Tröglitz Feuer in künftiger Flüchtlingsunterkunft
Das beschädigte Wohnhaus in Tröglitz, Sachsen-Anhalt. Hier sollten 40 Flüchtlinge ab Mitte Mai untergebracht werden.
Am frühen Samstagmorgen gegen 2 Uhr bemerkten Anwohner das Feuer.
In dem Gebäude wohnten noch zwei Mieter, die sich unverletzt retten konnten.
Der Dachstuhl brannte aus. Nach ersten Schätzungen der Polizei liegt der Schaden im sechsstelligen Bereich.
Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Eine oder mehrere Personen seien in der Nacht auf Samstag in das Wohnhaus eingebrochen und hätten dort Feuer gelegt, hieß es in einer Mitteilung der Polizei Sachsen-Anhalt Süd. "Dabei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger verwendet." Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund für naheliegend.
Der Ex-Bürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth, zeigt sich nach dem Feuer erschüttert. "Das ist fürchterlich, ich bin traurig. Die Wut hier ist groß. Viele Menschen sind entsetzt, sie wissen ganz genau, was das Feuer für den Ruf unser Stadt bedeutet", sagte er SPIEGEL ONLINE. Er geht von Brandstiftung aus.
In einem Flugblatt rief er nun auf: "Es ist endgültig Zeit aufzustehen."
Nierth war vor rund vier Wochen zurückgetreten. Der parteilose Politiker hatte sich seit Monaten für die neue Asylbewerberunterkunft eingesetzt, bis Bürger und NPD vor seine Haustür ziehen wollten. Dann war für den Vater von sieben Kindern Schluss. Er fühle sich alleingelassen von Behörden und vielen Mitbürgern, teilte Nierth mit und kritisierte eine "schweigende Mitte".
Am Dienstag hatte der zuständige Landrat Götz Ulrich (CDU) die Bürger zu einer Versammlung eingeladen. Rund 500 Bewohner kamen, um sich über die neue Asylbewerberunterkunft mitten im Ort zu informieren. Nach dem Brand sagte Ulrich: "Wir sind alle schockiert. Für mich ist auf jeden Fall klar, dass der Brand kein Anlass ist, von der dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge im Burgenlandkreis abzuweichen - auch nicht in Tröglitz."
Landrat Ulrich hatte auf der Versammlung angekündigt, dass in die zwölf Wohnungen überwiegend Flüchtlingsfamilien einziehen sollen. Es solle einen Wachdienst und einen Sozialarbeiter geben. Die Stimmung bei dem Treffen war von Pöbeleien geprägt, auch NPD-Vertreter waren vor Ort.
Solidarität mit den Flüchtlingen wurde wenig laut geäußert. Die evangelische Kirche setzte mit einem Transparent ein Zeichen gegen Rechtsextremismus. Pfarrer Matthias Keilholz hat mit Ex-Bürgermeister Nierth eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, sie wirbt für ein Willkommen der Flüchtlinge.
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU, l.) sprach laut MDR von einem "gemeinen Verbrechen". "Hier geht es um unsere Demokratie. Wir weichen keinen Schritt zurück."
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte: "Wer Flüchtlingsunterkunft anzündet, handelt feige u abscheulich. Beschämende Tat in #Troeglitz. Müssen uns gemeinsam gg rechte Hetze stellen."