Unveröffentlichte Rede Wie Ulbricht die DDR reformieren wollte
Ulbricht und Honecker: Mit seinen Ideen für eine Wirtschaftsreform war auch Walter Ulbrichts Zeit als Erster Sekretär des ZK der SED vorbei. Im Januar 1971 wurde er von seinen Parteigenossen bei Kreml-Chef Leonid Breschnew in einem Brief als "unbelehrbar, eigenmächtig und arrogant denunziert". Sein politischer Ziehsohn Erich Honecker kam an die Macht.
Die Ostseewoche: Unter dem Motto "Die Ostsee muss ein Meer des Friedens sein" wurde seit 1958 jedes Jahr als Pendant zur "Kieler Woche" die "Ostseewoche" in Rostock veranstaltet. Dabei wurden Treffen von Kommunalpolitikern, Gewerkschaftern oder Jugendlichen aus den Ostseestaaten veranstaltet. Dazu gab es Ausstellungen und Sportveranstaltungen. Ziel war es, die internationale Isolierung der DDR infolge der Bonner Hallstein-Doktrin zu unterwandern und den Handel mit den skandinavischen Ländern zu erweitern.
Hochbetrieb im Yachthafen: Während Walter Ulbricht im Juli 1970 bei der "Ostseewoche" in Rostock eine bahnbrechende Rede hielt, über die hinterher Stillschweigen bewahrt werden musste, liefen die übrigen Veranstaltungen wie gewohnt weiter. Wie etwa die XX. Internationale Ostseeregatta, für die die Segler aus der UdSSR, Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, der CSSR, Schweden, Dänemark und der DDR hier gerade ihre letzten Startvorbereitungen im Yachthafen von Warnemünde treffen.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-J0712-0201-001
Gute Laune und Musik: Nicht nur um Politik, auch um Spaß sollte es bei der "Ostseewoche" gehen. Es gab deshalb viele kulturelle Veranstaltungen. So kamen etwa Dagmar Frederic und Siegfried Uhlenbrock mit ihrem Lied "Tanz in der Sommernacht" auf den ersten Platz des Schlagerfestivals 1970.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-J0718-0001-011
In der Warnow-Werft in Warnemünde erheben sich zwei Schiffsrümpfe aus dem Wasser. Die in der DDR gebauten Schiffe wurden zum größten Teil für die Fischerei hergestellt, viele von ihnen wurden in die Sowjetunion geliefert. In seiner Rede schwebte Walter Ulbricht vor, mit dem DDR-Schiffbau ein Musterbeispiel sozialistischer Betriebswirtschaft für alle anderen Bereiche zu schaffen.
Kaffee mit Blick auf Berlin: Nach der Einweihung des Berliner Fernsehturms am 3. Oktober 1969 sitzen Paul Verner, Willi Stoph, Walter Ulbricht und Erich Honecker (v.l.n.r.) noch umringt von Fotografen beim Kaffee im Telecafé zusammen. Honecker war der "designierte Kronprinz" unter Ulbricht, stand aber dessen Reformideen skeptisch gegenüber.
Walter Ulbricht bei einer Rede 1969 in Ostberlin zur Grundsteinlegung für die Umgestaltung des Leninplatzes. Der gelernte Tischler wurde 1960, nach dem Tode Wilhelm Piecks, zum Staatsoberhaupt der DDR.
Geschlagener Ulbricht: Während der Feier im Ostberliner "Metropol" zum 25-jährigen Jubiläum der Gründung der SED 1971 spricht Walter Ulbricht. Es war der letzte öffentliche Auftritt vor seiner Entmachtung.
Treffen der Genossen: Walter Ulbricht (2.v.r.) und Leonid Breschnew (3.v.r.) posieren während eines Besuchs des SED-Vorsitzenden in Moskau unter dem Blick Lenins. Im Januar 1971 bekam Breschnew einen Brief, den die Mehrheit des SED-Politbüros unterschrieben hatte, in dem Ulbrichts Rücktritt gefordert wurde.
Honecker gratuliert Ulbricht: Es ist eines der letzten Fotos von Walter Ulbricht, er sitzt am 30. Juni 1973 krank im Hausmantel in einem Sessel, während Erich Honecker ihm zum Geburtstag gratuliert. Ulbricht starb am 1. August 1973.
Werner Lamberz, ZK-Mitglied der SED, trifft FDJ-Mitglieder in Ost-Berlin. Der Honecker-Vertraute überbrachte im Januar 1971 einen geheimen Brief an den Kreml-Chef Leonid Breschnew. 13 Angehörige des SED-Politbüros denunzierten darin Walter Ulbricht. "Wir sehen die Ursachen für die zunehmenden Schwierigkeiten, die für unsere Partei durch die Handlungsweise des Genossen Walter Ulbricht entstehen, auch im Zusammenhang mit seinem hohen Alter. Hier geht es sicherlich um ein menschliches und biologisches Problem." Das politische Ende Ulbrichts war damit besiegelt.
Walter Ulbricht: Das Bild vom 9. August 1968 zeigt den 1. Sekretär der SED und Vorsitzenden des Staatsrates der DDR beim Treffen der Ostblock-Staaten in Bratislava (CSSR). Ulbricht war von 1950-53 Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), danach 1. Sekretär der SED.
Der SED-Politiker, der auch "Spitzbart" genannt wurde, war für den Bau der Berliner Mauer 1961 verantwortlich. Der in der DDR offiziell vertretene Standpunkt, normale diplomatische Beziehungen zwischen der DDR und der BRD könne es nur geben, wenn von beiden Staaten die volle Souveränität des jeweils anderen anerkannt würde, geht ebenfalls auf ihn zurück.
"Sozialismus siegt": Nach dem Referat von Walter Ulbricht (Mitte), Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, am 10. Juli 1958 auf dem V. Parteitag der SED in Ost-Berlin, applaudieren die Delegierten. Links Nikita Chruschtschow, Erster Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, und rechts Ministerpräsident Otto Grotewohl. Bereits 1945 war Ulbricht als Chef der "Gruppe Ulbricht" in das zerstörte Deutschland zurückgekehrt und hatte dort die KPD neu gegründet. Damit war der Grundstein für die SED und den Aufbau eines kommunistischen Staates in der sowjetischen Zone gelegt.