Vergessene Berufe - DER SPIEGEL
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Vergessene Berufe Von Gasriechern, Maulwurfsfängern und dem Fräulein vom Amt

Schon mal was von einem Gasriecher gehört? Oder einen Maulwurffänger gesehen? Nicht? Kein Wunder - viele Berufe, die früher gutes Geld einbrachten, sind heute längst ausgestorben. einestages zeigt die Jobs, die hops gingen.
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Schnüffler vom Dienst: Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts überprüften sogenannte Gasriecher die unterirdischen Leitungen. Dazu steckten sie Rohre in kleine Löcher im Straßenpflaster und schnüffelten nach ausströmendem Gas. Mobile Messgeräte haben die Spürnasen von damals ersetzt.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Friedrich Seidenstücker
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Der große Spritzer: In den fünfziger Jahren war das Kino für die Deutschen ein Ort, an dem sie dem grauen Alltag entfliehen konnten. Die Filmwerbung sprengte in dieser Zeit alle Dimensionen. Über den Kinoportalen und von Trümmerhäusern warben XXL-Plakate für die Filme. Gemalt wurden diese großflächigen Leinwände von Hand. Plakatmaler Kurt Wendt - hier "spritzt" er in seinem Hamburger Atelier gerade Sophia Loren - war einer derwenigen, der das Handwerk beherrschte und damit sein Geld verdiente.

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Cooler Typ: Mehrmals in der Woche kam der Eismann und lieferte frisches Natureis in Blöcken. An heißen Tagen erwarteten Betreiber von Gaststätten den kühlen Spediteur so sehnsüchtig wie die Kinder auf diesem Bild, aufgenommen im Sommer 1957 in Berlin. Als der elektrische Kühlschrank erfunden worden war, musste der Eismann seinen Dienst quittieren.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-47890-0001

Foto: Das Bundesarchiv/Zimontkowski
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Lieferservice eingestellt: Als der Kühlschrank erfunden wurde, musste auch der Milchmann nicht mehr täglich kommen. 1935 versorgte dieser Kölner noch seine Kunden mit frischer Milch. Mit scheppernden Kannen auf der Karre kündigte er seinen Besuch an. Am Ende des Arbeitstages spülte er die Behälter einmal per Hand aus - unter den heutigen Hygienevorschriften undenkbar.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Benno Wundshammer
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Darf's ein wenig Sprit sein? Eigentlich war der Job eine reine Männerdomäne. Benzin auffüllen, Scheiben putzen, Ölstand und Reifendruck prüfen - das waren die Aufgaben der meist männlichen Wagenpfleger. Doch an der Frauentankstelle VEB Minol in Dresden empfing in den fünfziger Jahren diese freundliche Dame die Kunden. 1952 wurde der Tankwart in der Bundesrepublik zum Lernberuf erklärt.

Foto:

Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Gerhard Kiesling

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Nasses Geschäft: Vor einigen Jahrzehnten verdienten Flößer mit dem Transport von Baumstämmen auf dem Wasser ihren Lebensunterhalt. Gebraucht wurden sie dort, wo sich der Holzanbau weit weg von den Verarbeitungsanlagen befand. Für die Ware während der turbulenten Fahrt auf reißenden Flüssen hafteten die Flößer übrigens selbst.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Vitalis Pantenburg
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Balanceakt: Als es TV-Shows wie "Das Supertalent" noch nicht gab, unterhielten Gaukler, Artisten und Zauberer das Volk. Die Straßenkünstler konnten auf den Händen laufen, Schwerter schlucken, über Glassscherben wandern, jonglieren - oder wie Hund Sultan mit nur einer Vorderpfote auf dem Finger seines Herrn balancieren.

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Kerle auf Koks: Es war eine Plackerei, das "Schwarze Gold" durch die Stadt in die Keller der Häuser zu schleppen. Auf dem Foto gönnen sich Kohleträger aus Berlin eine Pause - aufgenommen in den dreißiger Jahren, als Haushalte noch nicht mit Gas oder Strom beheizt wurden.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Friedrich Seidenstücker
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Stoff-Recycler: Bevor Altkleidercontainer in Städten aufgestellt wurden, zogen Händler von Haus zu Haus, ergatterten ausrangierte Klamotten und verhökerten sie anschließend wieder. Hier ein Lumpensammler und seine Frau auf dem Weg zur Arbeit, aufgenommen in den zwanziger Jahren in Berlin.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 102-08773

Foto: Das Bundesarchiv/Georg Pahl
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"Fräulein vom Amt": Trotz all der Stöpsel und Kabel behielt die Telefonistin stets den Überblick, aufgenommen circa 1930 in einem US-Postamt. Als in den sechziger Jahren in der Bundesrepublik die Ortsnetze automatisiert wurden, verschwand der Beruf - der übrigens eine Frauendomäne war: Eine hohe Stimme war am Apparat einfach verständlicher als eine tiefe, so die Begründung.

Foto: Getty Images
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Mausefallen im Angebot: Mit allerlei Hausrat im Gepäck zogen einst ambulante Kleinhändler von Tür zu Tür. Vor allem Bewohner auf dem Land, wo der nächste Laden oft kilometerweit entfernt war, freuten sich auf den Besuch der Hausierer. Dieser Mann verhökerte Löffel, Bürsten, Siebe und Mausefallen, Foto etwa von 1937.

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Flegel-Arbeit: Gutstagelöhner schlugen früher mit dem sogenannten Dreschflegel die Körnerfrüchte aus den Getreideähren. Rund 30 Wochen - von Ende September bis Anfang Mai - waren die Drescher beschäftigt. Aber nachdem die Heinrich Lanz AG 1929 die erste Dreschmaschine präsentierte, wurden die Hof-Gehilfen über den Winter arbeitslos.

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Ersetzte Setzer: In den fünfziger Jahren beschäftigten zahlreiche Verlage noch Schriftsetzer. Sie wurden nach Zeit bezahlt, 1000 bis 1200 Buchstaben pro Stunde gingen normalerweise von der Hand. Als Gutenbergs Verfahren vom Offsetdruck verdrängt wurde, blieben die meisten der schnellen Setzer zwar in ihrem Metier, arbeiteten aber fortan an einem Computer.

Ein Schriftsetzer am Setzkasten in seiner Werkstatt, etwa 1940 aufgenommen.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Liselotte Purper (Orgel-Köhne)
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Es geht aufwärts: Noble Hotels und Luxusherbergen beschäftigen mitunter noch einen Concierge, der wie der "Lift Boy" von einst zuweilen auch den Fahrstuhl bediente. Doch als die Aufzüge noch gänzlich manuell funktionierten, "fuhren" allein für diesen Job Angestellte den ganzen Tag Passagiere die Etagen rauf und runter.

Foto: Getty Images
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Der Scharfmacher: "Der Scherenschleifer ist da!", schrie dieser lauthals, wenn er auf der Straße in der Stadt seine Dienste anbot. Nach der Bearbeitung am Wetzstein waren alle Klingen wieder scharf. Der Wanderberuf des Schleifers galt in Deutschland als Arme-Leute-Job - die Gebrüder Grimm setzten ihm im "Hans im Glück" ein Denkmal.

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Schuh-Spezialisten: Eine vornehme Dame lässt sich von einem Schuhputzer in Berlin die Pumps auf Hochglanz polieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren noch mehr als tausend Schuhputzer auf den Straßen im Einsatz. Inzwischen üben in Deutschland nur noch einige wenige diesen Beruf professionell aus.

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Herr Müller: Früher war es üblich, seinen Beruf im Nachnamen zu verewigen - und einst gab es so viele Müller, dass "Müller" der häufigste Familienname in Deutschland ist. Doch echte Müller, die heute noch das traditionelle Handwerk ausüben, gibt es nur noch wenige.

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Tipp Topp: Rechts die Stenotypistin, links ihre Kollegin, in der Mitte ihr Boss - aufgenommen 1924 in einem New Yorker Büro. Die qualifizierten Sekretärinnen konnten oftmals schneller tippen als andere sprechen. Die hektischen Gedanken ihres Chefs brachten sie vor der Erfindung des Computers buchstabengetreu und in Windeseile zu Papier.

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Mit Schwung bei der Arbeit: Eine Straßenbahnschaffnerin gibt mit der Klingelschnur das Zeichen zur Abfahrt. Unverkennbar an der Hakenkreuzbrosche an der dunkelblauen Uniform wurde dieses Foto während des "Dritten Reichs" aufgenommen, 1943 in Schwerin. Links an der Hüfte trägt die Schaffnerin den sogenannten Galoppwechsler - den Münzspeicher für das kassierte Fahrgeld. Als Ticket-Automaten in den Straßenbahnen installiert wurden, verschwand der Beruf der Kondukteure.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Liselotte Purper (Orgel-Köhne)
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Stopp! Verkehrspolizisten kommen heutzutage nur noch zum Einsatz, wenn eine Ampel ausfällt. Früher standen sie, ganz in Weiß gekleidet, auf einem Podest an jeder größeren Straßenecke - hier auf der Merckstraße in Hamburg, 1935.

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Spülen, Schrubben, Wringen: In den zwanziger Jahren war das Reinigen von Kleidung noch schwere Handarbeit. Das Bild zeigt Wäscherinnen in einer Waschstube in Köpenick, wo Berliner ihre dreckigen Klamotten abliefern konnten. Anfang des 20. Jahrhunderts waren in dem Ortsteil knapp 400 Wäschereibetriebe angesiedelt. Denn hier gab es zum einen ausreichend Wasser, zum anderen genügend Flächen zum Trocknen. Als dann 1951 die Waschmaschine in Deutschland auf den Markt kam, hatte die Plackerei ein Ende.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Kunstbibliothek, SMB, Photothek/Willy Römer
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Roller Boy: Ein elfjähriger Zeitungsjunge nutzt die unterbrochene Zeitungszustellung während eines Verkehrsstreiks 1920 in Berlin zum schnellen Verkauf auf Rollschuhen. Heute jobben manche Schüler noch als Aushilfsboten für Verlage. Allerdings nur, um ihr Taschengeld aufzubessern - und nicht um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Kunstbibliothek, SMB, Photothek/Willy Römer
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Vom Automobil überholt: Bis in die fünfziger Jahre fertigten Stellmacher hölzerne Wagen für Pferde-, Ochsen- und Kuhgespanne. Als in der Landwirtschaft zunehmend motorisierte Vehikel zum Einsatz kamen, wurden die Dienste der Wagner nicht mehr gebraucht.

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Landpomeranzen: "Eine Berlinerin dient nicht", hieß es zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Deswegen kamen die Dienstmädchen in der Hauptstadt vom Land, zumeist aus Schlesien oder Pommern. Diese Spreewälder Ammen trafen sich an einem Nachmittag im Jahr 1901 mit ihren Schützlingen zu einem Schwätzchen im Tiergarten.

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Meister der Töpfe: Genauso wie die Scherenschleifer zogen die Kesselflicker von Ort zu Ort. Sie reparierten Töpfe, Pfannen und andere metallene Küchengeräte. In Rumänien gehen Roma diesem Vagabunden-Handwerk noch nach.

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Taxi von damals: Ein Droschkenkutscher vor dem Bahnhof Zoologischer Garten, aufgenommen in den zwanziger Jahren. Noch heute ordern Fahrgäste in Berlin und Köln eine "Droschke", wenn sie in der Taxi-Zentrale anrufen. Nur dass dann ein Auto vorfährt.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Friedrich Seidenstücker
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Ihre Zeit ist abgelaufen: Vier Gepäckträger warten auf Kundschaft am Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin, aufgenommen 1932. Damals gab es in der Hauptstadt noch an allen Hauptverkehrs- und Geschäftszentren sogenannte Dienstmänner, die an ihren roten Mützen zu erkennen waren.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Friedrich Seidenstücker
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Immer die gleiche Leier: Allein in Berlin gab es Ende des 19. Jahrhunderts Tausende Drehorgelspieler. Dieser hier hatte 1965 den Hinterhof der Fasanenstraße 13 als "Bühne" gewählt. Mit der Verbreitung von Radio und Schallplatte verschwanden die Straßenmusikanten nach und nach aus dem Stadtbild.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Angelika Schnell-Dürrast
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Abgeseilt: Ein Seilermeister hat 1920 seine "Reeperbahn" - Reep bedeutet Seil - im Park an der Belforter Straße in Berlin aufgebaut. Die Hamburger Vergnügungsmeile hat von den Reepschlägern, die bis Ende des 19. Jahrhunderts ihr Handwerk auf der schnurgeraden Straße ausübten, ihrer Namen. Traditionell geführte Seiler-Betriebe gibt es in Deutschland nur noch wenige.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Kunstbibliothek, SMB, Photothek/Willy Römer
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Reeperbahn in Hamburg-Hausbruch: Die Fäden werden in Kranzordnung ins Geschirr gespannt, der Austreibwagen mit Elektromotor zieht sie die 342 Meter lange Reeperbahn in Hamburg-Hausbruch entlang und verdreht sie ineinander zu einem Seil. "Es ist die vermutlich größte in Betrieb befindliche Reeperbahn der Welt", sagt der Inhaber der Produktionsanlage, Klaus Lippmann.

Foto: Lippmann German Ropes
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Modernes Seilschlagen: Früher kurbelte der Seiler per Hand an einem Rad und sponn so das Seil. Mit der Erfindung des Elektroantriebs in den dreißiger Jahren wurde der Handwerksberuf nach und nach verdrängt.

Der mittlerweile verstorbene Seiler Walter Flügge der Lippmann-Tauwerke wickelt auf der Reeperbahn in Hamburg-Altenwerder eine Hanftrosse.

Foto: Lippmann German Ropes
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