Uni-Chefs: Junge Aufsteiger, alte Recken - DER SPIEGEL
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Uni-Chefs Junge Aufsteiger, alte Recken

Wie beginnt man seine Amtszeit als Chef einer Hochschule, ohne am eigenen Aktionismus zu verbrennen? Am besten, indem man viel zuhört und weniger redet. Gefragt sind nicht die großen Macher, sondern Künstler-Typen: ein bisschen verrückt, aber professionell im Handwerk.
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Der Sprachwissenschaftler Joybrato Mukherjee, 36, ist der derzeit jüngste Präsident einer staatlichen Universität in Deutschland. Im Juli wurde er an der Gießener Uni gewählt, im Dezember tritt er sein Amt an. Mukherjees charmant verpackte Botschaft an die Hochschule: "Sprechen Sie und streiten Sie mit uns. Wenn das Präsidium anders entscheidet: Verzeihen Sie uns."

Wenn junge Hochschulrektoren ins Rampenlicht rücken, fragen alle: Können die das? Klar können sie - Führungskraft ist keine Frage des Alters. mehr...

Foto: Universität Gießen/ picture-alliance/ dpa
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Mukherjees Vorgänger als jüngster Chef einer öffentlichen Hochschule war Sascha Spoun, der 2006 als 36-Jähriger zum Präsidenten der Universität Lüneburg gewählt wurde - und fortan fast keinen Stein mehr auf dem anderen ließ. Spoun schlug gleich forsche Töne an: "Früher war ein Rektor eher moderierend tätig als primus inter pares, heute ist Professionalität im Sinne von Führung gefragt", sagte er im SPIEGEL-ONLINE-Interview. mehr...

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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Forsch machte Spoun (l.) auch weiter: Zusammen mit seinem ebenfalls jungen Vize Holm Keller (r.) gab er das dynamische Duo und trat an, die Provinz-Uni in der Heide per Radikalkur neu zu erfinden. Glamour in die Provinz zauberte vor allem der New Yorker Stararchitekt Daniel Libeskind (Mitte), der ein futuristisches neues Hauptgebäude entwarf. Auch sonst mischten Spoun und Keller die zuvor graumäusige Hochschule auf und verpflichteten zum Beispiel alle Studenten zu allgemeinbildenden Seminaren, wider das Fachidiotentum. mehr...

Foto: DDP
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Mit seinem flotten Umbruch löste Spoun bei Professoren wie Studenten aber auch einigen Groll aus - und dann zwitscherte ihm die Haubenlerche noch eins: Mitten auf dem Campus entdeckten Vogelfreunde zwei Piepmatz-Pärchen unter Artenschutz, just dort, wo für 100 Millionen Euro das von Stararchitekt Libeskind entworfene Prestigeprojekt wachsen soll. Der Asta, der stark am Sinn des riesigen und riesig teuren Neubaus zweifelt, freute sich über die unerwartete Hilfe durch das Vögelchen. mehr...

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Noch jünger als Mukherjee und Spoun war Stephan A. Jansen, als er 2003 mit 31 Jahren Gründungspräsident der Zeppelin University wurde. In sechs Jahren sei es im Senat der kleinen privaten Hochschule am Bodensee kein einziges Mal zu einem Konflikt gekommen, sagt Jansen. Deutsche Hochschulen bräuchten heute Manager "mit kommunikativen Fähigkeiten und dem Willen zu entscheiden" - im Zentrum müsse aber die akademische Freiheit stehen.

Foto: ZU
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Zu den jüngsten deutschen Hochschulchefs zählt auch Ulrich Rüdiger, 43. Der Physikprofessor, Lehrstuhlinhaber in Konstanz seit 2002, wurde Anfang des Jahres zum Rektor der mit Elite-Lorbeer bekränzten Universität Konstanz gewählt. Alle sieben Mitglieder des mit externen Experten besetzten Universitätsrates stimmten für ihn.

Foto: Patrick Seeger/ picture-alliance/ dpa
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Ganz alte Schule: Dieter Lenzen, 61, verkörpert das Gegenmodell zum geduldigen, geschmeidigen jungen Uni-Chef mit ausgeprägter Fähigkeit zum Zuhören. Er ist bisher Präsident der FU Berlin und soll neuer Kapitän der schlingernden Universität Hamburg werden. mehr...

Foto: Rainer Jensen/ picture-alliance/ dpa
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Lenzens Eloquenz und Führungsstärke wird teils gerühmt, teils gefürchtet. Aus Sicht linker Studenten der FU Berlin agiert er zu autoritär und wirtschaftsnah - weshalb sie ihm mit der Kampagne "Lenzen - Not My President" zusetzen.

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Wenn der machtbewusste Macher tatsächlich nach Hamburg geht, wird er dort Nachfolger von Monika Auweter-Kurtz, dort Uni-Präsidentin, bis sie vor einigen Monaten regelrecht aus dem Amt geputscht wurde. Am Ende musste sie sich massivem Druck aus der Hochschule beugen. Ihre Kritiker warfen Auweter-Kurtz "Reformwahn", barsches Kommunikationsverhalte und eine "katastrophale Außendarstellung" vor. mehr...

Foto: Sebastian Widmann/ picture-alliance/ dpa
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