Tote des Jahres 2009 - DER SPIEGEL
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Tote des Jahres 2009 Wen die Welt vermissen wird

Nationaltorwart Robert Enke und "King of Pop" Michael Jackson, Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn und Puff-Ikone Domenica - die Liste der prominenten Toten des Jahres 2009 ist lang. SPIEGEL ONLINE würdigt noch einmal Stars und Geistesgrößen, Politiker und Literaten, die die Welt im Jahr 2009 für immer verloren hat.
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Robert Enke, 32: Der deutsche Fußballtorwart, im Kader der Nationalmannschaft, spielte zuletzt bei dem Bundesliga-Verein Hannover 96. Enke brachte sich infolge von Depressionen am 10. November um, indem er sich vor einen Zug warf.

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Michael Jackson, 50: US-amerikanischer Sänger, Komponist und Tänzer. Mit weltweit etwa 750 Millionen verkauften Tonträgern war der "King of Pop" einer der kommerziell erfolgreichsten Musiker in der Geschichte der Popmusik. Mit dem Album "Thriller" (1982) wurde er weltberühmt - es ist das bislang meistverkaufte Album der Welt. Jackson starb am 25. Juni.

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Domenica Niehoff, 63: Hamburger Puff-Ikone mit großem Herz und noch größerer Oberweite, die Mutter Courage von St. Pauli. Gestorben am 12. Februar.

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Eduard Zimmermann, 80: Der "Ganoven-Ede" des ZDF kreierte und moderierte die lange umstrittene Fahndungssendung "Aktenzeichen XY ungelöst ...". Zimmermann starb am 19. September.

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Patrick Swayze, 57: Amerikanischer Schauspieler und Sänger, der 1987 mit dem Kultfilm "Dirty Dancing" weltberühmt wurde. Gestorben am 14. September.

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Corazon Aquino, 76: Ex-Präsidentin und demokratische Leitfigur der Philippinen. Mit der "People Power"-Bewegung stürzte sie 1986 den Diktator Ferdinand Marcos. Gestorben am 1. August.

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Pina Bausch, 68: Die Choreografin war eine der kühnsten und kreativsten Theater-Erfinderinnen der letzten Jahrzehnte, die große Befreierin der Tänzer von Schemen und Zwängen zu Individualität und Spontaneität. Ihre künstlerische Existenz war seit der Gründung ihres "Tanztheaters" 1973 fest mit der Stadt Wuppertal verbunden, doch die weltweit gefeierten Tourneen haben ihr Ensemble zu einem der glorreichsten deutschen Kultur-Exportgüter unserer Zeit gemacht. Pina Bausch starb am 30. Juni.

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Ernst Benda, 84: Als CDU-Innenminister der Großen Koalition war er 1968 für die Notstandsgesetze verantwortlich und damit eine Hassfigur der 68er-Rebellen, die ihn mit dem Schmähruf "Ho-ho-ho, Benda in den Zoo" verfolgten. Zur "menschlich schwersten, aber juristisch unausweichlichen Entscheidung" musste er sich als Präsident des Bundesverfassungsgerichts durchringen: 1977 verweigerte das Gericht den Austausch des entführten Arbeitgeber-Chefs Hanns-Martin Schleyer gegen RAF-Terroristen. Gestorben am 2. März.

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Raúl Alfonsín, 82: Argentiniens erster Staatschef nach der Militärdiktatur. 1983 gewählt, brachte er etliche Junta-Kommandanten vor Gericht. Gestorben am 31. März.

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Monica Bleibtreu, 65: Sie kam aus einer Wiener Theaterfamilie, hatte in Bonn, Berlin und München früh Erfolg und wurde 1972 in Hamburg sesshaft. Doch der Durchbruch zu einer außerordentlichen und vielfach prämierten Spätkarriere gelang ihr, angetrieben von ihrem Sohn Moritz, mit großen Fernseh- und Filmrollen erst Ende der neunziger Jahre: Als Ehefrau von Thomas Mann und als Ehefrau von Bertolt Brecht, als strenge Klavierpädagogin und als mütterliche Therapeutin bleibt sie in starker Erinnerung. Die menschenfreundliche Menschendarstellerin starb am 14. Mai.

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Erich Böhme, 79: Er war fast 17 Jahre lang SPIEGEL-Chefredakteur und einer der einflussreichsten Journalisten der Republik. Die Veröffentlichung der Barschel-Affäre 1987 hat er selbst als den Höhepunkt seiner Karriere betrachtet. Böhme war eine passionierte Spürnase, eine hessische Frohnatur, eloquent, humorbegabt, aber auch prinzipienfest. Sein Verhältnis zum Herausgeber Rudolf Augstein war nicht immer störungsfrei. Ein Dissens über die deutsche Frage ("Ich möchte nicht wiedervereinigt werden") führte Ende 1989 zu Böhmes Abschied. Der nach eigenen Worten "unheilbare Journalist" blieb der Branche aber treu - als Herausgeber der "Berliner Zeitung" und Moderator der TV-Reihe "Talk im Turm". Der Krebs, den er schon 2003 "zum Teufel jagen" wollte, hat ihn am 28. November doch noch besiegt.

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Leo Brawand, 84: In der SPIEGEL-Affäre war er eine Schlüsselfigur: Als Polizisten 1962 die Redaktion des angeblich landesverräterischen Nachrichten-Magazins stürmten, versteckte sich der kaltblütige Vizechef in einem Büroschrank und warnte seinen Herausgeber Rudolf Augstein vor der drohenden Verhaftung. 1971 wurde er Chefredakteur des manager magazin. Über die Abgründe ökonomischer Führungskräfte verfasste er später ein amüsantes Buch mit zukunftsweisendem Titel: "Manager sind auch nur Menschen". Gestorben am 8. Juni.

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Walter Cronkite, 92: Er war das journalistische Idol einer ganzen Nation, mehr Monument als Moderator: Keinem Irdischen haben die Amerikaner so vertraut wie ihrem CBS-Anchorman "Onkel Walter" und seinem Schlusswort nach den Abendnachrichten: "And that's the way it is." Gestorben am 17. Juli.

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Merce Cunningham, 90: Er ließ sich als Choreograf von Dada und Pop Art inspirieren, revolutionierte das amerikanische Ballett und schaffte noch im hohen Alter einen Pas de deux mit Michail Baryschnikow. Gestorben am 26. Juli.

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Ralf Dahrendorf, 80: In seiner politischen Praxis hatte er sich ganz der FDP verschrieben. Für die Freien Demokraten saß er im Bundestag und als Parlamentarischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Parteichef Guido Westerwelle rühmte ihn als "Ikone des politischen Liberalismus". Aber Dahrendorf war wie viele Freigeister eher ein Homme de Lettres, der sich selbst einen "glücklichen Intellektuellen" und "Weltbürger" nannte. Der Soziologe und Philosoph, Sohn eines Hamburger SPD-Reichstagsabgeordneten, war ein stilsicherer und scharfsichtiger Essayist und Gesellschaftstheoretiker. Dahrendorf diskutierte mit Rudi Dutschke über die 68er-Ideale, forderte ein "Bürgerrecht auf Bildung" und attackierte als EWG-Kommissar die bleierne Brüsseler Bürokratie. 1974 wechselte der "Primus seiner Generation" als Rektor an die elitäre London School of Economics. Von der Queen geadelt, kam er im Oberhaus zu Sitz und Stimme. Am 17. Juni ist Lord Dahrendorf gestorben.

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Hanne Darboven, 67: International hochgerühmte deutsche Konzeptkünstlerin. Gestorben am 9. März.

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Dave Dee, 67: Sänger der britischen Poptruppe Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich, die zu Beatles-Zeiten die Hitparaden stürmte. Gestorben am 9. Januar.

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Fred Delmare, 87: In der DDR war er ein vielbeschäftigter Schauspielstar, seine letzte Rolle spielte er in der aktuellen TV-Klinikserie "In aller Freundschaft". Gestorben am 1. Mai.

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Willy DeVille, 58: Amerikanischer Rhythm&Blues-Musiker, der 1977 mit dem Hit "Spanish Stroll" aus der New Yorker Punkszene aufstieg. Gestorben am 6. August.

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Rolf H. Dittmeyer, 88: Umtriebiger Unternehmer und Saftproduzent, der als "Onkel Dittmeyer" ein Markenzeichen in der Werbung wurde. Gestorben am 17. Mai.

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Ruth Drexel, 78: Eine der großen bayerischen Volksschauspielerinnen. Als Mutter des beleibten "Bullen von Tölz" bundesweit bekannt. Gestorben am 26. Februar.

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Farrah Fawcett, 62: Hollywoods prächtigste Löwenmähne, Star-Detektivin in der US-Serie "Drei Engel für Charlie". Gestorben am 25. Juni.

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Paul Flora, 86: "Der Denker und Grübler unter den Karikaturisten" (Friedrich Dürrenmatt), jahrzehntelang politischer Chef-Illustrator der "Zeit". Gestorben am 15. Mai.

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Jürgen Gosch, 65: Vielfach ausgezeichneter deutscher Theaterregisseur, dessen gewaltgeladener "Macbeth" 2005 in Düsseldorf für einen Eklat sorgte. Tschechows "Möwe" am Deutschen Theater Berlin war 2008 sein letzter großer Triumph. Gestorben am 11. Juni.

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Hanne Hiob, 86: Bertolt Brechts älteste Tochter, eine ganz im väterlichen Geist kämpferisch-politische Künstlerin, die sich gegen Rassismus und Rechtsradikalismus engagierte und als Schauspielerin vor allem das Brecht-Erbe pflegte. Gestorben am 23. Juni.

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Jörg Hube, 65: Bayerischer Schauspieler und Kabarettist, ein "heiterer Mensch, der einfach zu intelligent war, um hemmungslos fröhlich zu sein" (Dieter Hildebrandt). Gestorben am 19. Juni.

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Jeanne-Claude, 74: Sie galt lange als eine jener kreativen Frauen, die nur als "Muse" ihres männlichen Partners Interesse wecken. In der Arbeitsgemeinschaft des Künstlerpaars Jeanne-Claude und Christo jedoch war die zierliche Französin eine gleichwertige Teilhaberin. Gemeinsam, oft gegen Widerstände, realisierten die Landschaftskünstler ihre visionären Verpackungsaktionen - die spektakulärste war 1995 die Verhüllung des Berliner Reichstags. Am 18. November ist die Künstlerin Jeanne-Claude gestorben.

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Edward "Ted" Kennedy, 77: US-amerikanischer Senator und ein führender Politiker der Demokratischen Partei der USA. Seit 2007 stand er im Senat dem Sozialausschuss vor. Mit Edward "Ted" Kennedy starb am 25. August der letzte der vier Kennedy-Brüder.

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Günter Kießling, 83: Die Republik stand kopf, als 1983 ruchbar wurde, in der Bundeswehr gebe es einen hochrangigen Homosexuellen. Gemeint war der Vier-Sterne-General Kießling, der Stammgast in einer Schwulenkneipe gewesen sein sollte - eine Verwechslung und ein Fall von Rufmord. CDU-Verteidigungsminister Manfred Wörner, der Kießling umgehend gefeuert hatte, musste die Entlassung zurücknehmen. Unversöhnt, quittierte der gedemütigte General 1984 den Dienst. Er starb am 28. August.

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Leszek Kolakowski, 81: Polnischer Philosoph und Freiheitsdenker, der den Marxismus für die "größte Phantasie unseres Jahrhunderts" hielt. Gestorben am 17. Juli.

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Johanna König, 87: Sie war berühmt für ihre Gardinenpredigt ("Nicht nur sauber, sondern porentief rein"), das Schreckgespenst aller Schlampen: Fast 20 Jahre lang war die gelernte Schauspielerin die putzmuntere "Klementine" in der Waschmittelwerbung. Gestorben am 3. März.

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Claude Levi-Strauss, 100: Auf zwei Forschungsreisen zu den Amazonas-Indianern Brasiliens hat der junge Soziologe aus Frankreich in den dreißiger Jahren die Grunderkenntnisse über Mythen, Rituale und Familienstrukturen gewonnen, aus denen sich ein vielfältiges Werk entwickelte. Als Begründer des "Strukturalismus", der Ethnologie und Sprachwissenschaft verbindet, wurde er einer der einflussreichsten Kulturtheoretiker des späten 20. Jahrhunderts. Am 30. Oktober ist Lévi-Strauss in Paris gestorben.

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Werner Maihofer, 90: FDP-Veteran. Vier Jahre lang Bundesinnenminister in der sozial-liberalen Koalition, demissionierte 1978 nach Pannen bei der RAF-Fahndung. Gestorben am 6. Oktober.

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Karl Malden, 97: Der knubbelnasige Hollywood-Haudegen wurde in Deutschland als Partner von Michael Douglas in der Detektivserie "Die Straßen von San Francisco" bekannt. Gestorben am 1. Juli.

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Franz Marischka, 90: Der österreichische Regisseur (Spitzname "Zwetschi") befruchtete Opas Kino der sechziger und siebziger Jahre mit allerlei Trash, notabene den Unterleibs-Possen "Lass jucken, Kumpel" und "Liebesgrüße aus der Lederhose". Gestorben am 18. Februar.

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Charlie Mariano, 85: Der amerikanische Jazz-Saxofonist, der jahrzehntelang in Europa lebte, war ein virtuoser Grenzgänger zwischen Jazz, Rock, Pop und exotischen Klanggespinsten. Gestorben am 16. Juni.

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Al Martino, 82: Im Mafia-Epos "Der Pate" spielte er den Nachtclubsänger Johnny Fontane, als hauptberuflicher Schlagersänger bezirzte er das Publikum mit "Spanish Eyes". Gestorben am 13. Oktober.

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Hans Matthöfer, 84: Dreifacher Minister (Forschung, Finanzen, Post) in der Regierung Helmut Schmidt. Der knorrige Sozialdemokrat hatte seinen populärsten Auftritt in einer Talkshow: Als der Kommunarde Fritz Teufel ihn mit Tinte bespritzte, revanchierte sich Matthöfer mit einer Rotweindusche - "ein Ausdruck wehrhafter Demokratie", so juxte die Presse. Gestorben am 14. November.

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Frank McCourt, 78: "Die Asche meiner Mutter", sein autobiografischer Roman über das Elend einer irischen Familie, gehört zur Weltliteratur: "Ich musste das Buch einfach schreiben, sonst wäre ich weinend gestorben." Er starb am 19. Juli.

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Robert McNamara, 93: Der US-Verteidigungsminister, den John F. Kennedy für einen der klügsten Köpfe der Zeit hielt, verwickelte die USA immer tiefer in den Vietnam-Krieg. Nach dem fluchtartigen Abzug der letzten Amerikaner 1975 wandelte sich der Hardliner zum Moralisten und bereute seine skrupellose Kriegspolitik: "We were wrong, terribly wrong." Gestorben am 6. Juli.

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Adolf Merckle, 74: In der Garde der deutschen Nachkriegswirtschaftsbosse war er eine graue Eminenz, ein Erzkapitalist, der mit feiner Nase für Wachstumsmärkte eine Arzneimittel-Klitsche zu einem formidablen Industrie-Imperium ausbaute. Der schwerreiche Pfennigfuchser aus Blaubeuren, der gern mit einem klapprigen Mercedes durchs Land karriolte, dirigierte ein Konzern-Konglomerat aus Pharma-, Maschinenbau- und Baustoffunternehmen. Doch in der Weltfinanzkrise verlor der Krösus offenbar jedes Augenmaß. Mitten im Machtkampf um Porsche verspekulierte er sich mit VW-Aktien und verlor Hunderte Millionen Euro. Auf seinen Firmen lastete überdies ein Milliardenschuldenberg. Vom Desaster gebrochen, legte sich Merckle am 5. Januar auf ein Bahngleis und ließ sich von einem Zug überrollen.

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Reinhard Mohn, 88: In respektvollen Medienberichten wurde er gern als "roter Mohn" oder als der "stille Mann aus Gütersloh" beschrieben, der Prominenten-Auftrieb und öffentlichem Rummel aus dem Wege ging und sich zahlreichen gemeinnützigen Projekten widmete. Von seinem Vater hatte Mohn 1947 ein bescheidenes, völlig zerbombtes Druck- und Verlagshaus in der ostwestfälischen Provinz übernommen. 1950 gründete er den Bertelsmann-Lesering und legte mit diesem Buchvertrieb den Grundstein für einen der größten Medienkonzerne der Welt. Bis 1981 blieb der Patriarch an der Firmenspitze, später überwachte seine Frau Liz das operative Geschäft. Am 3. Oktober ist Mohn gestorben.

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Fritz Muliar, 89: Wiener Volksschauspieler, Nestroy- und Raimund-Spezialist, unvergessen als braver Soldat Schwejk. Gestorben am 4. Mai.

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Irving Penn, 92: Mit einem strengen, schwarzweiß komponierten Modefoto für das Glamour-Magazin "Vogue" startete der New Yorker Lichtbildner in den vierziger Jahren seine sensationelle Karriere als Mode- und Porträtfotograf. Gestorben am 7. Oktober.

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Barbara Rudnik, 50: Ihre kühle, elegante Schönheit ist auf Bildschirm und Leinwand früh aufgefallen, doch sie blieb eine unstete Erscheinung. Kein familiäres Gesicht, zu viel Geheimnis darin, zu viel Unnahbarkeit, vielleicht auch Gefährlichkeit: Diese Aura der Einzelgängerin trug sie durch eine lange Karriere. In den letzten Jahren hat auch ihr stolzer Kampf gegen den Krebs öffentliche Anteilnahme gefunden, am 23. Mai ist sie nach langem Leiden gestorben.

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Toni Sailer, 73: Die Österreicher vergötterten den Kitzbüheler als "Jahrhundertsportler", die alpine Ski-Welt nannte ihn den "schwarzen Blitz aus Kitz", weil er meist im schwarzen Renndress und weißer Zipfelmütze über die Pisten bretterte. "Manchmal", bekannte er einmal, "habe ich dem Herrgott versprochen, dass ich nie mehr runterfahre, wenn ich heil ins Ziel komme." In seiner kurzen Karriere hat Sailer dreimal Olympiagold und sieben Weltmeisterschaften gewonnen. Schon mit 22 retirierte der Champion, wechselte ins Showbusiness und genoss ein neues Leben als Schlagersänger und Filmschauspieler. Am 24. August ist der charismatische Sportler in Innsbruck gestorben.

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Johannes Mario Simmel, 84: Die Literaturkritik betrachtete ihn lange abschätzig als "fröhlichen Apokalyptiker", der sich mit allzu leichter Hand an ernsten Themen vergriff. "Es muss nicht immer Kaviar sein" oder "Lieb Vaterland, magst ruhig sein" hießen die Schmöker, die Titel avancierten rasch zu geflügelten Worten. Das Lesevolk liebte seinen Simmel, der gut 30 effektvolle Romane schrieb und etwa 70 Millionen Exemplare verkaufte. Der gebürtige Wiener und gelernte Chemie-Ingenieur war ein hartnäckiger, am Ende melancholischer Weltverbesserer, der in seinen penibel recherchierten Werken gegen Biowaffen, Umweltsünden, Genmanipulation und Rechtsradikalismus kämpfte und schließlich auch die ungnädigen Rezensenten besänftigte. Am 1. Januar ist Simmel gestorben.

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Mercedes Sosa, 74: Die Argentinier verehrten die furchtlose "La Negra" für ihre Protestsongs gegen die Militärdiktatur. Gestorben am 4. Oktober.

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Gisela Stein, 74: Grande Dame und Tragödin der Münchner Kammerspiele, die in vielen klassischen Frauenrollen brillierte. Gestorben am 4. Mai.

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Robert Stromberger, 78: Einer der erfolgreichsten und klügsten TV-Drehbuchautoren. Seine milieugenaue ARD-Langzeitreihe "Die Unverbesserlichen" war ein Meilenstein in der deutschen Fernsehgeschichte. Gestorben am 7. Februar.

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Horst Szymaniak, 75: Der deutsche Nationalspieler war einer der ersten Fußballstars, die - als vaterlandslose "Legionäre" gescholten - nach Italien gingen. Gestorben am 9. Oktober.

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Mary Travers, 72: Sie war das politisch aktive Zeitgeist-Girl im US-Folkloretrio Peter, Paul and Mary ("Puff, The Magic Dragon"). Gestorben am 16. September.

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John Updike, 76: Er stammte aus ärmlich-ländlichen Verhältnissen in der Nordostecke der USA, wurde dank Stipendien ein Muster-Absolvent der Universität Harvard und entwickelte sich als Romancier zum exemplarischen Sittenchronisten des amerikanischen Mittelstands: Der Wandel von Alltag, Lebensstil, Sexualmoral und Geschmack im Lauf des späten 20. Jahrhunderts ist in seinem feinen, atmosphärisch dichten Erzählkosmos verewigt. Updike starb am 27. Januar.

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Peter Zadek, 83: Wo immer er Theater machte, wirkte er als vorsätzlicher und lustvoller Unruhestifter. In Berlin geboren, im britischen Exil erzogen, kam er 1958 nach Deutschland zurück und sorgte für Spektakel: ein Mann mit fabelhaftem Instinkt für freche, provokative, auch sensationsfreudige Zeitstücke, doch auch ein Mann mit tiefer Leidenschaft für die geduldige theatralische Vergegenwärtigung der Klassiker Shakespeare, Ibsen, Tschechow. Der große Bühnenzauberer, bis zuletzt voller Pläne, starb am 30. Juli.

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Otto Graf Lambsdorff: Als "Marktgraf" hielt der aus baltischem Uradel stammende Jurist stets und überall die Fahne der freien Marktwirtschaft hoch, nicht nur als Bundeswirtschaftsminister (von 1977 bis 1984) und als FDP-Chef (1988 bis 1993). Mit seiner scharfen Zunge und bisweilen schroffen, immer unbeirrbaren Art machte sich Lambsdorff, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg ein Bein verloren hatte, viele Gegner. 1982 löste er mit dem "Lambsdorff-Papier" den Bruch der sozial-liberalen Koalition aus, was ihm den Hass vieler Sozialdemokraten eintrug. Den Nadir erlebte er 1984, als er im Zusammenhang mit der Flick-Parteispendenaffäre einen Strafbefehl akzeptieren musste und damit als vorbestraft galt. Dennoch machten die Liberalen ihn 1988 zu ihrem Vorsitzenden. Meriten erwarb sich der Elder Statesman um die Jahrtausendwende als Vermittler in der Frage der Zwangsarbeiterentschädigung durch die deutsche Wirtschaft. Er starb am 5. Dezember im Alter von fast 83 Jahren.

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Rolf Rüssmann, 58: Der kopfballstarke Vorstopper spielte von 1969 bis 1973 beim FC Schalke 04. Mit diesem Verein wurde er 1972 DFB-Pokalsieger und deutscher Vizemeister. 1972 stand er im vorläufigen Aufgebot der Nationalmannschaft. Gestrichen wurde er aus dem Kader, nachdem die Verwicklung der Schalker Spieler in den Bundesliga-Skandal ans Licht gekommen war. Eine internationale Karriere war damit vorerst unmöglich geworden. Rüssmann wurde rechtskräftig vom Landgericht Essen verurteilt, vom DFB ab März 1973 gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt. Da ihm jedoch die Freigabe für ausländische Ligen erteilt wurde, wechselte er nach Belgien zum FC Brügge. Nach seiner Begnadigung im Januar 1974 kehrte er zum FC Schalke 04 zurück. In diesem Verein spielte er bis zum 30. November 1980; 1977 wurde er mit Schalke noch einmal Vizemeister. Zum 1. Dezember wechselte er zu Borussia Dortmund. Bis 1985 spielte er bei diesem Verein in der Bundesliga. Mit 453 Spielen, in denen ihm 48 Tore gelangen, gehört er zu den Spielern mit den meisten Bundesliga-Einsätzen.

Für die deutsche Nationalmannschaft spielte er 1977 und 1978 in 20 Länderspielen und nahm an der WM 1978 in Argentinien teil. Seinen einzigen Treffer in einem Spiel der Nationalmannschaft erzielte er beim 1:0-Erfolg gegen die Sowjetunion am 8. März 1978.

Am 25. Februar 1987 wurde Rüssmann Manager des FC Schalke 04 als Nachfolger von Rudi Assauer. Bereits am 10. August 1987 kündigte er jedoch nach einem Streit mit dem Vorsitzenden Günter Siebert. Am 1. April 1990 wurde er von Helmut Grashoff als Manager bei Borussia Mönchengladbach eingearbeitet. Ab dem 15. Januar 1991 war er bei diesem Verein Manager. Bereits 1992 wurde er aus diesem Amt entlassen, jedoch schon drei Monate später zurückgeholt. Bis 1998 arbeitete Rüssmann für Borussia Mönchengladbach. Am 1. Februar 2001 wurde er Manager des VfB Stuttgart. Am 19. Dezember 2002 übernahm der neue Trainer Felix Magath jedoch auch diesen Posten.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?