Vergessene Kultband - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Vergessene Kultband Anti-Beatles mit Mönchstonsur

Die Beatles sind was für Großmütter, die Rolling Stones gehören ins Museum! Mit dieser Ansage mischten The Monks 1965 den deutschen Musikmarkt auf. Fünf amerikanische GIs verkleidet als Mönche, gecastet von Werbern, sollten den Sound der Zukunft kreieren. Der Plan ging auf - doch die Band scheiterte.
1 / 15

Die "Mönche": The Monks im Band-Outfit - schwarze Kluft, mit einem Strick statt Krawatte um den Hals sowie kurzen Haaren mit Tonsur. Von links: Schlagzeuger Roger Johnston, Sänger Gary Burger, Keyboarder Larry Clark, Bassist Eddie Shaw und Dave Day, der vermutlich das erste elektronisch Verstärkte Banjo der Popmusikgeschichte spielte.

Foto: play loud! productions
2 / 15

Spaß-Combo: Bevor die Monks die Werber Karl-H. Remy und Walther Niemann trafen, hießen sie The 5 Torquays. Bereits 1964 hatten sich die fünf amerikanischen Ex-Soldaten zusammengetan und nach ihrem Armeedienst in Deutschland die Band gegründet, mit der sie hauptsächlich Cover spielten.

Die Szene ist aus dem Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback".

Foto: play loud! productions
3 / 15

Vom Torquay zum Monk: 1965, als Karl-H. Remy und Walther Niemann - Chefkreative einer großen Werbeagentur - The 5 Torquays unter ihre Fittiche nehmen, erfolgt der radikale Imagewechsel. Unter anderem bekamen die Monks zu einem Zeitpunkt, als alle Musiker sich die Haare wachsen ließen, eine Tonsur verpasst. Auf dem Foto lässt sich Keyboarder Larry Clark gerade als letzter in der Riege den Kopf rasieren.

Foto: play loud! productions
4 / 15

"Wie könnt ihr sowas singen?" Schon als GIs machten die späteren Monk-Mitglieder gemeinsam Musik. Bei einem Konzert in Mannheim bereitete ihnen ihre Vergangenheit Probleme. Denn die Band hatten einen kontroversen Titel im Repertoire: "Monk Time".

"Wisst ihr, wir mögen die Armee nicht", schrie Gary Burger bei diesem Song ins Mikro, "welche Armee? Wen interessiert's? Warum tötet ihr all die Kids in Vietnam. Verrückter Vietkong."
Die Monks selbst hatten sich mit ihrer Antikriegstirade nie besonders wohl gefühlt. Da stürmte eines Abends plötzlich ein erzürnter G.I. die Bühne: "Wie könnt ihr sowas singen? Ich komme gerade aus Vietnam zurück, ihr Arschlöcher." Die Monks fühlten sich schlecht, weil sie wussten, dass er durch die Hölle gegangen war.

Die Szene ist aus dem Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback".

Foto: play loud! productions
5 / 15

Erste Aufnahmen: Im November 1965 beginnen The Monks im Studio des Plattenlabels Polydor mit den Aufnahmen zu ihrem Debütalbum "Black Monk Time". In der Mitte steht Karl-H. Remy, einer der beiden Monks-Manager.

Die Szene ist aus dem Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback".

Foto: play loud! productions
6 / 15

"Der neue Beat ist brutal": Den Band-Managern Karl-H. Remy und Walther Niemann waren solche Schlagzeilen als PR für das Image ihrer fünf Schützlinge nur recht - sie propagierten die Monks bewusst als "Anti-Beatles".

7 / 15

Wo alles Anfing: In Gelnhausen im Osten Hessens waren die späteren Monks-Mitglieder stationiert, als sie noch bei der Army waren. Zum Freizeitvertreib gründeten die fünf GIs eine Band.

Die Szene ist aus dem Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback".

Foto: play loud! productions
8 / 15

Mit Jimi im Palast: The Monks spielten gemeinsam mit Jimi Hendrix im Kieler Star-Palast - einer der Höhepunkte ihrer Karriere. Zu ihrem Sound sagte Hendrix nur: "Eure Musik ist ganz schön merkwürdig."

Die Szene ist aus dem Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback".

9 / 15

Männer in Nachthemden: Die Single "Boys Are Boys" mit der B-Seite "There She Walks" bringen The 5 Torquays 1965 in Eigenproduktion heraus - insgesamt 500 Kopien kommen auf den Markt. Das Lied "Boys Are Boys" wird später in einer völlig dekonsturierten Version zu einem Monk-Hit.

10 / 15

Im Polydor-Studio: Der Werber Walther Niemann (links) im Studio mit den Monks. Der Musikintellektuelle und sein Partner Remy schufen eine Band im Spannungsfeld zwischen Pop und Kunst.

Die Szene ist aus dem Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback".

Foto: play loud! productions
11 / 15

Axt-Effekt: Der avangardistische Sound der Ausnahmeband The Monks zeichnete sich durch monotone Kompositionen aus, die oft weder einen Refrain noch eine Strophe hatten.

12 / 15

Die Monks auf der Reeperbahn: Im europäischen Beat-Zentrum Hamburg, feierten die Monks im Januar 1966 im Top Ten Club große Erfolge. Abend für Abend standen ihre Fans vor dem Club schlange.

Die Szene ist aus dem Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback".

Foto: play loud! productions
13 / 15

Einmal Monk, immer Monk: Mehr als 30 Jahre nach ihrer kurzen Rockstarkarriere kamen die Monks noch einmal zusammen. 1997 erschien ihr einziges Album "Black Monk Time" in den USA. Zwei Jahre später spielten sie bei einem Sixties Festival in New York ihren ersten Gig in Amerika.

Foto: play loud! productions
14 / 15

Comeback der Monks: Auf dem alljährlich in New York stattfindenden Cavestomp-Festival hatten die Monks nach ihrer Wiedervereinigung 1999 einen der wenigen Auftritte in ihrer Heimat.

Die Szene ist aus dem Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback".

Foto: play loud! productions
15 / 15

Die Filmemacher: 2006 erschien der Dokumentarfilm "Monks - The Transatlantic Feedback" von Lucía Palacios und Dietmar Post - hier auf dem Bild mit dem Monks-Banjospieler und -Gitarristen Dave Day, der im Januar 2008 starb. In Days Todesjahr erhielten die beiden Regisseure für ihr Werk, für das sie zehn Jahre recherchiert hatten, den Adolf-Grimme-Preis.

Foto: play loud! productions
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?