Verbrechen von 1981 Der Fall Ursula Herrmann
Der Angeklagte Werner M. beim Prozessauftakt in Augsburg am 19. Februar 2009. "Ich habe das Leben dieses Kindes nicht auf dem Gewissen", sagte er vor Gericht.
Eine der letzten Aufnahmen von Ursula Herrmann: Sie wird am 15. September 1981, dem ersten Schultag nach den Ferien und ihrem ersten Tag im Gymnasium, entführt.
Am 18. und am 21. September liegen aus Zeitungsbuchstaben zusammengestückelte Erpresserbriefe im Briefkasten der Familie Herrmann: Ursulas Kidnapper fordert zwei Millionen Mark Lösegeld für die Freilassung des Mädchens, detaillierte Übergabemodalitäten hat er aufgeführt.
Der angeklagte Werner M. geriet bereits wenige Wochen nach Ursulas Entführung ins Visier der Ermittler: Der damals 30-Jährige lebt in Eching, ist gelernter Fernsehmechaniker und hat enorme Schulden. Auf Musikkassetten hat er die Bayern-3-Melodie aufgezeichnet, ein Zeuge behauptet zudem, er habe im Auftrag M.s eine Grube im Wald schaufeln müssen. Doch jener Zeuge halluziniert später in Vernehmungen, seine Aussage kann nicht verwertet werden. Außerdem hat Werner M. ein wasserdichtes Alibi.
Der Tatort: Der Entführer zwang die kleine Ursula in eine 1,36 Meter hohe, 59,5 Zentimeter breite und 72 Zentimeter tiefe Kiste, die 1,60 Meter tief in den Waldboden eingelassen war.
Die Holzkiste war durch Plastikrohre mit der Erdoberfläche verbunden, um dem gefangenen Kind Sauerstoff zuzuführen. Aber der notwendige Ventilator für die Belüftung fehlte. Laut Obduktionsbericht ist Ursula Herrmann innerhalb der ersten sechs Stunden in der hermetisch abgeschlossenen Kiste elendig erstickt. "Sie ist buchstäblich lebendig begraben worden, ein in der Kriminalhistorie ganz ungewöhnliches Geschehen", sagt Oberstaatsanwalt Nemetz.
Bestatter transportieren den Leichnam des Kindes fort: 19 Tage nach der Entführung, am 4. Oktober 1981, hatte ein Suchtrupp der Sonderkommission "Herrmann" die Erdgrube und die Kinderleiche entdeckt. Als einer der ersten ist Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger am Tatort. "Ein Kind in einer Kiste, versenkt im Boden - ich habe so etwas nie wieder erlebt", erinnert sich Eisenmenger.
Ein Nachbau der Kiste, in der Ursula Herrmann erstickte, und das rote Fahrrad des Mädchens, von dem es gezerrt wurde.
Nachbau der Holzkiste, in der die Zehnjährige sterben musste. Der Entführer hatte in dem Verlies, das an eine Autobatterie angeschlossen war, eine Lampe und ein Transistorradio mit spezieller Drahtantenne installiert.
Ein wichtiges Mosaikstückchen im Prozess: Neunmal hatte sich der Entführer per Telefon bei Ursulas Eltern gemeldet. Bei einer Hausdurchsuchung entdeckten Ermittler bei dem angeklagten Tatverdächtigen ein Tonbandgerät der Marke Grundig TK 248. Technische Gutachter des bayerischen Landeskriminalamtes sind sich anhand von individuellen Knackgeräuschen sicher: Genau dieses Gerät wurde bei den Erpresseranrufen verwendet.