Erdogan Der autoritäre Macher
Erstmals seit den Gezi-Protesten im Sommer 2013 wählen die Menschen in der Türkei. Für Premierminister Recep Tayyip Erdogan geht es um seine Zukunft. Er erklärt die Kommunalwahlen Ende März zu einem Referendum über die Zukunft des Landes.
Erdogan (das Foto zeigt ihn auf einer Veranstaltung 1997) ist ein konservativer Muslim, der nur aus Pragmatismus auf Reformen setzt. Der frühere Premierminister Necmettin Erbakan (im Bild links neben Erdogan) gilt als sein politischer Ziehvater.
Erdogan gelang eine Bilderbuchkarriere: vom Sohn armer Zuwanderer von der Schwarzmeerküste zum mächtigsten Mann im Land. Hier feiern ihn seine Fans im Jahr 1998, als er noch Oberbürgermeister von Istanbul war.
Erdogan versteht sich als Verkörperung der Türkei. Kritik an ihm ist nach dieser Logik unpatriotisch, geradezu Verrat. Innerhalb seiner AK-Partei wird über ihn nur wenig diskutiert - und wenn, dann so, dass Erdogan davon nichts mitbekommt.
So sehr ihn seine Fans feiern, so sehr lehnen ihn seine Kritiker ab. Erdogan setzt sich über Gesetze hinweg, mischt sich in Justiz und Wirtschaft ein und beschränkt Presse- und Meinungsfreiheit. Für seine wirtschaftlichen Leistungen loben ihn trotzdem viele Türken.
Erdogan und Atatürk: Zu dem Mann, dessen Porträt in allen Büros und in vielen Geschäften in der Türkei hängt, hat der Premierminister ein gespaltenes Verhältnis. Atatürk setzte eine säkulare Republik durch, Erdogan will dem Islam wieder mehr Platz verschaffen.