Unabomber Theodore "Ted" Kaczynski - DER SPIEGEL
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"Unabomber" Theodore Kaczynski Mörderischer Mathematiker

17 Jahre lang versetzte er die USA in Schrecken: Als "Unabomber" verletzte und tötete das Mathematikgenie Theodore Kaczynski mit Bomben Menschen. Sein Ziel: Eine neue Gesellschaft zu schaffen.
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Unzurechnungsfähig oder raffiniert? Kaczynski nach seiner Verhaftung 1996. Nach einer 17-jährigen Bombenserie wurde der "Unabomber" 1998 zu vier Mal lebenslänglich ohne Bewährung plus weiteren 30 Jahren Haft verurteilt. Der Richter warf ihm bei der Urteilsverkündung vor, keine Reue für seine Verbrechen zu zeigen und ordnete seine Verwahrung in einem Hochsicherheitsgefängnis an, weil er ihn als Gefahr für die Gesellschaft betrachtete.

Foto: Lewis and Clark Jail / dpa / picture alliance
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Brüder-Bande: Theodore Kaczynski (2.v.l.) mit seinem jüngeren Bruder David (l.) auf einem undatierten Familienfoto mit Nachbarskindern beim Spielen. Die Brüder verband Zeit ihres Lebens eine freundliche und dennoch komplizierte Beziehung. Beide tauschten in unregelmäßigen Abständen Briefe aus, in denen Theodore seinen Bruder wiederholt angriff. "Fahr zur Hölle (ich sage das mit Liebe)" beendete er einen seiner Briefe.

Foto: AP
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Hohe Erfolgsaussichten: Theodore Kaczynski mit einem vorsichtigen Lächeln auf dem Campus von Berkeley. Als Hochbegabtem mit Doktortitel und Assistenzprofessur im Alter von 25 Jahren stand ihm eine erfolgreiche Akademikerkarriere bevor. Ein Teilnehmer seines Dissertationsausschusses sagte über die Qualität von Kaczynskis Theorien, dass nur zehn oder zwölf Menschen im ganzen Land seine Arbeit überhaupt verstehen konnten.

Foto: Sygma/Getty Images
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Einsiedlerleben: In den Wäldern nahe Lincoln, Montana, baute sich Kaczynski eine kleine Hütte, in die er sich zurückzog. Nahe der Hütte hatte er einen kleinen Gemüsegarten, er jagte Hasen und lebte ein primitives Leben ohne fließend Wasser oder Elektrizität.

Foto: Elaine Thompson / AP
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Ungeahnte Aufmerksamkeit: Kaczynski hatte sich in die Hütte nach Montana zurückgezogen, um sich von Menschen abzusondern. Nach seiner Verhaftung und während seines Prozesses konnte er ihnen nicht entkommen: Ein ungeheurer Medienrummel umgab den Fall, eine der längsten Ermittlungen der US-Kriminalgeschichte. Das Foto zeigt Kaczynski in orangener Gefängniskleidung bei seiner Ankunft am Gerichtsgebäude in Helena, Montana, am 4. April 1996.

Foto: Terri Long Fox / AP
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Begabter Außenseiter: Ted Kaczynski (3.v.r.) mit Mitgliedern des Mathematik-Clubs an seiner Highschool in Evergreen Park, Chicago. Die Familie war 1952 in den Chicagoer Vorort gezogen. Ted übersprang zunächst die 6. Klasse, später die 11. Klasse. Lehrer erinnerten sich an ihn als unauffälligen, zurückhaltenden Schüler. Experten nehmen an, dass sein Intelligenzvorsprung gegenüber den Mitschülern ihn ungewollt zum Außenseiter machte.

Foto: AP
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Umstrittener Geisteszustand: Kaczynski protestierte gegen die Verteidigungsstrategie seiner Anwälte, die ihn als psychisch gestört darzustellen. Er versuchte, einen anderen Anwalt zu engagieren, und beantragte später, sich selbst zu verteidigen. Das Gericht stand vor dem Dilemma, ob ein Mann, der von einer Gerichtspsychologin als paranoid schizophren diagnostiziert wurde, fähig sei, sich selbst zu verteidigen. Richter Burrell lehnte Kazcynskis Anträge daher ab und kritisierte, er verzögere den Prozessverlauf. Einen Tag später unternahm Kaczynski einen Selbstmordversuch. Ob er tatsächlich unter einer psychischen Störung leidet, wird von manchen Experten angezweifelt. Am 22. Januar 1998 akzeptierte Kaczynski einen Deal mit der Staatsanwaltschaft: Er bekannte sich schuldig und umging so die Todesstrafe.

Foto: Old
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Verstört und erleichtert: Kaczynskis Mutter Wanda küsst Anwalt Anthony Pisceglie auf die Wange, nachdem sich Theodore am 22. Januar 1996 vor Gericht schuldig bekannt hat. Mit dem Schuldbekenntnis war die Todesstrafe für ihn vom Tisch, gegen die sein Bruder David (l.) und seine Mutter protestiert hatten. Sie attestierten Theodore eine geistige Erkrankung, die von einer Gerichtspsychologin bestätigt wurde. In früheren Briefwechseln mit ihm hatten sie sich Sorgen um seine geistige Gesundheit gemacht, doch Theodore hatte solche Vermutungen stets vehement bestritten.

Foto: Rich_Pedroncelli_Pool / dpa / picture alliance
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Berühmtes Phantombild: Nach dem Bombenanschlag 1987, bei dem Gary Wright auf dem Parkplatz seines Computerladens schwer verletzt wurde, entstand auf Basis der einzigen Zeugin dieses Phantombild. Sie hatte einen verdächtig aussehenden Mann in Kapuzenpullover und mit Sonnenbrille beobachtet, als er ein Stück Holz auf dem Parkplatz ablegte, in dem die Bombe versteckt war. Nach Veröffentlichung des Phantombilds stoppte die Anschlagsserie für sieben Jahre.

Foto: The LIFE Images Collection/Getty Images
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Mörder-Memorabilia: Die Habe des Unabombers wurde im Mai 2011 in Atlanta versteigert, darunter eine Kapuzenjacke und mehrere Sonnenbrillen sowie andere Kleidungsstücke aus seinem Besitz. Der Hoodie und die Sonnenbrille könnten die Verkleidung gewesen sein, in der er 1987 beobachtet wurde, als er eine Bombe platzierte.

Foto: David Goldman / AP
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Opfer als Symbole: Hugh Scrutton (l.) wurde 1985 getötet, Gilbert Murray starb am 24. April 1995 in seinem Büro nach der Explosion einer Paketbombe. Der Anschlag auf Murray war der letzte, bevor Kaczynski am 3. April 1996 in Montana festgenommen wurde. Die Ermittler gehen bis heute davon aus, dass Kaczynski die Adressaten seiner Bomben willkürlich wählte.

Foto: AP
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Das Heim des Bombers: Nach Kaczynskis Festnahme durchsuchten die Beamten seine Hütte und katalogisierten sämtliche Besitztümer. Sie fanden fünf Waffen, darunter zwei Gewehre, unzählige beschriftete Dosen und Flaschen mit Chemikalien zum Bombenbauen, eine fertige Bombe unter dem Bett und mehr als 200 Bücher.

Foto: imago/ZUMA Press
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Respektvoller Angeklagter: Der Prozess wurde Kaczynski im US-Bundesstaat Kalifornien gemacht, weil er dort die Mehrzahl seiner Anschläge verübte. Die Gerichtszeichnung zeigt ihn im Gerichtssaal in Sacramento im November 1996. Obwohl er in den Briefen mit seiner Familie sehr aggressiv sein konnte, verhielt sich Kaczynski vor Gericht ruhig und respektvoll.

Foto: Joan Lynch / AFP
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Witwe und Halbwaise: Susan Mosser mit ihrer damals 15 Monate alten Tochter Kelly bei der Beerdigung ihres Ehemannes Thomas J. Mosser. Der Berater wurde am 10. Dezember 1994 beim Öffnen einer Paketbombe des Unabombers getötet.

Foto: Mike Derer / AP
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Fröhlich im Vollzug: Theodore Kaczynski lachend während eines Interviews in einem Besucherraum im Hochsicherheitsgefängnis Florence in Colorado 1999. Aus der Haft führt der Unabomber regen Briefwechsel mit beinahe 400 Menschen, seine Dokumente werden in der Special Collections Bibliothek der Universität von Michigan verwahrt.

Foto: Stephen J. Dubner/Getty Images
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Werkzeuge eines Bombenbauers: Auch der Aufsatz eines Gasbrenners und Schraubenzieher waren unter den Gegenständen aus Kaczynskis Besitz, die nach seiner Inhaftierung versteigert wurden. Die Auktion rief Kritik hervor, weil sie das falsche Publikum anlocke: Kritiker empfanden es als pietätlos, dass Fans die Habe eines Mörders ersteigern konnten. Der Erlös jedoch kam seinen Opfern zugute.

Foto: . / REUTERS
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Überlebender: David Gelernter umgeben von Studienmaterial. Der Professor für Computerwissenschaften lehrte in Yale, als er eine Bombe von Kaczynski erhielt. Gelernter wurde bei der Explosion schwer verletzt. Er erlitt schwere Verbrennungen an der rechten Hand und teilweisen Sehverlust im rechten Auge.

Foto: Corbis/Getty Images
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Beweisstück: Techniker laden Kaczynskis Hütte auf der ehemaligen Mather Airforce Base in Kalifornien ab. Die Hütte wurde im Dezember 1996 auf Antrag der Verteidigung von Montana nach Kalifornien transportiert. Kaczynskis Anwälte wollten sie als Beweisstück von den Jury-Mitgliedern besichtigen lassen. Die Hütte wurde jahrelang in einer Lagerhalle aufbewahrt. Mittlerweile kann sie im "Newseum" in Washington D.C. besichtigt werden.

Foto: Old
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Pflicht und Schuld: Linda Patrik und ihr Ehemann David Kaczynski bei einer Pressekonferenz. Sie machten sich hier im Namen von Opferorganisationen dafür stark, dass Internetfirmen den Zugang zu Webseiten mit Bomben-Bauanleitungen sperren. Linda hegte als erste den Verdacht, dass Ted Kaczynski der Unabomber sein könnte, nachdem sie das Manifest las. Sie überzeugte ihren Ehemann, sich das Dokument anzusehen. David Kaczynski musste Schuldgefühle und den Beschützerdrang für seinen älteren Bruder gegen seine Pflicht als Bürger und den Schutz Unschuldiger abwägen, als er den Behörden den entscheidenden Tipp gab. Nach der Festnahme seines Bruders erhielt David die ausgesetzte Belohnung, die er an die Opfer seines Bruders spendete. Seit der Verhaftung engagieren er und Linda sich für Opfer von Gewalt.

Foto: Peter Morgan / REUTERS
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Nur ein Bombenattentäter? Im Jahr 2011 analysierte das FBI die DNA von Theodore Kaczynski, um sie mit Beweisen im Tylenol-Fall von 1982 zu vergleichen: Ein Unbekannter hatte 1982 mehrere Packungen des Schmerz- und Fiebermittels Tylenol im Verkauf in und um Chicago mit Zyanid versetzt, sieben Menschen starben. Der Fall löste einen Massenrückruf und Panik in der US-Bevölkerung aus.

Foto: Charles Knoblock / AP
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Veröffentlichung erzwungen: Er würde mit dem Bomben aufhören, wenn die "New York Times" oder die "Washington Post" sein 35.000 Wörter starkes Manifest abdrucken würden, schrieb Kaczynski in einem anonymen Brief an die beiden Tageszeitungen 1995. In den Tagen danach entbrannte eine Diskussion um die Veröffentlichung - sie widersprach der Haltung der US-Regierung, sich von Terroristen nicht erpressen zu lassen. Staatsanwältin Janet Reno sprach sich schließlich für den Abdruck aus. Die Behörden hofften, dass jemand den Schreibstil des Attentäters erkennen und ihnen einen Tipp geben würde.

Foto: Evan Agostini/Liaison/Getty Images
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Die Sprache eines Mörders: Kopien von Schriftstücken des Washington D.C. Snipers und des Erpresserschreibens im Fall des sechsjährigen Mordopfers JonBenét Ramsey. FBI-Agent James Fitzgerald arbeitete nach seiner Analyse der Unabomber-Kommunikation auch an diesen prominenten Ermittlungen mit. Im Falle des Unabombers half die Sprachanalyse seines Manifests bei der Erstellung des Täterprofils. Nach einem Tipp von David Kaczynski, der den Schreibstil und die Ideen seines Bruder wiedererkannte, konnte Theodore Kaczynski gefasst werden.

Foto: The Washington Post/Getty Images
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Unzählige Schriftstücke: Bei der Durchsuchung von Theodore Kaczynskis Hütte fanden die Beamten mehr als 200 Bücher und zahlreiche Notizbücher: Der Unabomber führte Tagebuch über seine Gedanken und Taten, schrieb seine Theorien auf und machte Notizen zu Erdverstecken. Das Notizbuch und weitere Besitztümer Kaczynskis wurden 2011 versteigert.

Foto: David Goldman / AP
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Code eines Terroristen: Ein Blatt mit Zahlenschlüssel war nur eines der zahlreichen Schriftstücke von Kaczynski, die bei der Auktion 2011 in Atlanta unter den Hammer kamen. Versteigert wurde auch eine handgeschriebene Version seines Manifests, die es auf 20.053 Dollar brachte. Insgesamt erlöste die Auktion 232.000 Dollar.

Foto: David Goldman / AP
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