TV-Experte: Mein lieber Scholli - DER SPIEGEL
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TV-Experte Mein lieber Scholli

Krach bei der ARD: Mehmet Scholl hat zwei Sendungen boykottiert. Offenbar passte ihm nicht, dass der Sender über Dopingvorwürfe berichten wollte. Es ist nicht der erste Scholl-Aufreger.
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Mehmet Scholl hat zwei ARD-Sendung während des Confed Cups ausfallen lassen. Der Grund dafür: Unstimmigkeiten darüber, wie über die Dopingvorwürfe gegen Russlands Nationalteam berichtet werden soll. Scholl hat während seiner Zeit als TV-Experte schon mehrfach für Aufregung gesorgt.

Foto: imago/ Michael Weber
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Im Nachgang zum EM-Viertelfinalerfolg über Italien feierte die deutsche Öffentlichkeit den überwundenen "Italien-Fluch" des DFB-Teams. Nicht so Scholl. Er kritisierte die taktische Ausrichtung der deutschen Mannschaft und ätzte in Richtung Chefscout Urs Siegenthaler und dessen Mitarbeiterstab: "Der Herr Siegenthaler möge bitte seinen Job machen, morgens liegen bleiben und die anderen zum Training gehen lassen."

Foto: Karina Hessland/ Bongarts/Getty Images
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Das war nicht das erste Mal während dieser EM, dass der ehemalige Bayern-Profi mit Protagonisten hart ins Gericht ging. Nach Ende des torlosen Viertelfinals zwischen Polen und Portugal, das die Portugiesen erst im Elfmeterschießen für sich entschieden, ereiferte sich Scholl vor laufenden Kameras über die Defensivstrategie Portugals, die "für Ästheten nicht einfach anzuschauen" gewesen sei: "Sie haben vielleicht das umgesetzt, was ihr Trainer Santos will. Aber ein Fußballer will Spaß und Leidenschaft haben. Portugal spielt aber mit Bremsen, und die nehmen sie nicht mehr raus. In ihrem Spiel ist Stillstand."

Foto: Alex Livesey/ Getty Images
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Auch Mesut Özil hatte einige Tage zuvor bereits vom Europameister von 1996 sein Fett wegbekommen. Deutschland hatte das zweite Gruppenspiel gegen Polen 0:0 gespielt, Torchancen waren Mangelware gewesen. Der ARD-Experte Scholl sah den Spielmacher vom FC Arsenal als Hauptschuldigen und wetterte: "Die Teilnahmslosigkeit, auch diese Körpersprache von Özil, das fällt natürlich auch den Abwehrspielern hinten auf. Die sagen: Wir rödeln, wir kommen von einer schwierigen Situation in die andere und vorne schaut man, dass man ein bisschen Fußball spielt. Das funktioniert so nicht."

Foto: FRANCK FIFE/ AFP
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Bereits im Vorfeld der EM hatten Aussagen von Scholl für Wirbel im Kreis der deutschen Nationalmannschaft gesorgt. In der Übertragung zum 4:1-Testspielsieg gegen Italien im März knöpfte er sich den Kopfballtorschützen Mario Götze vor und warf ihm fehlenden Arbeitseifer vor. Nach Meinung Scholls müsse der Finaltorschütze von Rio 2014 "viel, viel mehr trainieren. Dieses Talent kann nur in die Weltklasse führen. Da muss man diesem Spieler auf die Sprünge helfen".

Foto: Kerstin Joensson/ AP
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Wenn Scholl (vermeintliche) Missstände erkennt, dann bringt er diese schonungslos zur Sprache. Dabei schreckt er auch nicht vor Kritik an seinem ehemaligen Arbeitgeber zurück. Hinter der Personalpolitik des FC Bayern wollte er im Mai eine "völlig neue Logik" erkannt haben. Scholl konnte (oder wollte) einfach nicht nachvollziehen, wie man einen verdienten Spieler wie Bastian Schweinsteiger abgeben könne. Im Gegenzug wolle man einen Robert Lewandowski unbedingt halten, obwohl der mit einem Vereinswechsel kokettiere.

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP
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Die Hauptursache für die benannten Mängel sah Scholl in der Fußballlehrerausbildung des DFB. „Je mehr ich die Kandidaten beobachtet habe, die mit Bestnoten abschließen, die dieses typische Kursbester-Gesicht haben und die Kursinhalte aufgesogen haben, desto mehr sträubten sich mir die Nackenhaare“, befand er abfällig. "Bei denen ist Taktik oberstes Gebot, das sind Laptop-Trainer."

Foto: Arne Dedert/ dpa
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Bei der WM 2014 in Brasilien begnügte sich Scholl ausnahmsweise einmal damit, sich der gängigen Meinung der Allgemeinheit anzuschließen. Fred spielte gelinde gesagt eine mäßige Weltmeisterschaft und wurde bald vom eigenen Anhang zum Sündenbock auserkoren. Scholl sprang auf den Zug auf und stellte nonchalant fest: "Alle laufen. Nur Fred, der geht."

Foto: Martin Rose/ Getty Images
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Seit 2008 ist Scholl nun schon als TV-Experte für die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt ARD tätig. Seine Kritik am Spielstil von Mario Gómez bei der EM 2012 ("Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wund gelegen hat und gewendet werden muss.") schlug große Wellen. Mittlerweile hat sich Scholl für seine Aussagen von damals entschuldigt und eingestanden, dass er damit der Karriere von Gómez geschadet habe.

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP
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Bereits in seinem dritten Jahr als Fernsehanalyst fiel Scholl erstmals wegen eines Statements auf. Nachdem sich Lewis Holtby 2010 im Anschluss an eine vergebene Torchance auf dem Platz bekreuzigte, entfuhr es ihm: "Was er danach macht, das finde ich nicht so schön. Sich bekreuzigen, das ist des Guten doch so ein bisschen zu viel, Lewis! Das können wir uns schenken!"

Foto: Marcus Brandt/ dpa
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