Ungarn Ruinen und Gräber nach den Roma-Morden
Das Grab von Róbert Csorba und seinem Sohn Róbi: Im Februar 2009 wurden sie von ungarischen Rechtsextremen angegriffen und getötet.
Inzwischen liegt auch Róberts Vater auf dem Friedhof: Er verstarb im Februar 2013 - seine Familie sagt, an Kummer über den Mordanschlag.
Erzsébet Csorba vor ihrem Haus in Tatárszentgyörgy, 55 Kilometer südlich von Budapest: Die 49-Jährige war die Mutter des ermordeten Róbert. Nun beobachtet sie den Prozess gegen die Täter. Csorba wünscht sich, dass die Angeklagten "niemals wieder das Tageslicht sehen". Sie ist überzeugt, dass es noch mehr Täter gibt und dass sie frei herumlaufen.
Wohnhäuser in Tatárszentgyörgy: Hier leben viele Roma, am Ortsrand in einfachen Gebäuden. An dieser Stelle griffen die Täter am 23. Februar 2009 an. Zunächst zündeten die Rechtsextremisten das Haus von Róbert Csorba an. Dann schossen sie mit Schrotflinten auf die Familie, die sich ins Freie retten wollte.
Nur noch die Mauern stehen: Vor diesem Haus spielte sich das grausame Verbrechen ab. Nun stehen die Täter in Ungarn vor Gericht. Doch der Fall interessiert im Land kaum jemanden. Vor allem die Politik drückt sich um ihre Verantwortung.
Einer der Festgenommenen im August 2009 (Mitte): Die Männer hatten seit 2008 insgesamt sechs Roma umgebracht und 55 Menschen, ebenfalls fast alle Roma, zum Teil schwer verletzt - eine terroristisch-rassistische Mordserie.
Hochrangige Polizeivertreter nach den Festnahmen im August 2009: Am kommenden Mittwoch dürfen die Brüder István und Árpád K., Zsolt P. und Isvtán Cs. ihr Schlusswort sprechen, spätestens Anfang August soll dann das erstinstanzliche Urteil fallen. An der Schuld der Angeklagten bestehen wenig Zweifel: Sie haben eingeräumt, an den Tatorten gewesen zu sein, nur die Morde bestreiten sie.
Der Fremdenhass in Ungarn wird zu einem immer größeren Problem: Die Rechtsextremen wenden sich auch gegen Mitglieder der Roma-Minderheit. In dieser Szene aus dem Jahr 2011 verlassen Roma den Ort Gyongyospata. Sie meiden das Dorf, weil Rechtsextreme in der Nähe ein Trainingscamp aufbauen wollten.
Rechte Front vor dem Wohnblock: Anhänger der extrem rechten Jobbik-Partei demonstrieren vor einem Wohnhaus nahe Budapest. Unter anderem hatte die Partei gefordert, Juden im Land müssten sich registrieren lassen. Dieser Vorstoß hatte international für Empörung gesorgt.
Jobbik ist die drittstärkste Partei in Ungarn: Immer wieder organisiert sie Protestaktionen gegen Ausländer und Andersdenkende im Land. Das kommt bei vielen Bürgern an. Heute blendet auch die rechtskonservativ-nationalistische Regierungsmehrheit unter Premier Viktor Orbán das Thema Roma-Hass aus. Kein Wunder, sie will ihre Wählerschaft, die bis weit ins Rechtsaußen-Spektrum hineinreicht, nicht verschrecken.