Tod eines Mädchens Der Fall Peggy Knobloch
Peggy Knobloch wurde im Mai 2001 zum letzten Mal gesehen. Erst 15 Jahre später fand ein Pilzsammler ihre Überreste in einem Waldgebiet. An einem Stück Stoff, das am Fundort sichergestellt wurde, befand sich die DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Möglicherweise brachten Ermittler die DNA selbst zum Tatort: Mit einem verunreinigten Meterstab.
Der Tod des Mädchens ist ein Rätsel. Im Alter von neun Jahren verschwand Peggy am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg. Die Polizei geht davon aus, dass sie auf dem Heimweg von der Schule zwischen 13 und 14 Uhr entführt wurde.
Großangelegte Suche nach Peggy: Hundertschaften durchkämmten im Mai und Juni 2001 die Umgebung von Lichtenberg, ohne einen Hinweis auf das Mädchen zu finden.
Sogar mit "Tornados" der Bundeswehr suchten die Ermittler nach der Neunjährigen. Die Kampfflugzeuge haben mit Spezialkameras das Gebiet um Lichtenberg in Oberfranken aufgenommen.
So sahen Jacke und Schulranzen aus, die Peggy am Tag ihres Verschwindens trug.
Mit Fahndungsplakaten suchten Polizei und Angehörige nach Peggy. Wie ihr leiblicher Vater hatten viele ein Plakat in ihr Auto gehängt.
Im Oktober 2002 schienen Ermittler den Täter gefunden zu haben. Ulvi K. gestand später, Peggy getötet zu haben. Hier ist er im April 2004 bei einer Tatortbegehung mit Polizisten und Zivilbeamten zu sehen. Später widerrief K. sein Geständnis.
Das Landgericht Hof verurteilte Ulvi K. nach einem aufsehenerregenden Indizienprozess im April 2004 wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen anderer Vergehen in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.
Das Landgericht Bayreuth ordnete im April 2013 die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Ein Belastungszeuge hatte seine Aussagen zurückgezogen, Zweifel an Ulvi K.s Geständnis waren gewachsen.
Die Suche nach Peggy blieb ohne Erfolg. Diese Grube in einem Hinterhof in Lichtenberg hoben Ermittler im April 2013 aus. Sie vermuteten im Erdreich Peggys Leiche, wurden aber nicht fündig.
Polizisten suchten auch nahe der Kirche in Lichtenberg nach Peggys Leiche. Dieser Einsatz brachte ebenfalls keinen Erfolg.
Im Januar 2014 öffneten Ermittler das Grab einer 81-Jährigen auf dem Lichtenberger Friedhof. Es wurde vermutet, dass Peggys Leiche bei der Bestattung der Frau im Mai 2001 mit in das Grab gelegt worden sein könnte. Dieser Verdacht bestätigte sich nicht.
Mehr als zwei Jahre war es still geworden um den Fall. Im Juli 2016 fand ein Pilzsammler dann in einem Waldstück unweit von Lichtenberg menschliche Überreste.
Untersuchungen ergaben: Es handelt sich definitiv um die Knochen der kleinen Peggy.
Der Fundort der Leiche ist im Saale-Orla-Kreis, nur 15 Kilometer entfernt von Peggys Heimatort Lichtenberg im Landkreis Hof.
Der Fund der Böhnhardt-DNA sorgte für Aufsehen: Gibt es Verbindungen zwischen dem NSU und dem Mord an Peggy? Doch nun prüfen Ermittler Hinweise, dass die DNA durch einen verunreinigten Meterstab zum Fundort der Leiche kam. Bei der Bergung der Mädchenleiche war offenbar die gleiche Tatortgruppe der Polizei im Einsatz wie bei der Bergung des toten Böhnhardt im November 2011 in einem Wohnmobil in Eisenach.