US-Bericht Kabinett der Krisentäter
Als allmächtiger Vorsitzender der Federal Reserve Bank von 1987 bis 2006 säte Alan Greenspan nach Darstellung der Finanzkrisenkommission (FCIC) die Saat für die Finanzkrise mit - und ignorierte sie dann.
Greenspans Nachfolger als Fed-Chef, Ben Bernanke, gab selbst zu, dass "die mangelnde Aggressivität der Fed bei der Regulierung des Hypothekenmarkts" eine Hauptursache für das folgende Desaster gewesen sei: "Ich halte es für den schwerwiegendsten Fehler der Fed in dieser spezifischen Episode."
Henry Paulson, von 1998 bis 2006 Vorstandschef von Goldman Sachs, dann Finanzminister, sah seine Mitschuld locker: Am Ende seiner Zeit bei Goldman Sachs sei "die meiste Zahnpasta schon aus der Tube" gewesen.
Auch Lloyd Blankfein, der Paulson im Mai 2006 beerbte, spielte die Finanzkrise lange herunter, indem er sie mit einem "Hurrikan" verglich - also höherer Gewalt. Dabei profitierte Goldman Sachs selbst während der Krise noch prächtig, wie die FCIC ausführlich beschreibt.
Charles Prince, der damalige Chairman und Vorstandschef des seinerzeit weltgrößten Finanzkonzerns Citigroup, geistert wie ein böses Phantom durch den Bericht. Er habe Citi voll ins Subprime- und CDO-Geschäft gestürzt - "mit schlimmen Konsequenzen".
Die FCIC macht sogar Bill Clinton für die Krise mitverantwortlich. Dessen Initiative von 1995, auch Käufern mit schlechter Bonität Hauseigentum zu ermöglichen, habe das Fundament gelegt für die spätere Manie auf dem Immobilienmarkt.
Ralph Cioffi, ein Hedgefonds-Manager bei der Investmentbank Bear Stearns, habe "eine prominente Rolle im CDO-Geschäft" gespielt, schreibt die FCIC. Das Resultat: Bear Stearns kollabierte.
Richard Fuld, Vorstandschef der Investmentbank Lehman Brothers von 1994 bis zu ihrem Untergang im September 2008, habe im März 2006 eine "aggressive Wachstumsstrategie" eingeschlagen, "inklusive höherer Risiken und mehr Verschuldung". Doch noch im April 2008 habe er seinen Aktionären versichert: "Das Schlimmste ist hinter uns."
Die halbstaatlichen US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac hätten ein "mangelhaftes Geschäftsmodell" gehabt. "Über Jahrzehnte hinweg nutzten sie ihre politische Macht, um effektive Regulierung und Aufsicht abzuwehren", schreibt die FCIC.
Besonderes Augenmerk widmet die FCIC den drei großen US-Rating-Agenturen Moody's, S&P und Fitch: Sie seien "Schüsselfiguren" der Krise gewesen. Ohne deren "Gütesiegel" hätte die fatale "CDO-Maschine" nie funktioniert. Hier schwören Fitch-Chef Stephen Joynt (links) und sein Moody's-Kollege Raymond McDaniel 2008 vor dem Kongress.
Der Versicherungsriese AIG habe ein "enormes Geschäft" mit Credit Default Swaps (CDS) gemacht - virtuelle Versicherungsverträge, mit denen sich die Banken gegen Verluste auf dem Immobilienmarkt absichern konnten. Damit habe das Unternehmen die Spekulationen erst ermöglicht, den nötigen Kapitalbedarf der Banken gesenkt und das Feuer so richtig angeheizt.