Venezuela: Hunger, Drogen, Gewalt - DER SPIEGEL
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Venezuela Hunger, Drogen, Gewalt

Sie betteln, durchsuchen den Müll nach Essbarem und flüchten sich in Drogen: Eine Fotoserie zeigt das Leben von Straßenkindern in Venezuelas Hauptstadt Caracas.
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Einst war Venezuela eins der reichsten Länder Lateinamerikas, doch steckt es in einer schweren Wirtschaftskrise, die Inflation liegt bei mehr als einer Million Prozent. Mehr als drei Millionen Menschen sind Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen zufolge bereits geflohen. Doch die, die geblieben sind, müssen täglich mit der Armut kämpfen - so leben immer mehr Kinder und Jugendliche auf der Straße, wie hier in Caracas.

Foto: MIGUEL GUTIERREZ/ EPA-EFE/ REX
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Die Straßenkinder laufen durch die Straßen, lachen, schwimmen in verschmutzten Flüssen, suchen im Müll nach Essen, betteln, nehmen Drogen - so berichtet es die spanische Nachrichten- und Bildagentur EFE. Oder aber sie sitzen einfach nur da.

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Der Fotojournalist Miguel Gutiérrez war für EFE zwei Monate in der venezolanischen Hauptstadt und begleitete Straßenkinder, die versuchen, inmitten von Gewalt und Hunger zu überleben. Diese Gruppe sitzt und liegt vor dem Eingang eines Einkaufszentrums.

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Die Eltern mancher Straßenkinder sind vor der Wirtschaftskrise geflohen, andere Familien können ihre Töchter und Söhne nicht mehr ernähren. Wieder andere sind von zu Hause abgehauen.

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Nahrungsmittel sind knapp, die Kinder durchwühlen den Müll nach Essbarem. Der 16-jährige Jesus isst etwas, das er im Abfall einer Bäckerei gefunden hat.

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Eine paar Gemüsereste: Dariel zeigt einen Teil ihres Mittagessens, das sie sich vor einem Einkaufszentrum erbettelt hat.

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Edison versteckt einen Sack mit seiner Kleidung in der Kanalisation.

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Der 13-jährige Luis versucht, sich mit selbstgemachtem Schmuck etwas Geld zu verdienen, den er aus wertlos gewordenen Geldscheinen bastelt. Im Zuge des "Programms zur wirtschaftlichen Erholung" strich die Regierung im August fünf Nullen bei ihrer Währung, aus dem "Bolívar fuerte" wurde der "Bolívar soberano". So sollte der Inflation entgegengewirkt werden.

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Juan hat seinem Hund "La Negra" ("Die Schwarze") Kopfhörer aufgesetzt. Zuvor hatte das Tier an einem Hundekampf teilgenommen.

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Improvisierte Körperpflege: Gabriel, 19, und Eraldo, 13, dient ein Eimer als Dusche.

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Jose David weicht Autos aus, nachdem er im Distrikt Las Mercedes um Geld gebettelt hatte.

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Paola zählt die Scheine, die andere Kinder an einer Ampel erbettelt haben. Der Agentur EFE zufolge freuten sich die Kinder zwar auch über Essenspenden, doch über das Geld noch mehr.

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Das Geld investierten sie meistens in Drogen, heißt es. Mit dem Rauschgift versuchten sie, zumindest vorübergehend der harten Wirklichkeit zu entfliehen.

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Joniel raucht im Bezirk Las Mercedes einen Joint.

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Zeitvertreib im düsteren Alltag: Zwei Jugendliche spielen am Eingang eines Einkaufzentrums im Bezirk Chacao.

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Auch Gewalt gehört zum Alltag vieler Straßenkinder. Daninyer zeigt eine Wunde an seinem Rücken. Ein Polizist habe ihn mit einem Schlauch geschlagen, während er geschlafen habe, sagt der Zwölfjährige.

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Verletzungen werden auf der Straße oft nicht behandelt. Alexander versucht, seinen Fuß ruhig zu stellen, indem er ihn in einen Lappen und Plastik wickelt. Der Junge verletzte sich, als er vor der Polizei flüchtete.

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Aus einer entzündeten Wunde an Rafaels Handgelenk ragt ein Draht. Er hatte es sich Monate zuvor gebrochen, als er von einer Mauer sprang.

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In der "Casa Hogar Domingo Savio" wohnen Kinder und Jugendliche, die von ihren Familien ausgesetzt wurden. Manche lebten zuvor auf der Straße, andere wurden von ihren Eltern hier gelassen.

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In der Einrichtung können die Kinder und Jugendlichen schlafen, bekommen zu essen und eine Schule in der Nähe besuchen.

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Miguel Rebolledo, der die Einrichtung koordiniert, sprach gegenüber EFE von einem "dramatischen Anstieg" bei verlassenen Kindern. Das Bild zeigt eine Gruppe Straßenkinder.

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Als Fotograf Gutiérrez Liliana das erste Mal traf, war die 17-Jährige schwanger. Hier lehnt sie an einer Mauer im Bezirk Chacao.

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Lilianas kleiner Sohn Angel kam im Krankenhaus "Maternidad Concepcion Palacios" zur Welt. Auch die Klinik ist sichtbar von der Krise betroffen. Kurz nach der Geburt wurde bekannt, dass Liliana an der Geschlechtskrankheit Syphilis leidet. Auch ihr Kind war von der Infektion betroffen.

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Liliana trägt ihr Baby auf dem Arm. Begleitet wird sie von ihrer Großmutter Eloisa. Nachdem sie das Krankenhaus verlassen hatte, zog sie zu den Eltern ihres Vaters.

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Wenig später lebt Liliana wieder auf der Straße. Es habe ständig Streit mit der Großmutter gegeben, sagte die 17-Jährige. Dabei sei es um Windeln gegangen, die nun zusätzliche Kosten für den Haushalt verursachten. Deshalb habe sie sich entschieden, mit ihrem Kind zu gehen: "Ich kann ein gutes Leben mit meinem Sohn haben."

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