Skandalvideos Mit Britney in der Wanne
Michael Jackson - "Thriller" (1983): Der 13-minütige Clip ist in vielerlei Hinsicht ein Vorreiter - er war das teuerste und aufwändigste Video seiner Zeit, er begründete als abgeschlossener Kurzfilm ein neues Genre für Musikvideos und kam als erster auf den Index. "Zu gruselig", befand damals die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften.
t.A.T.u. - "All the things she said " (2002): Lesbische Lolita-Spielchen legten im Video zu ihrem ersten Hit den Grundstein zum Erfolg des russischen Duos. Das Video, in dem die Beiden als Schulmädchen ihre vermeintliche sexuelle Ausrichtung zur Schau stellten, lief bei MTV und Viva rauf und runter. Und da sich Skandale gut zu verkaufen scheinen, reichten sie sechs Jahre später einen weiteren nach: Lena räkelt sich in "Betiy Plaschik" (2008) komplett nackt auf einem Bett und befiehlt später die Hinrichtung ihrer hochschwangeren Bandkollegin Julia. Der weltweite Erfolg blieb hier aber aus.
Britneys Spears - "Everytime" (2003): Regisseur David LaChapelle soll Britney einst gedrängt haben, am Ende des Videos Selbstmord zu begehen. Doch weil die Welt dagegen Sturm lief, erlebt Britney in der neuen Version des Videos auf wundersame Weise eine Wiedergeburt. Sonst erregte Frau Spears in ihren Videos eher durch fehlende Kleidungsstücke Aufsehen: In einer unzensierten Variante von "Gimme More" zieht sie Obenrum komplett blank.
Christina Aguliera - "Can't Hold Us Down" (2003): Was die Sängerin in ihrem ersten Skandalvideo um die Hüften trägt, wird gemeinhin als Gürtel bezeichnet. Viel länger ist ihr Rock nicht, sonst würde er wohl auch nicht zur gewollten Image-Änderung beitragen. Noch anzüglicher ist ihr Song "Can't Hold Us Down", in dem sich Aguilera ein Gartenschlauchende zwischen die Beine hält und männliche Masturbation imitiert. Die absehbare Folge: Die zensierte Version des Clips ist verpixelt - und Aguilera endgültig die Anti-Britney.
Justice - "Stress" (2008): Stress im wahrsten Sinne gab es sowohl im als auch um das Video der französischen Elektroband. Eine Gang von dunkelhäutigen Jugendlichen läuft fast sieben Minuten lang marodierend durch die Pariser Vororte - um die Gewalt am Ende auch in das Herz der Stadt zu tragen. Der Sinn des mit fremdenfeindlichen Ängsten spielenden Videos blieb weitestgehend verdeckt: Weder wollten die ursprünglich als "nette Jungs von nebenan" bekannten Musiker laut eigener Aussage eine politische Botschaft vermitteln, noch Gewalt verherrlichen. Das Video also ist Marketing vom Feinsten, denn die Diskussion und das Entsetzen gingen durch alle Medien. Wie passend, dass kurze Zeit später der Verkauf der Justice-Modekollektion begann.
Eminem - "Just Lose It" (2004): Sein Hass traf irgendwann fast jeden, aber kaum jemanden so direkt ins Gesicht wie Michael Jackson. Der Clip "Just lose it" zeigt eine bösartige Parodie auf den Popstar und spielt unter anderem auf die Pädophilie-Vorwürfe gegen Jackson an. Der appellierte an die Fernsehsender, das Video nicht auszustrahlen - einige gingen sogar darauf ein.
Ashanti - "The Way That I Love You" (2008): In der ersten Version des Videos wird ein Mord gezeigt - mit reellem Hintergrund. Im Video bringt Ashanti ihren Geliebten um, und zwar genau so, wie es eine Reality-Show, die Psychogramme weiblicher Mörder erstellt, im amerikanischen Fernsehen gezeigt hatte. Die Amerikaner erkannten den Mord wieder und waren entsetzt. Nach dem öffentlichen Aufschrei zeigt die angepasste Version des Videos lediglich Tatwerkzeug und andere Beweise.
George Michael - "Freeek!" (2002): So unterschiedlich können sich die Instanzen der Moral zeigen - in den USA wurde das Video zu "Freeek!" leicht, in Großbritannien massiv zensiert und in Frankreich sogar verboten. In Deutschland hingegen interessierte sich in jeder Hinsicht niemand für die frauenfeindlichen Szenen, wenn sich etwa Doggen in Sado-Maso-Sklavinnen verwandeln.
Madonna - "Like A Prayer" (1989): Eines von zahlreichen Madonna-Videos, die die Öffentlichkeit erzürnten. Hier küsst sie einen schwarzen Jesus, fackelt im Hintergrund Kreuze ab und bringt - Überraschung - so sowohl die Kirche als auch gläubige US-Amerikaner gegen sich auf. Dem Erfolg des Albums tat das keinen Abbruch, im Gegenteil.
Die Ärzte - "Junge" (2007): Mit Zensur kennen sich die Berliner aus. In aller Regel trifft es zwar ihre Liedtexte, aber beim Video zu "Junge" wollten sie es gar nicht erst drauf ankommen lassen. Die Geschichte um einen Jungen im Kapuzensweater, der als Zombie durch die Nachbarschaft schlurft und um sich beißt, fanden sie offenbar selbst so brutal, dass sie von vornherein zwei Varianten veröffentlichten. Statt des Gemetzels gibt es in der Weichspülversion Überblendungen wie "Diese Szene ist unzumutbar. Ich möchte mich dafür entschuldigen!" oder "Zum Glück ist das Video jetzt zu Ende."
Marilyn Manson - "Heart-Shaped Glasses" (2007): Marilyn Manson war schon immer für Skandale gut. Mit seiner 19-jährigen Lolita-Freundin Evan Rachel Wood kopuliert er im Video zu "Heart-Shaped Glasses" in Blut. Das unzensierte Video gibt es im TV nur nach 22 Uhr zu sehen.
The Prodigy - "Smack My Bitch up" (1997): Wenn schon, denn schon - das Video von Regisseur Jonas Åkerlund wurde erst zensiert, und dann ganz von den Bildschirmen verbannt. Und tatsächlich bietet der Clip, der einen Partyabend aus subjektiver Kameraperspektive des Protagonisten zeigt, vielerlei Angriffspunkte: Gewaltverherrlichung, Drogenverherrlichung und letztlich, fast schon lächerlich, Freizügigkeit. Der Band brachte es dennoch zwei MTV Music Video Awards und dem Regisseur den Durchbruch.
Rammstein - "Mein Teil" (2004): Im Lied wird die Geschichte des Kannibalen von Rotenburg erzählt, im Video ein Engel nach dem Oralsex verspeist. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien fackelte nicht lange und setzte den Clip auf den Index.
Robbie Williams - "Rock DJ" (2000): "Zu brutal" lautete das Urteil über das Video zu "Rock DJ". Veröffentlicht wurde der Clip, in dem sich Williams auf einer Tanzfläche zum Schluss die Haut abzieht, ursprünglich im Internet - wohl weil der Star wusste, was ihm drohte. Schnell wurde das Video ins Nachtprogramm der Musiksender verbannt, tagsüber lief es in gekürzter Version.
Duran Duran - "Falling Down" (2007): Wegen zuviel nackter Haut war das Video von "Falling Down", der Single-Auskopplung des "Red Carpet Massacre"-Albums vorsorglich in zwei Versionen veröffentlicht worden. Einmal jugendfrei, einmal nicht. Doch auch die züchtige Fassung rief die britischen Jugendschützer auf den Plan. Denn: In dem vom Justin Timberlake produzierten Video wird eine Britney Spears-Kopie in eine Suchtklinik eingeliefert. "Ein zu heftiger Eingriff in die Privatsphäre" lautete das Urteil, der Clip läuft nur im Spätprogramm.
Air - "Cherry Blossom Girl" (2004): Die Geschichte einer jungen Frau mit roter Perücke, die in das Porno-Milieu gerät, wurde - wie passend - von Pornoregisseur Kris Kramski verfilmt. Dass das freizügige Filmchen je auf den Musiksendern gezeigt werden würde, hatten die Elektrokünstler Nicolas Godin und Jean-Benoît Dunckel nach eigener Aussage nicht einkalkuliert. Der kommerzielle Erfolg des Albums aber brachte MTV und Viva in Zugzwang - mit dem Resultat, dass eine völlig verstümmelte Version des Videos ausgestrahlt wurde.