US-Präsidenten - DER SPIEGEL
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US-Präsidenten Heiße Party mit dem Flammenwerfer

Pomp, Paraden, Partywahn: Bei der Amtseinführung eines Präsidenten inszenieren sich die USA mit großen Gefühlen und hehren Worten. Die Planer der Mega-Events versuchen, nichts dem Zufall zu überlassen - trotzdem gibt es immer wieder Pleiten und Pannen. Von Thomas Thiel
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Einmal Präsident sein: Damit auch bei der 56. Ausgabe des großen Ereignisses nichts schief geht, ist der Inaugurationstag bis ins kleinste Detail durchchoreographiert. Da jedoch Barack und Michelle Obama bei den Proben nicht dabei sein können, werden sie durch Soldaten mit Pappschildern um den Hals ersetzt. Selbstverständlich spielen die Glücklichen, die bei den Proben das Präsidentenersatzpaar spielen dürfen, das ganze trotzdem mit dem nötigen Ernst durch.

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Freie Straßen: Das Ehepaar Kennedy wurde 1961 während der Parade des neuen Präsidenten zu Ehren im offenen Wagen durch die Straßen von Washington D.C. gefahren und lies sich von der Menge bejubeln. Damit diese Fahrt des charismatischen Hoffnungsträgers aus Massachusetts so reibungslos verlaufen konnte, mussten zuvor Soldaten den Schnee, der die Straße bedeckte, mit Flammenwerfern beseitigen.

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Spaziergang im Schnee: Die Feierlichkeiten zur Amtseinführung John F. Kennedys wurden im Januar 1961 durch heftige Schneefälle behindert. So verspätete sich dann auch einer von Kennedys Vorgängern, Herbert Hoover, da sein Flugzeug erst gar nicht auf dem eingeschneiten Washingtoner Flughafen landen konnte. Die neue First Lady Jackie Kennedy machte derweil auch im Schnee eine gute Figur und begann ihre Karriere als Stilikone in einem weißen Mantel.

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Panzer für Kennedy: Beinahe hätte die große Militärparade auf der Pennsylvania Avenue in Washington D.C. anlässlich der Amtseinführung von Präsident John F. Kennedy wegen des Wetters abgesagt werden müssen. Hunderte Schneepflüge und Flammenwerfer ermöglichten den feierlichen Aufmarsch am 20. Januar 1961 dann doch noch.

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Eid im Warmen: Bei den Wahlen 1984 hatte Ronald Reagan zwar einen triumphalen Wahlsieg errungen und in 49 von 50 Bundesstaaten gewonnen. Doch bei seinem zweiten offiziellen Amtsantritt im Januar 1985 machte ihm das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Wegen klirrender minus 14 Grad und Eisregens mussten alle Feierlichkeiten im Freien abgesagt werden. Da fiel auch der öffentliche Amtseid flach. So wurde Reagan nur in kleiner Runde vom Vorsitzenden des Obersten Verfassungsgerichts, Warren Burger, eingeschworen. Vier Jahre vorher hatte Reagan mehr Glück gehabt. Bei der wärmsten Inauguration aller Zeiten konnte er seinen ersten Tag als Präsident bei frühlingshaften 12 Grad und Sonnenschein genießen.

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Inauguration nach Gerichtsurteil: Wann immer ein neuer Präsident sein Amt antritt, strömen die Amerikaner nach Washington. Auch am 20. Januar 2001, als George W. Bush seine erste Amtseinführungsrede hielt. Es war aber auch eine der umstrittensten Zeremonien. Die Nation hatte gerade erst einen Wahlkrimi hinter sich gebracht, in dem am Ende ein Gericht in Florida entscheiden musste, ob die Stimmen in dem Sonnenschein-Staat neu gezählt werden mussten oder nicht. Es blieb bei der ersten Zählung und Bush, dessen Bruder der Gouverneur Floridas war, gewann die Wahl. Unter die Zuschauer in Washington hatten sich daher auch viele Protestierende gemischt. Beliebteste Parole unter ihnen: "Hail to the thief" (Gegrüßt sei der Dieb), in Abwandlung der traditionellen Grußformel für den Präsidenten "Hail to the chief".

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Die Partylöwen: Bill Clintons Frau Hillary zeigte sich in bester Feierlaune, als das zukünftige Präsidentenpaar am Abend des 18. Januar 1993 bei einem der Inaugurationsbälle im Washington Convention Center eintraf. Vier Jahre später, nach Clintons Wiederwahl, brach dieser alle Rekorde und richtete 14 Bälle aus - mehr als jeder andere Präsident in der US-Geschichte. Auch Barack Obama wird diese Zahl nicht erreichen: Zu seinem Amtsantritt werden "nur" zehn Bälle gefeiert.

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Revolutionär im Amt: Bill Clinton während seines Schwurs am 20. Januar 1993. Der Demokrat galt zu dieser Zeit als ein echter Reformer. In seiner Rede sagte er dann auch Sätze wie: "Wir müssen unsere Demokratie mit Leben füllen. Diese wunderschöne Hauptstadt (...) ist oft Schauplatz von Intrigen und Berechnung. (...) Lasst uns die Politik reformieren, so dass Macht und Privilegien nicht länger die Stimme des Volkes ersticken." Schöner könnte auch Barack Obama seinen Glauben an den Wandel wohl kaum ausdrücken.

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Kurz vor dem Bürgerkrieg: Als Abraham Lincoln 1861 seine erste Amtszeit antrat, befanden sich die Vereinigten Staaten bereits mit einem Bein im Bürgerkrieg. Besonders brisant war, dass Washington D.C. umgeben von Bundesstaaten war, die die Sklaverei befürworteten. Aus Angst vor Anschlägen wurde Lincoln bei der Parade von so vielen Leibwächtern umringt, dass die Menschenmenge kaum einen Blick auf ihn werfen konnte. Mit seiner berühmten Rede nach dem Amtseid versuchte Lincoln noch einmal, den Bruderkampf zwischen Nord- und Südstaaten zu verhindern, indem er alle Amerikaner zur Einheit aufrief. Es nützte nichts mehr. Einen Monat später brachen die Kämpfe aus und sollten das Land für vier Jahre nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.

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Zwei Präsidenten: Woodrow Wilson (links) und Warren G. Harding 1921 auf dem Weg zum Kapitol. Die Tradition sieht vor, dass der scheidende Präsident und sein Amtsnachfolger gemeinsam in einer Prozession zur Vereidigungszeremonie fahren. Allzuviel zu sagen hatten sich die beiden oft nicht mehr, besonders, wenn sie so erbitterte politische Rivalen wie Wilson und sein Nachfolger Harding waren. Der Republikaner Harding hatte einen harten Wahlkampf gegen den Sieger des Ersten Weltkriegs Wilson geführt, entsprechend eisig war die Stimmung zwischen den beiden. Der missbilligende Blick Wilsons, mit dem er Harding zu ignorieren scheint, fand später seine historische Bestätigung: Der 29. Präsident gilt als einer der schlechtesten Amtsinhaber der US-Geschichte. Seine Amtszeit war geprägt von Korruptionsskandalen und Vetternwirtschaft. Er starb nur zwei Jahre später an einem Herzinfarkt.

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Glücklicher Präsident: Harry S. Truman winkte seinen Landsleuten während seiner Parade am 20. Januar 1949 mit einem besonders zufriedenen Lächeln zu. Er war bereits 1945 nach dem Tod seines Vorgängers, des populären Franklin D. Roosevelt, Präsident geworden. Zu Beginn seiner Präsidentschaft lag der Krieg in Europa bereits in seinen letzten Zügen, aber die Kämpfe im Südpazifik waren noch im vollen Gange. In den nächsten drei Jahren hatte er schwierige Entscheidungen zu treffen: den Abwurf der ersten Atombombe, den Umgang mit den Sowjets oder auch den Wiederaufbau Europas. Doch er löste die Aufgaben mit Bravour. Trotzdem glaubte im Wahlkampf 1948 niemand an einen Sieg des Amtsinhabers, sondern seines Herausforderers Thomas E. Dewey. Doch obwohl er in allen Umfragen hinten gelegen hatte, gewann Truman die Wahl mit mehr als zwei Millionen Stimmen Vorsprung.

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Endlich: Am 20. Januar 1969 war es für Richard M. Nixon soweit, er legte seinen Eid als 37. Präsident der USA ab. Bereits 1960 hatte er sich um das Amt beworben, unterlag aber knapp gegen John F. Kennedy. 1974 musste der unbeliebte Präsident Nixon wegen der Watergate-Affäre von seinem Amt zurücktreten, um einem Amtsenthebungsverfahren zu entgehen. Bis heute ist er der einzige, der seine Präsidentschaft auf diesem Weg beendete.

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Schlittenhunde für Kennedy: Der heftige Schneefall vor dem Inaugurationstag John F. Kennedys hatte zwar zur Folge, dass etliche Ehrengäste wie Gouverneure, Abgeordnete und Diplomaten festsaßen und nicht in die Stadt kamen, er hatte aber auch Vorteile. So liefen in der Parade auch diese Hunde mitsamt Schlitten mit, die für einen Winterurlaub in Maine warben.

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Jimmy Carter: Anders als seine Vorgänger wehrte sich der 39. US-Präsident gegen "Krönungsfeierlichkeiten" zu seinem Amtsantritt 1977. Zur Vereidigung trug er einen schlichten dunkelblauen Anzug, und auch für seine Gäste hob er die traditionelle Kleiderordnung auf. Zu den offiziellen Tanzveranstaltungen waren erstmals weder Abendkleid noch Smoking vorgeschrieben. Auch während der Parade gaben sich Carter und seine Gattin Rosalynn volksnah. Zum Entsetzen des Secret Service stiegen sie mit ihrer neunjährigen Tochter Amy aus der gepanzerten Limousine aus und gingen winkend vor dem Festzug her.

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Präsidentenersatz: Bei der Probe für Barack Obamas Inaugurationsfeier winkt hier zwar nicht der zukünftige Präsident der USA selbst, aber die Zuschauer freut es trotzdem.

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Zu Fuß zur Macht: Der 41. Präsident der USA George Herbert Walker Bush folgte am 20. Januar 1989 Carters Beispiel und lief Hand in Hand mit seiner Frau Barbara die Paradestrecke vom Capitol zum Weißen Haus zu Fuß.

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