Uli Hoeneß Der Rückkehrer
Der Rückkehrer: Zweieinhalb Jahre nachdem er wegen einer Freiheitsstrafe für Steuerhinterziehung von seinen Ämtern beim FC Bayern München zurückgetreten ist, betritt Uli Hoeneß wieder die große Bayern-Bühne. Auf der Jahreshauptversammlung des deutschen Rekordmeisters am Freitagabend wurde Hoeneß erneut zum Präsidenten gewählt.
Hoeneß und der FC Bayern - diese Symbiose war bis zu seinem Rücktritt 2014 sportlich und wirtschaftlich höchst erfolgreich. Der gebürtige Ulmer war als Spieler, Manager, Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident des FC Bayern aktiv. Zum Verein stieß er 1970.
1976 holte Hoeneß mit dem FC Bayern zum dritten Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister, den Vorgänger der Champions League. 1:0 siegten die Bayern im Finale über Saint Etienne, nach dem Spiel schwenkten Hoeneß und sein Teamkollege Johnny Hansen euphorisch die Trophäe.
1982 überstand Hoeneß nur knapp einen Flugzeugabsturz: Mit drei Freunden war er zu einem Länderspiel nach Hannover geflogen, beim Anflug auf die Landeshauptstadt stürzte die Propellermaschine ab.
Der damalige Bayern-Manager überlebte als Einziger. Als Hoeneß am nächsten Tag im Krankenhaus erwachte, fragte er: "Wie ist das Länderspiel ausgegangen?"
Als Manager professionalisierte Hoeneß den Verein und setzte auch bei seinen Trainern gern auf alte Freunde. Jupp Heynckes (3.v.r.) war erstmals von 1987 bis 1991 für die Mannschaft verantwortlich, trainierte das Team zudem als Interimstrainer 2009 und von 2011 bis 2013. Mit Kapitän Klaus Augenthaler (M.) feierten die Bayern-Bosse hier die Meisterschaft 1990.
Soziales Engagement: Als der frühere "Bomber der Nation" und Mitspieler von Hoeneß, Gerd Müller (r.), unter Alkoholsucht litt, war es der Bayern-Manager, der ihm wieder auf die Beine half und ihm einen Job beim Rekordmeister gab.
2003 ließ Hoeneß sein Starensemble nach Hamburg zu einem Freundschaftsspiel einfliegen, als der FC St. Pauli, damals in der Regionalliga beheimatet, wegen Geldmangels vor dem Verlust der Lizenz stand. Mit einem "Retter"-Shirt drehte Hoeneß eine Runde im Stadion.
Eine Intimfeindschaft hatte Hoeneß mit Christoph Daum: Nachdem der damalige Trainer des 1. FC Köln und Konkurrent um die Meisterschaft, den damals restlos überforderten Bayern-Trainer Jupp Heynckes übel beleidigt und ihm unter anderem empfohlen hatte, doch lieber Werbung für Schlaftabletten zu machen, holte Hoeneß 1989 im "aktuellen Sportstudio" vor einem Millionenpublikum zum Gegenschlag aus. Die Feinschaft gipfelte darin, dass Hoeneß 2000 den Kokainkonsum von Daum öffentlich macht.
Einen seiner erfolgreichsten Momente als Manager erlebte Hoeneß am 23. Mai 2001: Bayern siegte im Finale der Champions League gegen den FC Valencia, die Münchner Spieler trugen Hoeneß nach dem Schlusspfiff auf Händen durch das Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion.
Hoeneß war stets nah an der Mannschaft, bei Spielen saß er mit auf der Bank. Dort erlebte er eine Reihe von Trainern. Wie hier Felix Magath, der zwar zwei Doubles holte, aber immer wieder mit Hoeneß aneinandergeriet. 2007 musste Magath dann gehen.
Wesentlich besser war Hoeneß' Verhältnis zu Ottmar Hitzfeld, der von 1998 bis 2004 und noch einmal von 2007 bis 2008 Bayern-Trainer war. Im Mai 2008 verabschiedete sich Hitzfeld endgültig vom FC Bayern - mit der Meisterschaft und vielen Tränen. Da musste auch Hoeneß weinen.
Hoeneß' wohl größtes Experiment war die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann. Es scheiterte, Klinsmann musste im April 2009 nach nicht einmal einem Jahr gehen. "Bei Klinsmann haben wir viel Geld ausgegeben und wenig Erfolg gehabt", sagte Hoeneß später.
Es kam: Louis van Gaal. Der Niederländer führte die Bayern zum Sieg in Pokal und Meisterschaft sowie ins Finale der Champions League. Aber es prallten zwei gewaltige Egos aufeinander, van Gaals Zeit war bald abgelaufen. "Fachlich war er top. Dass er menschlich eine Katastrophe war, steht auf einem anderen Blatt", urteilte Hoeneß.
Auf van Gaal folgte wieder ein Mitglied der Bayern-Familie. Zum dritten Mal trat Heynckes die Trainerstelle beim FCB an und stellte Hoeneß zufrieden. Heynckes habe die "kranke Seele" des Rekordmeisters geheilt, so der Präsident. Heynckes holte in seiner Abschiedssaison das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Im Sommer 2013 ging er in den Ruhestand.
Heynckes hatte noch nicht seinen Rücktritt erklärt, da stand bereits sein Nachfolger fest: Josep Guardiola, der den FC Barcelona zum dominierenden Team im Weltfußball geformt hatte. Hoeneß konnte seinen Stolz über diesen Coup im Rahmen der Präsentation des Spaniers im Juni 2013 kaum verbergen.
Doch auf den Höhepunkt seines Schaffens als Bayern-Funktionär folgte der Absturz: Hoeneß wurde wegen Hinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern schuldig gesprochen und zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.
Vor seiner Verurteilung hatte Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung im November 2013 eine flammende Rede gehalten und wurde anschließend lautstark von den Mitgliedern gefeiert. Die "Uli, Uli"-Sprechchöre wollten kein Ende nehmen, was Hoeneß zu Tränen rührte. Er versprach: "Das war's noch nicht."
Im Mai 2014 übernahm Karl Hopfner (l.) das Präsidentenamt des FC Bayern München von Hoeneß, der seine Ämter beim deutschen Rekordmeister niedergelegt hatte.
Hoeneß saß seine Freiheitsstrafe vom 2. Juni 2014 an in der JVA Landsberg ab, im Januar 2015 wurde er Freigänger. Er musste nur noch zum Übernachten in die JVA, tagsüber arbeitete er in der Jugendabteilung des FC Bayern. Nach der Hälfte der Strafe wurde er im Februar 2016 vorzeitig aus der Haft entlassen.
Zuletzt hatte Hoeneß sich vermehrt dem Basketballteam der Bayern zugewandt. Nun wird er sich als Präsident auch wieder auf den Fußball konzentrieren. Zurückhaltung darf nicht erwarten werden: "Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein, das wird sich nicht ändern, ich werde sicher nicht herumeiern", sagte er jüngst dem "kicker".
Er habe seinen "Fehler gesühnt und den Schaden wiedergutgemacht", sagt Hoeneß. Beim FC Bayern wolle er sich nun "noch viel stärker für die Kleinen einsetzen". Beim FC Bayern will er für das "Herz" stehen.