der Ankunft im Krankenhaus an seinen inneren Blutungen - Schmidt hatte das eigene Sterben dokumentiert.

Foto: Field Museum of Natural History
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Tragischer Tod: Dass Schlangenexperten besonders gefährdet sind, zeigte auch der Tod des langjährigen Direktors des Senckenberg-Museums in Frankfurt am Main. Als Robert Mertens im August 1975 eine afrikanische Baumschlange fütterte, biss sie ihm in den Daumen. Nach einigen Stunden setzten erste Vergiftungserscheinungen ein...

Foto: Senckenberg
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...und verschlimmerten sich bald. Thelotornis capensis ist die Gattung der Vogelnatter, die Mertens vergiftet hatte. Im Alter von 80 Jahren starb der erfahrene Biologe nach zweieinhalb Wochen, in denen ihm auch eine Bluttransfusion nicht helfen konnte; ein geeignetes Gegengift gab es nicht.

Foto: Senckenberg
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Zu nah am Bären: Er war russischer Naturforscher, Bärenexperte und begeisterter Fotograf - bis er sich wohl zu weit heranwagte. Im Dezember 2003 wurde Vitali Nikolajenko in der Wildnis gefunden, getötet von einem Bären. Mehr als drei Jahrzehnte lang hatte er die Braunbären auf der Halbinsel Kamtschatka beobachtet und starb im Alter von 66 Jahren im Kronotsky-Nationalpark. Neben ihm wurde eine leere Dose Pfefferspray gefunden, mit der er sich offenbar zu verteidigen versucht hatte.

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Tod in der Wildnis: Nur gut zwei Monate zuvor waren zwei Amerikaner von Bären attackiert, zerfetzt, zerfleischt worden. Timothy Treadwell, 46, und seine Freundin Amie Huguenard, 37, hatten in Alaska campiert, rund 100 Meilen von der nächsten Siedlung entfernt. Treadwell hatte Filme über Bären gedreht und mit Erfolg das Buch "Unter Grizzlys" veröffentlicht. Er hielt sich stets unbewaffnet in der Natur auf und sagte einmal, er fühle sich in Alaska sicherer, als wenn er in New York durch den Central Park spazierte. Die beiden wurden von Bären getötet, man fand die halb aufgefressenen Leichen in einem Nahrungsversteck vergraben.

Foto: face to face
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"Grizzly Man": 13 Sommer lang lebte der Bärenfreund bei Alaskas Grizzlys. Dann fraßen sie ihn. Zuvor hatte Treadwell, ein blonder Surfertyp aus dem kalifornischen Malibu, Hunderte lebensgefährlicher Begegnungen mit wilden Braunbären überstanden. "Ich liebe sie von ganzem Herzen", sagte er. "Ich werde sie beschützen, auch wenn ich dafür sterben muss." Was geschah, ist ohne Bild auf der Tonspur der laufenden Videokamera des Paares überliefert: Treadwell wurde attackiert, Huguenard versuchte, das rasende Tier mit einer Bratpfanne zu schlagen, beide wurden zerfetzt. Zwei Jahre später veröffentlichte der deutsche Regisseur Werner Herzog den Dokumentarfilm "Grizzly Man" und wertete dafür über 100 Stunden Videomaterial aus, das Treadwell selbst gedreht hatte.

Foto: face to face
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Grace Olive Wiley war ebenfalls Herpetologin und arbeitete jahrzehntelang mit insgesamt rund 300 Giftschlangen, darunter Kobras, Klapperschlangen und Mambas, die sie ohne Schutzkleidung und Instrumente mit bloßen Händen anfasste. Das machte sie bekannt als "Frau ohne Angst" - zu angstfrei aus Sicht mancher Kollegen in Minneapolis, die um die eigene Sicherheit fürchteten. Wiley arbeitete auch als Tiertrainerin und Beraterin für Filme wie "Tarzan" und "Das Dschungelbuch". Sie starb im Juli 1948 unter tragischen Umständen: Bei Fotoaufnahmen biss eine Indische Kobra sie, auch bekannt als Brillenschlange oder, im Fachbegriff: Naja naja (kein Scherz). Im Krankenhaus war die letzte Ampulle Antiserum zerbrochen, ein anderes gab es nicht, Wiley starb nur zwei Stunden nach dem Biss.

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Vorsicht vor Wölfen: Ein Rudel Wölfe erwischte im April 1996 eine junge Tierpflegerin, die erst vier Tage zuvor eingestellt worden war. Die Kanadierin Patricia Wyman, 24, war studierte Biologin und trat ihren Job in einem Wolfsreservat in Ontario an. Einmal begleitete sie ein erfahrener Tierpfleger, einmal fütterte sie die Wölfe allein, bei ihrem dritten Besuch des Geheges bissen die Wölfe sie zu Tode. Eine Untersuchung ergab später, dass die daraufhin getöteten Tiere nicht tollwütig waren.

Foto: imago/ blickwinkel
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Die Rache der Elefantenkuh: Landläufig spricht man vom "Elefantengedächtnis", da ist wohl was dran. Allen Campbell (beim Schuhbinden, hier mit einem Babyelefanten) war Zoowärter und Tiertrainer in Florida. Im August 1994 wurde er zu Tode getrampelt und ein Kollege schwer verletzt, als die 3,6 Tonnen schwere Zirkuselefantin "Tyke" bei einer Vorstellung in Honolulu durchdrehte und ausbrach. Nach halbstündiger Jagd streckten Polizisten Tyke mit 86 Schüssen nieder. Später stellte sich heraus, dass Campbell beim Auftritt Kokain und im Blut hatte und vorher durch Tiermisshandlungen aufgefallen war. Tyke war ebenfalls misshandelt worden und zuvor schon bei Vorstellungen ausgebrochen.

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