Fotos vom Alltag Das Leben auf dem Dorf
Vorfreude in der Backstube: Es ist Samstag. Für den Sonntag leistet sich die Familie ein Weißbrot. Kinder warten mit Schüsseln im Hauseingang vor der Backstube von Neenstetten, in den Regalen liegen die fertigen Laibe zur Abholung bereit. Die Aufnahme von Eugen Sauter entstand in den Fünfzigerjahren.
Amtsmitteilungen: Ein Neenstettener Amtsdiener in Uniform und mit einer großen Glocke verbreitete in den Fünfzigerjahren die Nachrichten in dem kleinen schwäbischen Dorf.
Hilfe auf dem Feld: Dass Kinder auf dem Hof und auf dem Feld mitarbeiteten, war in den Fünfzigerjahren eine Selbstverständlichkeit. Gebraucht wurden sie nach der Schule so gut wie überall, zum Beispiel beim sogenannten Bledera, wenn entbehrliche Rübenblätter aus dem Futterrübenfeld entfernt werden mussten.
Einlaiben: Der Brotteig wird zum Laib geformt, in die Einlaibform gesetzt, mit einem Namenszettel versehen und dann in den Ofen geschoben.
Krauteinstampfen: Nach der Ernte hackten die Frauen von Neenstetten den Kohl klein und stampften ihn in riesigen Holzfässern.
Verpflichtung am Nachmittag: Der Handarbeitsunterricht am Nachmittag war in den Fünfzigerjahren für die Mädchen Pflicht. Dieses Foto von Eugen Sauter wurde später im SPIEGEL veröffentlicht.
Kleine Bastler: Das technische Spielzeug blieb in den Fünfzigerjahren den Buben vorbehalten.
Familienbild auf der Alb: Vier Generationen von der Urahne bis zum Urenkel und der Urenkelin sind hier versammelt. Die Urgroßmutter und die Großmutter tragen Sonntagstracht. Im Dorf wohnten die Großfamilien vielfach beieinander.
Auf dem Heimweg: Die Bäuerin ist mit ihren Söhnen auf der Heimfahrt von einem Acker mit Futterrüben. Dort hat sie die Blätterkronen der Rüben gelichtet. Im schwäbischen Neenstetten nennt man das "Bledera", Blättern. Die Buben trugen die abgerissenen Blätter auf das Ablagebrett am hinteren Ende des Schleppers. Die dort festgezurrte Last kommt zu Hause zum Grünfutter für das Vieh.
Anfahren der Aussteuer : Der Anbau der frisch vermählten Eheleute ist noch unverputzt, aber immerhin sind die Betten schon da. Eine Freundin hilft beim Ausladen der Aussteuer der Braut.
Bastelarbeit: Mädchen und Buben der Oberklasse fertigen Geflechte aus Strohhalmen mit den noch daran hängenden vollen Ähren. Wie so oft an der wenig gegliederten Landschule helfen ältere Schüler den jüngeren. Die fertigen Geflechte dienen später als Wandschmuck.
Mädchen mit Aronstab: Schülerinnen haben Blüten des Aronstabs in den Schulunterricht mitgebracht. Die Pflanze ist ein wichtiges Anschauungsobjekt für die Landwirtschaft - Vor allem beim Weidevieh führen ihre süßlichen Früchte zu tödlichen Vergiftungen.
Handballspiel der Oberklasse: In ihrem Unterricht waren die Dorflehrer damals an keinen starren Stundenplan gebunden - "ein unbestrittener Vorteil der wenig gegliederten Landschule", wie Sauter einmal schrieb. Zwischen Rechnen und Schreiben konnte ein Bewegungsspiel draußen eingelegt werden.
Auf der Schulbank: Eine Schülerin der Oberklasse trägt Einnahmen und Ausgaben ins Schulsparheft ein.
Oberklasse beim Völkerballspiel: Jungen in kurzen Hosen und Mädchen in Schürzen spielen auf dem holzumzäunten Schulsportplatz.
Omnibus in Neenstette: In der abgeschlossenen Welt auf der schwäbischen Alb schien die große Stadt Ulm fast eine Weltreise entfernt. Morgens fuhr der Bus ein- oder zweimal mit den Pendlern in die zwanzig Kilometer entfernte Stadt.
Heimkehr vom Altheimer Markt: Die zwei Jungen haben sich von ihrem Taschengeld Lebkuchenherzen gekauft und machen sich voller Stolz auf den Heimweg nach Neenstetten.
Mit dem Enkel aufs Feld: Es ist Frühjahr. Wie die Felder müssen auch die so genannten Krautgärten für den bevorstehenden Anbau vorbereitet werden. Im alten Waschkessel auf dem Schubkarren fährt die Großmutter Holzasche in ihren Krautgarten, der ein Stück weit außerhalb des Dorfes liegt. Jedes Haus hat dort seinen Anteil an den Kleinparzellen. Ein Enkel hilft ihr beim Abladen und Ausstreuen.
Eiersammler in Ettlenschieß: Vor verschlossener Scheune warten die Kinder auf das Heraustreten des Pfingstlümmels am Pfingstmontag. Der Pfingstlümmel ist ein "starker dicker Bursch, der im Walde mit Blumen und belaubten Zweigen ganz umwunden und dann im Dorfe herumgeführt wird." (Aus: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Ernst Meier, Stuttgart, 1852)
Buben basteln: Die Jungs der Oberklasse Neenstetten beschäftigen sich mit den Modellen aus dem Märklin-Metallbaukasten.
Kinder an der Schulbank, 1960: Seit 1973 gibt es in Neenstetten keine Schule mehr. Aus den beiden Klassenzimmern im Erdgeschoss ist ein Mehrzwecksaal geworden. Eugen Sauter kann sich noch genau erinnern, wo die Schulbänke standen.
Kartoffellegen auf der Alb: Zwei Landwirte legen Kartoffeln in vorbereitete Feldkuhlen auf dem Acker.
Jungen beim Kinderhüten: Kleinkinder, die noch nicht in den Kindergarten gehen können, müssen in der Familie gehütet werden. Das übernehmen die Großeltern, ältere Geschwister oder auch Nachbarskinder. Nicht nur Mädchen machen sich dabei nützlich, auch Buben ziehen gerne ein Leiterwägelchen mit ihrem Schützling hinter sich her.
Johannisbeerenpflücken: Frau Übelhör und ihre Tochter, Frau Klöpfer, beim Pflücken der "Träuble".
Kindergartenfest Neenstetten: Nach dem Auftritt der Kinder werden zur Belohnung Brezeln verteilt.