US-Geheimprojekt Teststadt für den Feuersturm
Übungsgelände für den Bombenkrieg: 1943 ließen die Amerikaner in der Wüste Utahs typische Berliner Mietskasernen der Arbeiterklasse und fränkische Fachwerkhäuser nachbauen. An den Bauten wollte man die flächendeckende Bombardierung der Hauptstadt und des Ruhrgebiets erproben.
Leergeräumt: Für ihr Studium des Brandverhaltens legten die Amerikaner auch besonderen Wert auf die Inneneinrichtung ihrer Architekturimitate. So waren die Zimmer ursprünglich mit typisch deutschen Möbeln ausstaffiert und die Fenster mit Gardinen aus deutschen Stoffen behängt. Auch hier waren wieder Experten am Werk: Handwerker, die in Deutschland gelernt hatten, und Dekorateure der renommierten Filmproduktionsfirma RKO Pictures.
Deutscher Dachstuhl: Für die Wand- und Deckenelemente wurde sogar Holz aus dem sibirischen Murmansk importiert. US-Soldaten benetzten es regelmäßig mit Wasser, um das feuchte europäische Klima zu simulieren.
Zudem wurde das Holz einer Pinienart, die im Süden der USA wächst und in ihrer Beschaffenheit der Kiefer ähnlich ist, verbaut - auf Anraten des deutschen Architekten Konrad Wachsmann, Experte für Holzbau. Auch Wachsmann stand dem US-Militär bei der Errichtung des "German Village" beratend zur Seite.
Probeangriff: Von Mai bis September 1943 traktierte das US-Militär das "German-Japanese Village" mit Brandbomben und chemischen Kampfstoffen - etliche Male mussten die Siedlungen wiederaufgebaut werden. Die Rezeptur der M69-Napalmbombe - hier ein Testabwurf - war ein Jahr zuvor an der Harvard-Universität entwickelt worden.
Am 25. Februar 1945 kam es zum ersten großen Einsatz der M69, als US-Bomber Tokio attackierten. Rund drei Quadratkilometer der japanischen Hauptstadt wurden dabei flächendeckend zerstört.
Mahnmal in der Wüste: Um die Bauzeit zu verkürzen, beschäftigte das US-Korps Sträflinge des Staatsgefängnisses "Sugar House Prison". Nach nur 44 Tagen hatten sie die sechs Häuser des "deutschen" Dorfes hochgezogen. Heute steht nur noch das sogenannte Building 8100.
Seltene Aufnahme: In direkter Nachbarschaft zum "deutschen Dorf" entstand das sogenannte Japanese Village - auch das Brandverhalten typisch japanischer Gebäude sollte erprobt werden. Für den Bau heuerte die US-Regierung den Architekten Antonin Raymond an, der sich einen Namen als Vater der modernen japanischen Baukunst gemacht hatte.
Von den insgesamt zwölf Doppelhäusern, die mit Strohmatten und Möbeln aus Zypressenholz eingerichtet waren, sind hier noch zwei zu sehen. Bei den Bombentests im Jahr 1943 wurde das japanische Dorf in Utah dem Erdboden gleichgemacht, und auch Bilder der nachgebauten Siedlung gibt es nur noch wenige.
In der Ödnis: Einst standen sechs Doppelhäuser in zwei Reihen im "German Village", noch mal sechs im japanischen Pendant. Die eine Hälfte der deutschen Bauten waren wie dieses mit Schieferplatten gedeckt, die andere mit Ziegeln.
Damit das Feuer der Brandbomben tatsächlich nur die Gebäude befiel und sich nicht in der trockenen Wüste ausbreitete, hatten die Amerikaner ein umfangreiches Löschsystem mit Hydranten, Wasserleitungen und Tanks installiert.
Stein auf Stein: In dieser Ecke des Zimmers wurde der Putz entfernt, so dass die Backsteinwand und die Deckenkonstruktion aus Holzbalken sichtbar ist. Eine Flügeltür der Sprossenfenster ist noch eingehängt. Bemerkenswert: Die Handwerker hatten sogar Fußleisten angebracht.
Dunkles Geheimnis: In US-Archiven fand der Kulturhistoriker Mike Davis Unterlagen, die Mendelsohns beratende Tätigkeit für das Projekt in Utah belegen. Zudem war von einem Experten für die deutsche Holzrahmenbauweise die Rede, der bei dem Bauvorhaben beteiligt war. Wer kann dieser Fachmann gewesen sein? Davis vermutete, dass es sich nur um den berühmten Bauhaus-Gründer Walter Gropius gehandelt haben könnte, der 1934 emigriert war.
Relikt: Am Rande der Zufahrtsstraße, einer geschlängelten Schotterpiste, steht noch dieser Beobachtungsbunker - ein steinernes Memento an die streng geheimen Brandbombenübungen der US-Amerikaner während des Zweiten Weltkriegs.
Stadt in Schutt und Asche: Nach dem Luftangriff der Alliierten in der Nacht zum 14. Februar 1945 blieb von Dresden nur noch ein Trümmerhaufen übrig. Der Angriff erfolgte in zwei Etappen - die erste um 21.45 Uhr, die zweite um 1.23 Uhr. Die Bombardements verwandelten die Stadt in ein flammendes Inferno, in dem rund 25.000 Menschen ums Leben kamen.
In Flammen: Nach einem alliierten Bombenangriff im Juli 1944 brannte das Berliner Verlagshaus Scherl an der Jerusalemer Straße lichterloh.
Ein Inferno, wie es in Dresden oder Hamburg gelungen war, auch in der Hauptstadt zu entfachen, stellte die U.S. Air Force vor eine Herausforderung: Die Bauqualität in Berlin sei höher, urteilte der US-Brandbombenexperte Horatio Bond. Zudem stünden die Wohnblocks weiter auseinander.
Vorbilder: Anders als die bis zu siebenstöckigen Mietskasernen in Berlin, hier in Tempelhof, waren die Nachbauten in Utah mit nur zwei Etagen gebaut worden
Bomben auf Berlin: US-amerikanische Bomber vom Typ B-17 "Flying Fortress" der 8. US-Luftflotte am 26. Februar 1945 über Berlin - es war der schwerste Luftangriff der Alliierten auf die Hauptstadt. Fast 1200 amerikanische Flugzeuge flogen über die Dächer der Stadt hinweg und ließen Bombenteppiche niederregnen.
Modern: Mendelsohns Columbushaus auf einem Foto von 1933, aufgenommen ein Jahr nach der Fertigstellung, hebt sich deutlich von den klassizistischen Gründerzeit-Bauten rund um den Berliner Potsdamer Platz ab. Im Zweiten Weltkrieg wurde das neungeschossige Gebäude in der Schlacht um Berlin schwer beschädigt. Dank der Stahlskelettkonstruktion konnte es aber erhalten werden.
Mendelsohns Meisterwerk: Das Sonnenobservatorium mit dem weißen Teleskopturm gehört zu den bekanntesten Werken des jüdischen Architekten Erich Mendelsohn. Mit der 1924 eröffneten Anlage sollten - nachdem Albert Einstein 1916 seine Allgemeine Relativitätstheorie veröffentlicht hatte - die vorausgesagten Gravitationseffekte auf Lichtstrahlen experimentell nachgewiesen werden. Der Bau steht heute unter Denkmalschutz.
Erich Mendelsohn: Für die Realisierung des Projekts hatte die US-Regierung 1943 den gefragten Architekten Mendelsohn engagiert. Der Wahlberliner war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wegen seiner jüdischen Abstammung in die USA ausgewandert.
Progressiv: Das Haus des Deutschen Metallarbeiterverbands von 1929 in Berlin-Kreuzberg trägt deutlich Mendelsohns Handschrift. Es weist viele architektonische Besonderheiten auf - wie die konkave Einwölbung an der Hauptfront, das Erkerchen mit dem Fahnenmast oder die Fenster, die in die Fassade eingesetzt sind, ohne von Stützpfeilern unterbrochen zu werden. Wegen seiner Randlage blieb das IG-Metall-Haus bis zur Wende weitgehend unbeachtet, wurde aber schließlich auf die Landesliste für Berliner Denkmäler aufgenommen.
Aufgezeichnet: 1994 veröffentlichte das Regierungsprogramm "Historic American Engineering Record" (HAER), das historische Orte und Gebäude in den USA dokumentiert, einen ausführlichen Bericht über das "German Village". Der Report enthält außer etlichen Fotos des einzigen verbliebenen Gebäudes maßstabsgetreue Grundrisse und Skizzen zu den Dachkonstruktionen sowie zum Fußboden- und Treppenaufbau. Von Mendelsohn selbst gibt es zu diesem Projekt keinerlei Aufzeichnungen.
Zutritt verboten: Die Utah Army National Guard führt auf dem Dugway Proving Ground vor der Kulisse der Cedar Mountains die Panzerhaubitz "Paladin M109A6" vor.
In der Sperrzone des Stützpunkts befindet sich heute noch das sogenannte English Village. Hier wohnen rund 2000 Militärangehörige mit ihren Familien, es gibt sogar eine Grundschule und eine Highschool für die Kinder.