Das dreckige Geschäft mit der Schönheit Teenager, Sex und Drogen
Christy Turlington: Sie war erst 13, als sie entdeckt wurde. Mit 16 zog die Tochter eines Piloten und einer Flugbegleiterin von Kalifornien nach New York, mit 20 begann sie für Calvin Kleins Parfüm "Eternity" zu werben - und wurde ein Weltstar. Zusammen mit Naomi Campbell und Linda Evangelista beherrschte sie bis etwa Mitte der neunziger Jahre das Modelgeschäft. Die drei galten als die ersten echten Supermodels. Turlington konnte mit diesem Begriff allerdings nie viel anfangen. Viel lieber gilt sie als eines der freundlichsten und professionellsten Models überhaupt.
Linda Evangelista: Die Kanadierin war eines der Supermodels der neunziger Jahre. Berühmt wurde sie vor allem für ihre vielen dramatischen Frisurenwechsel innerhalb kurzer Zeit, die ihr auch ihren Spitznamen "Chamäleon" einbrachten. 1990 sagte sie in einem Interview mit der "Vogue" den berühmtesten Satz der Modelgeschichte über sich und ihre Kolleginnen Christie Turlington und Naomi Campbell: "Für weniger als 10.000 Dollar am Tag wachen wir gar nicht erst auf."
Gia Carangi: 1977 zog sie nach New York und begann dort ihre Karriere als Model. Gia schuf ihren ganz eigenen Stil, indem sie als eine der ersten immer wieder ungewöhnliche neue Posen und Gesichtsausdrücke entwickelte, die später auch von anderen Models kopiert wurden. So wurde das US-Model eines der gefragtesten Mannequins ihrer Zeit. Sie genoss allerdings auch ein wildes Partyleben, pflegte wechselnde Sexualpartner beiderlei Geschlechts und kam schließlich über Kokain zu Heroin. Bei Shootings wurde sie immer unberechenbarer, tobte, verließ das Set oder schlief vor der Kamera einfach ein, bis kaum noch jemand sie buchen wollte. Im April 1982 schenkte ihr der Fotograf Francesco Scavullo ihr letztes Fotoshooting für ein Cosmopolitan-Cover, nachdem sie ihn angebettelt und erzählt hatte, sie habe schon ihren Körper für Drogen verkauft. Auf dem Bild musste sie ihre Arme im Stoff des Kleides verstecken, damit man die Einstiche nicht sehen konnte. Als sie im Frühjahr 1986 mit einer Lungenentzündung in eine Krankenhaus kam, wurde bei ihr AIDS diagnostiziert. Im November des gleichen Jahres starb sie im Alter von nur 26 Jahren an den Folgen der Krankheit.
Paulina Porizkova: 1980 wurde die damals erst 15-Jährige entdeckt, ging nach Paris und begann eine der erfolgreichsten Modelkarrieren der achtziger Jahre. 1984 und 1985 erschien ihr Gesicht auf der Titelseite der Swimsuit Edition von "Sports Illustrated" erschien. Obwohl sie in den darauf folgenden Jahren auch immer wieder hüllenlos für den Playboy posierte, schloss sie 1988 einen millionenschweren Vertrag mit Estée Lauder ab und blieb das Gesicht der Kosmetikfirma bis 1995. 2007 veröffentlichte sie Porizkova dann den Roman "A Model Summer" über eine 15-jährige Schwedin, die als Model Karriere in Paris macht - inklusive Sex, Drogen und Gewalt. Auf die Frage in einem Interview, ob es für ihre Figuren reale Vorbilder gibt, antwortete sie jedoch, dass das alles schon so lange her sei und sie sich nicht erinnern könnte.
Elle MacPherson: Die 18-jährige Eleanor Nancy Macpherson wollte eigentlich in Sydney Jura studieren. Doch die Australierin brach bereits nach dem ersten Jahr ab, da sie im Urlaub von einer Modelagentur entdeckt wurde. Ihren großen Durchbruch hatte sie 1986 mit einer Fotoreihe in dem Magazin "Sports Illustrated", die ihr den Spitznamen "The Body" einbrachte. 1999 wurde sie als erster australischer Star auf einer Briefmarke abgebildet.
Twiggy: Große Augen, lange Wimpern, ihr jungenhafter Körper und die kurzen blonden Haare waren Twiggys Markenzeichen in den sechziger Jahren. Sie war das bekannteste Mannequin der Dekade und ist das wohl berühmteste Model aller Zeiten.
Beverly Johnson: Sie war das erste schwarze Model, das es auf das Cover der amerikanischen und französischen "Vogue" schaffte. Der Ritterschlag für jedes Model. Mit der Titelseite der August-Ausgabe von 1974 ebnete sie den Weg für Supermodels wie Naomi Campbell und Tyra Banks. Die "New York Times" nannte sie eine der einflussreichsten Frauen im Modebusiness des 20. Jahrhunderts.
Christie Brinkley: Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, zog die Amerikanerin 1973 nach Paris, um Kunst zu studieren. In einem Postamt in der Stadt der Liebe wurde die damals 18-Jährige von einem Fotografen entdeckt. Blitzartig machte sie Karriere vor der Kamera und wurde das erste Model, das in drei aufeinanderfolgenden Jahren auf dem Cover der Bademoden-Ausgabe der "Sports Illustrated" erschien.
Cindy Crawford: Als Schülerin wurde Cynthie Ann während eines Sommerjobs auf einem Maisfeld entdeckt. Ein Nachrichtenfotograf machte ein Foto der damals 16-Jährigen und startete damit ihre Karriere. Aus ihrem einzigen Makel, einem Leberfleck über der Oberlippe machte sie einfach ihr Markenzeichen. 1991 heiratete sie den Frauenschwarm Richard Gere und veränderte nach Aussage des Modedesigners Michael Kors in den Neunzigern das Bild des sexy All-American-Girls von der blauäugigen Blondine hin zur heißblütigen Brünetten.
Dovima: Dorothy Virginia Margaret Juba, die in den Zwanzigern in New York geboren wurde, war ein kränkliches Kind, das jahrelang von seiner Mutter gepflegt werden musste. In dieser Zeit hatte sie einen imaginären Freund, den sie Dovima nannte, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen. Als sie in den Fünfzigern zum bekanntesten und bestbezahlten Model aufstieg, legte sie sich diesen Namen als Künstlernamen zu. Sie wurde von den wichtigsten Fotografen abgelichtet. Richard Avedon nannte sie "die beachtenswerteste und unkonventionellste Schönheit ihrer Zeit."
Helena Christensen: Die ehemalige Miss Dänemark war eines der bekanntesten Models der achtziger und neunziger Jahre. 1991 verhalf Christensen dem Video zu Chris Isaaks Song "Wicked Game", das von Herb Ritts gedreht wurde, durch ihren Ganzkörpereinsatz zum Status "erotischstes Video aller Zeiten". Inzwischen hat sich die Schöne aus dem hohen Norden aus dem Modelbusiness zurückgezogen. Sie gründete das Modemagazin "Nylon", arbeitete als Fotografin, engagierte sich gegen Brustkrebs und führt ein Antiquitätengeschäft in New York.
Donyale Luna: Peggy Anne Freeman lebte als Kind in einer Traumwelt, in der sie sich den Namen Donyale Luna gab, bei dem sie für den Rest ihres Lebens blieb. In den Sechzigern begann die große, sehr schlanke Schönheit mit den strahlend blauen Kontaktlinsen eine Karriere als Model und wurde im März 1966 das erste schwarze Model, das auf dem Cover der britischen Vogue erschien. Aus Fragen nach ihrer Hautfarbe machte sich Luna allerdings nichts, sie sah sich nicht als schwarz, sondern eine Mischung aus allen Hautfarben. In den späten sechziger Jahren bekannte sie sich öffentlich zu ihrem regelmäßigem LSD-Konsum. Sie feierte ausgiebig in Andy Warhol's Factory, mal mit Brian Jones von den Rolling Stones, mal mit Schauspieler Klaus Kinski. Im Mai 1979 starb Luna in einer Klinik in Rom an einer Überdosis Heroin.
Giselle Bündchen: Naomi Campbell nennt die brasilianische Schönheit das letzte Supermodel. Bündchen gilt zurzeit als das bestverdienende Modell der Welt. Mit ihren Kurven kam Ende der Neunziger auch der Schlussstrich für den bis dahin in der Modewelt beliebten "Heroin Chic".
Janice Dickinson: Sie behauptet, den Begriff "Supermodel" 1979 geprägt zu haben. "Du bist nicht Superman", soll ihr Agent gesagt haben, weil er besorgt war, dass sie zu viel arbeitet. Darauf will Dickinson geantwortet haben: "Ich bin nicht Superman. Ich bin ein Supermodel." Tatsächlich wurde der Begriff jedoch erstmals 1942 von der Journalistin Judith Cass benutzt. Einer ihrer Artikel für den "Chicago Tribune" war mit der Titelzeile "Super models are signed for fashion show" überschrieben.
Iman: Die Tochter des somalischen Botschafters in Saudi Arabien, begann ihre Modelkarriere 1975 mit 20. Iman Mohamed Abdulmajid wurde unter ihrem ersten Vornamen bekannt. Seither machte sie nicht nur als Model, sondern auch als Schauspielerin von sich reden. "Meine Traumfrau ist Iman", sagte der Modedesigner Yves Saint-Laurent einmal über das mit dem britischen Popstar David Bowie verheiratete Model.
Kim Alexis: Sie war eines der Topmodels der achtziger Jahre, schaffte es sogar 1983 die Hollywoodlegende Lauren Hutton als Gesicht der Kosmetifirma Revlon abzulösen. Während ihrer Karriere brachte sie es auf 500 Magazincover. Wenn sie heute über diese Zeit spricht, erzählt sie allerdings hauptsächlich von großem Druck durch den Schlankheitswahn in der Branche und ihren Selbstzweifeln. In den Neunzigern hängte sie das Modelgeschäft an den Nagel, wurde Moderatorin im Frühstücksfernsehen und trat in verschiedenen Fernsehshows auf. Heute hat sich Kim Alexis den wiedergeborenen Christen angeschlossen und predigt gegen Abtreibungen und Sex vor der Ehe.
Jean Shrimpton: Das englische Model machte 1960 mit 17 ihren Abschluss an einer Modelschule und wurde innerhalb einen Jahres zur Ikone der "Swinging Sixties" in London. Die hübsche Engländerin sorgte 1965 für einen handfesten Skandal. "The Shrimp", wie sie auch genannt wurde, erschien zu dem Victoria Derby in Melbourne, einem wichtigen Ereignis für die feine Gesellschaft, in einem weißen Kleid, das bereits zehn Zentimeter über ihren Knien endete. Es war ein Vorläufer des Minirocks. Dazu trug sie weder einen Hut, noch Strümpfe oder Handschuhe, sondern eine Männeruhr. Was in der feinen Gesellschaft für Wirbel sorgte, wurde der letzte Schrei und ebnete den Weg für den Minirock.
Margaux Hemingway: Die Karriere der Enkelin des Schriftstellers Ernest Hemingway steht für die dunklen Seiten des Modelgeschäfts. In der Septemberausgabe der amerikanischen Vogue von 1975 wurde sie zu "New York's New Supermodel" gekrönt. Im Jahr darauf bekam sie dann ein Angebot über eine Million Dollar des Parfümherstellers Fabergé für die Kampagne seinen neuen Duft "Babe". Doch mit dem Ruhm kamen auch die Partys, Drogen, Alkohol und schließlich zwei gescheiterte Ehen. Hemingway litt immer wieder unter Depressionen. Am 1. Juli 1996, einen Tag vor dem Jahrestag des Selbstmords ihres Großvaters wurde sie nach einer Medikamentenüberdosis tot in ihrer Wohnung in Santa Monica aufgefunden.
Lauren Hutton: Sie war in den siebziger Jahren das erste Modell, das einen großen Vertrag mit einer Kosmetikfirma abschloss. Als Gesicht von Revlon erlangte sie große Berühmtheit. Die Rolle der Michelle Stratton in "American Gigolo" an der Seite von Richard Gere machte sie zu einem unsterblichen Sexsymbol. 2005 ließ sie sich mit 62 Jahren nackt für das US-Magazin "Big" fotografieren, um Frauen zu zeigen, dass es nichts gibt, wofür sie sich im Alter schämen müssten.
Naomi Campbell: Bereits im Februar 1978 hatte die damals gerade erst siebenjährige Naomi Campbell ihren ersten Auftritt in der Öffentlichkeit - in dem Musikvideo zu Bob Marleys "Is This Love?". Doch es sollte noch bis 1985 dauern, bis sie entdeckt und bei einer Modelagentur unter Vertrag genommen wurde. Berühmt-berüchtigt ist das Supermodel für seine gewalttätigen Wutausbrüche, deretwegen sie immer wieder vor Gericht erscheinen und zu Geldstrafen und gemeinnütziger Arbeit verurteilt wurde.
Jerry Hall: Sie wurde am Strand von Saint Tropez als Model entdeckt. Die blonde Schönheit zog nach Paris, wo sie sich eine Wohnung mit Grace Jones teilte. 1975 zierte sie das Cover des Roxy-Music-Albums "Siren" und fünf Monate später ein Verlobungsring von Bryan Ferry ihren Finger. Sie wurde eines der bekanntesten Models der siebziger Jahre. 1977 verließ sie Ferry für den Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger.
Lisa Fonssagrives: Die Schwedin zierte in den dreißiger, vierziger und fünfziger Jahren unzählige Magazincover von "Vogue" über "Town and Country" bis "Life" und war das bestbezahlte Model ihrer Zeit. Sie arbeitete mit allen wichtigen Fotografen der Zeit.
Claudia Schiffer: Eigentlich war Claudia Schiffers Plan, Jura zu studieren und Anwältin in der Kanzlei ihres Vaters zu werden. Ihr Leben änderte sich jedoch dramatisch, als die damals 17-Jährige 1987 in einer Düsseldorfer Diskothek entdeckt wurde. Auf Probeaufnahmen in Paris folgte eine Kampagne für Guess-Jeans, Modenschauen für Chanel und 1990 schließlich das erste "Vogue"-Cover. Schiffer gehört zu den sogenannten Big Six, den sechs Supermodels der neunziger Jahre.
Stephanie Seymour: Sie begann ihre Modelkarriere, als sie 1982 mit 14 Jahren an einem Modelwettbewerb der Agentur Elite teilnahm. Ihren großen Durchbruch hatte die US-Amerikanerin als sie sich 1991 für den "Playboy" ablichten ließ. Etwa zur gleichen Zeit begann sie für die Unterwäschefirma Victoria's Secret zu modeln. Ebenfalls 1991 begann sie eine skandalgeschüttelte Beziehung mit dem Guns'n'Roses-Sänger Axl Rose. Sie spielte neben ihm in den Musikvideos "Don't Cry" und "November Rain" von Guns'n'Roses.
Tatjana Patitz: Auch sie ist eines der großen Models der achtziger und neunziger Jahre. Zusammen mit Naomi Campbell, Linda Evangelista, Christy Turlington und Cindy Crawford hatte sie 1990 einen Auftritt in George Michaels legendären Musikvideo "Freedom 90".
Suzy Parker: Eigentlich hieß sie Cecilia Renee Ann Parker, doch weil ihrem Vater die Initialen überhaupt nicht gefielen, nannte er sie Susie. ein französischer Fotograf änderte ihren Namen schließlich in Suzy. Als sie etwa 14 war, war ihre ältere Schwester Dorian bereits ein bekanntes Model und stellte sie allen wichtigen Leuten der Modebranche vor. So wurde Suzy Parker 1947 bereits im Alter von 15 Jahren das Gesicht von Chanel und schließlich zu einem der wichtigsten Models der fünfziger und frühen sechziger Jahre.
Veruschka: In den sechziger Jahren wurde sie als Modell entdeckt. Bis heute bekannt ist Veruschka Gräfin von Lehndorff allerdings eher wegen ihrer erste Filmrolle in Michelangelo Antonionis Kultfilm "Blow Up".
Kate Moss: Zu klein, zu dünn, zu O-beinig - Kate Moss gehörte ganz und gar nicht zu den kurvenreichen perfekten Schönheiten, die Models in den achtziger Jahren verkörperten. Statt dessen begründete sie einen ganz neuen Stil. Eltern, Lehrer und Psychologen waren entsetzt angesichts der untergewichtigen Britin, mit der der Heroin Chic Einzug in die Modewelt nahm. Doch währenddessen hauchte Moss schon auf den Fernsehschirmen weltweit "Obsession" in der Kampagne des gleichnamigen Parfums von Calvin Klein und kassierte für ihre Auftritte Millionengagen. Nebenbei lebt die Moss ein ausschweifendes Leben voller Drogen, Alkohol und skandalösen Beziehungen, die schließlich in ihrer "on and off"-Verlobung mit dem Rocker Pete Doherty und im Herbst 2005 in einem verwackelten Handyvideo in dem sie Kokain schnupfte gipfelte. Was für die meisten Models das Ende ihrer Karriere gewesen wäre, bedeutete für Moss nur ein paar Wochen Entzug, nach denen sie geläutert wieder ihren Thron als Supermodel und Modeikone bestieg. Mit mittlerweile 35 Jahren, einem Alter, in dem die meisten Models längst in Rente gegangen sind, ist Kate Moss auch heute noch erfolgreich wie eh und je.