Topmodel-Polaroids - DER SPIEGEL
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Topmodel-Polaroids "Ich habe Models nie als Kleiderständer betrachtet"

Seit Ende der siebziger Jahre lichtet er die schönsten Frauen der Welt ab: In einem Bildband präsentiert Bruno Bisang nun Polaroids seiner besten Shootings. Mit einestages sprach der Fotograf über die Faszination der Testbilder. Sie zeigen Naomi Campbell, Victoria Beckham und Co. unretuschiert und unperfekt.
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Seit Ende der siebziger Jahre lichtet er die schönsten Frauen der Welt ab: In einem Bildband präsentiert Bruno Bisang nun Polaroids seiner besten Shootings. Mit einestages sprach der Fotograf über die Faszination der Testbilder. Sie zeigen Naomi Campbell, Victoria Beckham und Co. unretuschiert und unperfekt.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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Bruno Bisang arbeitet seit Ende der siebziger Jahre als Modefotograf. Seine Bilder erschienen in Zeitschriften wie "Vogue", "Cosmopolitan" und "GQ". Als Werbefotograf arbeitete er schon für Chanel, Palmers und Givenchy. Ursprünglich dienten die Polaroids, die Bisang nun in dem Buch "30 Years of Polaroids" veröffentlicht hat, bei diesen Shootings nur als Testbilder.

Bei seiner Arbeit für Hochglanzmagazine und Reklame begann der Fotograf, die rohe Ästhetik der unretuschierten Polaroids schätzen zu lernen. In den vergangenen 30 Jahre sammelte er Tausende der Instant-Schnappschüsse. Sie zeigen Topmodels wie Tyra Banks und Claudia Schiffer sowie Stars wie Monica Bellucci und Carla Bruni. Mit einestages spricht er über einige seiner schönsten Bilder.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Herr Bisang, was muss man tun, damit Tyra Banks so guckt?

Bisang: Das hat sie ganz von selbst gemacht. Das Thema des Shootings war "Emotionen" - also Aggression, Liebe, Zärtlichkeit. Das Bild ist 1996 entstanden. Tyra war damals ja schon eine echte Größe. Zusätzlich wurde noch das junge Model engagiert. Am Anfang hatten wir ein bisschen Angst, ob das funktionieren kann zwischen den beiden. Zu unser aller Überraschung hat es dann aber super geklappt.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Naomi Campbell gilt als sehr schwieriges Fotomodell. Bei diesem Shooting 1994 haben Sie sie das erste Mal getroffen. Waren Sie aufgeregt?

Bisang: Ich war ziemlich nervös. Ich hatte vorher schon viel von Naomi gehört: dass sie immer zu spät kommt und eine Zicke ist.

einestages: Und?

Bisang: Das Shooting war für neun Uhr angesetzt. Wir haben also dem Stylisten gesagt, er soll doch mal um neun ins Studio gehen und uns anrufen, wenn Naomi da ist. Wir dachten, sie kommt eh erst um elf oder zwölf und wollten nicht unnötig rumhocken und warten. Um 9.30 Uhr - ich saß mit dem Kunden noch beim Frühstück - kam dann schon der Anruf, dass Naomi eingetroffen sei. Das war für uns alle eine Riesenüberraschung. Aber auch wenn die Presse viel Schlechtes über sie schreibt: Ich habe später noch drei- oder viermal mit ihr gearbeitet und nie Probleme gehabt.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Ganz schön unleserlich, die Widmung von Victoria Beckham. Wissen Sie noch, was da stand?

Bisang: Hm, "Bruno"… "big"… Nein, das kann ich jetzt auch nicht mehr entziffern. Diese Widmungen sind ja meist sehr spontan entstanden. Nach dem Shooting mit einem Model habe ich einfach mein Lieblingspolaroid rausgepickt und gefragt, ob es da irgendwas draufkritzeln könnte.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Sie haben so viele schöne Frauen fotografiert. Kann man jemanden wie Monica Belluci eigentlich auch hässlich fotografieren?

Bisang: Das hat mich noch nie jemand gefragt. Aber ich denke schon. Ich meine, es muss schon das Licht und alles stimmen… Aber ich habe über all die Jahre noch nie ein richtig hässliches Bild von Monica gesehen.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Sie haben natürlich nicht nur Berühmtheiten fotografiert, sondern auch eher unbekannte Models. Dieses hier heißt in Ihrem Buch nur Gabriela. Die Stars in dieser Komposition sind eher die weißen Kratzer. Waren die beabsichtigt?

Bisang: Wie die auf das Bild gekommen sind, weiß ich nicht. Solche Polaroids gehen am Set durch viele Hände und sie sind sehr empfindlich. Vielleicht wurde das Bild beim Anschauen verbogen.

einestages: Fänden Sie das Bild schöner, wenn es heil wäre?

Bisang: Nein. Solche Spuren zeigen, was die Polaroids ausmacht: Es sind unretuschierte Originale.

einestages: Aber eigentlich Gebrauchsgegenstände. Trotzdem haben Sie die ältesten Bilder mehr als 30 Jahre aufbewahrt. Wo lagern Sie die denn eigentlich? In Schuhkartons in der Abstellkammer?

Bisang: Ich klebe sie in Fotoalben.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Dieses Foto wirkt eher wie ein privater Schnappschuss.

Bisang: Ich habe mit Claudia sehr viel gearbeitet und wir hatten oft sehr viel Spaß dabei. Ich habe Models nie als Kleiderständer betrachtet, sondern immer als meine Partner. Zusammenzuarbeiten, um ein tolles Bild zu kriegen - das war das Ziel.

einestages: Ist Ihnen die Auswahl der Polaroids für das Buch eigentlich schwer gefallen?

Bisang: Sehr. Ich habe sicher ein halbes Jahr daran gearbeitet - immer wieder Fotos rausgenommen, wieder reingenommen, hin- und hergewechselt und gezweifelt. Dieses ja, dieses nein. Es war sehr harte Arbeit.

einestages: Wie viele Polaroids haben sich denn in Ihrer Berufslaufbahn angesammelt?

Bisang: Abertausende. Natürlich habe ich viele auch verschenkt. Die besten habe ich aber immer für mich behalten.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Wenn man David Bowies Frau vor der Linse hat, kommt man da für eine Sekunde in Versuchung, sie als Ziggy Stardust zu inszenieren?

Bisang: Eigentlich nicht. Hätte Iman bei diesem Shooting 1998 ihren Mann mit ins Studio gebracht, hätte ich vielleicht schon einen Versuch gemacht, die beiden zusammen zu fotografieren. Aber sie kam natürlich allein, und es musste sehr schnell gehen. Wir hatten nur ein oder zwei Stunden, um das Cover für eine Zeitschrift zu schießen. Es blieb also nicht viel Zeit für Experimente.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Carla Bruni galt in den neunziger Jahren als eine der begehrtesten Frauen der Welt. Sehen Sie bei einem Shooting mit einem solchen Supermodel eigentlich noch eine schöne Frau - oder grübeln Sie über Bildkomposition und Lichtverhältnisse?

Bisang: Technische Aspekte sind bei meiner Arbeit eher nebensächlich. Für mich ist es wichtig, Schönheit einzufangen und zu verewigen. Aber natürlich ändert sich in diesem Beruf der Blick auf schöne Frauen, weil man als Fotograf sehr oft von ihnen umgeben ist.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Und wie kommt dieser Security-Mann ins Buch? Alle anderen Bilder zeigen Frauen.

Bisang: Das Bild entstand 1980, noch ganz am Anfang meiner Karriere, bei einem Mode- und Schmuckshooting in New York. Die Sachen waren sehr wertvoll, deshalb hatte die Versicherung gefordert, dass wir Security engagieren. Dieses Bild war ein spontaner Einfall. Ein Erinnerungsfoto. Eigentlich habe ich in meinem Leben immer lieber Frauen fotografiert als Männer.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Hier sieht man die Studioaufbauten im Hintergrund. Waren eigentlich alle Polaroids in diesem Band Testaufnahmen, oder haben Sie damals schon überlegt, dass daraus mal mehr werden könnte?

Bisang: Bevor man digital fotografiert hat, war das Polaroid die einzige Kontrollmöglichkeit am Set. Nur auf ihnen konnte man sehen, ob das Licht stimmt, die Pose, Styling, Haare, Make-up. Es war auch immer das Erste, was der Kunde zu sehen bekam.

einestages: Dieses Bild ist von 2001, eins der jüngsten im Buch. Wann haben Sie aufgehört, mit Polaroids zu arbeiten?

Bisang: Vor acht bis zehn Jahren kam leider die Digitalzeit. Damit entfiel das Polaroid, weil man alles gleich auf dem Bildschirm sehen konnte. Solange es ging, habe ich mich gegen diese Art der Fotografie gesträubt. Aber irgendwann kam dann der Tag, wo die Kunden und Zeitschriften darauf bestanden haben, dass man digital arbeitet.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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einestages: Wann war für Sie klar, dass Sie sich als Fotograf auf das Fotografieren schöner Frauen spezialisieren würden?

Bisang: Das Schlüsselerlebnis kam schon sehr früh. Ich bin in der italienischen Schweiz aufgewachsen, in Ascona. Da gab es damals das Kino Othello. Es war die Zeit des italienischen Neorealismus, und dort wurden diese Filme mit Schauspielerinnen wie Sophia Loren gespielt. Ich war damals erst zehn oder zwölf Jahre alt - zu jung, um die Filme zu sehen. Also stand ich stundenlang vor den Bildern im Schaukasten. Ich war vollkommen fasziniert.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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Zum Weiterlesen:

Bruno Bisang: "30 Years of Polaroids". teNeues Verlag, Kempen 2011, 208 Seiten.

Foto: 2011 Bruno Bisang
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