Reportagen aus Asien Der Chinesisch sprechende Italiener
Vietnamkrieg: Von 1972 bis 1975 berichtete Tiziano Terzani (links) für den SPIEGEL aus Vietnam. Er war einer der ersten Journalisten, der mit den Vietcong-Rebellen, bei den "anderen", wohnte. "Jede Nacht schliefen wir in einem anderen Dorf", erinnert er sich. "Es war eine schöne Erfahrung, sie kennenzulernen. [...] Die einzigen Vietcong, die wir bis dahin zu Gesicht bekommen hatten, waren die Leichen in den Straßengräben."
SPIEGEL-Gespräch: "Das stimmt nicht. Sie wissen es. Und Sie wissen, dass ich es weiß. Also, warum reden Sie so?" So unverblümt bezichtigte Terzani einen chinesischen Parteifunktionär der Lüge, erinnert sich sein ehemaliger Chef Dieter Wild. Das Foto zeigt Terzani (Mitte) und Wild (rechts, damals Leiter des Außenpolitik-Ressorts beim SPIEGEL) 1980 in der Redaktion des Pekinger Parteiblatts "Jen Min Jih Bao" (Volkszeitung) mit Tan Wen Rui, dem Außenpolitik-Chef der Zeitung (zweiter von links).
Vietcong-Rebellen: Mehrere Tage verbrachte Tiziano Terzani bei den Vietcong-Rebellen. Es war eine "unglaubliche Erfahrung", sagte er rückblickend. Der Vietnamkrieg war Terzanis erste einschneidende Erfahrung mit dem Krieg - dessen Folgen für sich selbst er später so beschrieb: "Krieg ist eine traurige Sache. Am traurigsten aber ist, wie schnell du dich an ihn gewöhnst. Heute Morgen, als ich den ersten Toten am Feldrand liegen sah, [...] war ich wie gelähmt. Die anderen habe ich dann nur noch gezählt, wie etwas, das es aus beruflichen Gründen zu registrieren gilt."
Vogel-Markt in Peking: "Ich entdeckte ein wunderbares, menschliches China, ein China, auf das ich nie viele Gedanken verschwendet hatte und das doch so viel echter und außergewöhnlicher war als das Land, das die Parteifunktionäre und die regimetreue Presse der Außenwelt präsentierten." (Tiziano Terzani)
Marktverkäufer: Alles, was sich um die kleine Spielerei der Chinesen, die traditionelle Vogelhaltung, dreht, wird auf diesem Markt am Ufer des Drachensees in Peking verkauft. "Die Chinesen haben schon immer Vögel gehalten. Ein traditioneller Glückwunsch lautet: 'Mögest du alt werden und einen Enkel und einen Vogel haben'."
Buddha-Statue: Auf einer Reise zu den Gräbern der Qing-Kaiser besuchte Tiziano Terzani eine Pagode in einem "gottverlassenen Dorf", in der diese 20 Meter hohe Buddha-Statue mit 48 Armen stand. "Das war das 'Alte', das Mao vernichten wollte, weil er meinte, es sei eine Fessel der Vergangenheit. Dabei sind es Chinas Wurzeln. Ohne die würde China nicht mehr China sein."
Interview mit dem Dalai Lama: Tiziano Terzani im Gespräch mit dem Dalai Lama im Februar 1996 in Dharamsala, Indien.
Das alte Japan: In militärischer Formation marschieren am Sonntag Anhänger der Yakuza, der japanischen Mafia, zum Tokioter Yasukuni-Schrein, in dem Angehörige des Militärs verehrt werden. Japan stieß Terzani ab - ob der "seelenlose Wirtschaftswahn oder die unmenschlich durchorganisierte Gesellschaft", wie sich Terzanis ehemaliger Chef Dieter Wild erinnert. In seiner "asiatischen Reise" schreibt Terzani über die Yakuza: "Heute gibt es 86.552 Gangster. Sie sind alle bekannt und amtlich erfasst, doch keine Behörde lässt es sich träumen, ihrem Treiben ein Ende zu setzen."
Reiseunfall: Anfang der neunziger Jahre bereiste Tiziano Terzani die Sowjetunion. In Juschno-Sachalinsk, einer Stadt im Fernen Osten Russlands, stürzte er auf spiegelglatter, vereister Straße und brach sich das Handgelenk. In einem Militärkrankenhaus renkte ihm ein koreanischer Arzt das Gelenk wieder ein - ohne Betäubung und ohne dass eine Bezahlung gefordert wurde. "Nie habe ich einen so umkomplizierten Bruch gehabt", erzählte Terzani später.
Stunde des Volkes: Am 25. Januar 1986 floh der philippinische Diktator Ferdinand Marcos ins Ausland. Das Volk stürmte seinen Palast in Manila, tanzte in seinen Gemächern, aß in seinen Küchen und verbrannte seine Porträts - "Es hat keine Toten gegeben, keine Plünderungen, nur kollektive Freude und Begeisterung", erinnerte sich Terzani.