Hashima im Ostchinesischen Meer von der Gefängnis- zur Luxusinsel zur Geisterstadt
Enger als in Tokio: Einst war die japanische Insel Hashima der am dichtesten besiedelte Ort der Welt. 1959 lebten auf dem nur 160 mal 480 Meter kleinem Eiland 5259 Menschen. Das waren 835 Einwohner pro Hektar - ungefähr das Sechsfache der heutigen Bevölkerungsdichte Tokios.
Vergessenes Eiland: 1890 kaufte der Industriekonzern Mitsubishi die Insel Hashima und ließ die Kohle bis weit unter dem Meeresspiegel abbauen. Etliche Kumpel, darunter auch Zwangsarbeiter, starben bei Unfällen oder auf Grund der harten Arbeitsbedingungen. 1974 ist mit der Produktion Schluss, Japan schwenkt auf Erdöl um - und Hashima wird zur lange vergessenen Geisterinsel.
Behandlungszimmer: Möglicherweise zeigt dieses Foto die Reste eines Operationssaales.
Freizeit auf der Mini-Insel: Aus Platzmangel mussten viele öffentliche Einrichtungen auf den Dächern der großen Wohnanlagen errichtet werden - zum Beispiel das Schwimmbad und der Kindergarten.
Trutzburg im Wasser: 1907 ließ das japanische Unternehmen Mitsubishi hohe Mauern um ganz Hashima errichten. Damit wollte man die Bewohner vor den meterhohen Wellen schützen, die in dieser Region oft von Taifunen ausgelöst werden.
Symbol der Vergänglichkeit: Hashima ist auch ein Mahnmal für den Raubbau an Rohstoffen und die Endlichkeit unserer Ressourcen. Nicht zuletzt deshalb versucht der Kulturausschuss der Stadt Nagasaki, die verlassene Insel auf die Liste der Unesco-Weltkulturerbestätten zu hieven.
Schlachtschiff-Insel: Von weitem könnte man die Insel Hashima, die 15 Kilometer von der Küstenstadt Nagasaki entfernt liegt, für die japanische Version der US-Gefängnisinsel Alcatraz halten. Die Japaner hingegen nennen Hashima ehrfurchtsvoll auch Gunkanjima - "Schlachtschiff-Insel".
Miniaturstadt: Bis auf einen Friedhof gab es auf der winzigen Insel Hashima alles - ein Schwimmbad, einen Spielplatz, ein Kino, ein Krankenhaus, einen Wochenmarkt, Bars und Restaurants. Sogar ein Buddha-Tempel und ein Bordell fehlten nicht.
Die Schule: Hier paukten einst Hashimas Kinder den Unterrichtsstoff. Heute sieht dieses Klassenzimmer aus, als wäre ein Taifun durch das Gebäude gefegt.
Gefährliche Ruinen: Eine von vielen abrissreifen Wohnanlagen auf Hashima. Wegen Einsturzgefahr der Gebäude war es 35 Jahre verboten, die japanische Insel zu betreten. Erst seit Frühjahr 2009 können Touristen mit Führungen kleine Teile des Eilands besichtigen.
Weitblick für den Chef: Reste eines im traditionellen Stil errichteten Gebäudes. Auf der Spitze der Insel hatte früher der Manager der Hashima-Kohle-Mine seine vergleichsweise luxuriöse und große Privatwohnung - ein Privileg auf der überbevölkerten Insel.
Isolierte Arbeiter: Vieles Lebensnotwendige fehlte auf Hashima und musste deshalb auf die Insel gebracht werden. Das fing bei Trinkwasser an. Erst 1957 legte man eine Wasserleitung vom Festland.
Hoher Lebensstandard: In den fünfziger Jahren erlebte Hashima seine Blütezeit. Arbeiter wurden mit Vergünstigungen und guter Bezahlung gelockt, der Lebensstandard war höher als anderswo in Japan. Anfang der sechziger Jahre besaßen die meisten schon Kühlschrank, Fernseher und Waschmaschine.
Neues Gesicht: Die Natur hat die Insel inzwischen zurückerobert. Früher war Hashima fast völlig zugebaut. Erst in den sechziger Jahren begannen die Bewohner, Pflanzen und Gemüse anzubauen - auf ihren Dächern.
Paradies für Fotografen: Leere Regale, Schubladen, Schränke - die verlassene Insel verströmt heute den Charme einer untergegangen Welt.
Festung Hashima: Die kaputten Fenster dieses Hauses erinnern eher an die Gitterstäbe eines Gefängnisses. Und tatsächlich kamen nicht alle freiwillig nach Hashima - während des Zweiten Weltkriegs mussten Hunderte Zwangsarbeiter aus Korea und China unter Tage schuften.
Spuren der Zivilisation: Die Wohnräume dürfen Touristen bis heute nicht betreten. Aber Gucklöcher in den Wänden gewähren Einblicke in eine faszinierende, verlassene Welt.
Bewohner der Geisterstadt: Allerlei Tiere machen sich in den Häuserruinen breit - sie sind heute die einzigen Bewohner der Insel Hashima.
Geld erstehen aus Ruinen: Hashima schlummerte Jahrzehnte in einem Dornröschenschlaf - jetzt möchte Japan mit der Geisterinsel Geld verdienen und hofft auf den Tourismus. Die Stadt Nagasaki hat für die Besucher bereits mehr als 700.000 Euro in Bürgersteige und Landedocks investiert.
Leben auf engstem Raum: Die Quartiere in den mächtigen Wohnanlagen waren jeweils nur zehn Quadratmeter groß. Toiletten und Küche mussten gemeinschaftlich genutzt werden.
Flucht von der Insel: 1974 schloss Mitsubishi die inzwischen unrentable Kohlemine - viele Bewohner Hashimas zogen fluchtartig nach Nagasaki. Denn das Unternehmen hatte den ersten Bewohnern, die die Insel verlassen, einen Job auf dem Festland zugesichert.
Strahlende Zukunft: Hashima galt lange als Symbol der Moderne und spiegelte den Optimismus der aufstrebenden Industrienation Japan wieder. Heute ist der Ort eher ein Symbol der Vergänglichkeit.
Verblichener Glanz: Bei einigen Häusern ist nur noch das Fundament übriggeblieben, Baureste liegen frei herum - wenig erinnert an die mitunter glanzvolle Vergangenheit der Insel, deren Architektur das Vorbild für eine japanische Musterstadt sein sollte.
Verschachtelte Insel: Alle Gebäude auf Hashima waren durch ein Labyrinth von Korridoren und Treppen miteinander verbunden.
Kein Kinderparadies: Sonnenschirme waren auf der Insel überflüssig - die enge Bauweise spendete fast überall Schatten. Kinder spielten auf den wenigen freien Plätzen zwischen den Wohnbaracken aus Stahlbeton. Der Kindergarten wurde aus Platzmangel auf ein Dach verlegt.
Stumme Zeugen: Relikte der Industrievergangenheit finden sich noch heute überall auf der Insel Hashima. In tiefen Schächten unter dem Meeresspiegel wurden bis zur Schließung der Mine 1974 insgesamt rund 16 Millionen Tonnen Kohle gefördert.
Überbleibsel einer Flucht: Viele Bewohner ließen persönliche Gegenstände in ihren Häusern zurück - sie konnten auf den Booten, die sie zum Festland brachten, nur das Nötigste mitnehmen.
Architektur für Arbeiter: Noch heute prägen die mehrgeschossigen Arbeiter-Wohnanlagen das schroffe Gesicht der Insel. Einst galten sie aber als Architektur der Zukunft - 1916 entstand auf Hashima Japans höchster Stahlbetonbau. Er maß neun Stockwerke.
Filmkulisse: So manche Szenerie auf der Geisterinsel bereitet Gänsehaut und könnte aus einem Gruselfilm stammen. Schon 1949 diente der ungewöhnliche Ort tatsächlich als Kulisse für den Film "The Greenless Island".
Virtuelle Insel: Der australische Künstler und IT-Experte Chad Chatterton möchte Hashima mit einer 3D-Animation künstlich zum Leben erwecken. Das ist ein ambitioniertes Projekt an der "IT University of Copenhagen", das der 39-Jährige leitet. In zwölf Monaten soll die Insel virtuell begehbar sein oder vielleicht als Grundlage für ein Computerspiel dienen.
Dieses Foto stammt aus dem Fundus von Chad Chatterton.
Zeichen der Zivilisation: Teilweise ist weniger als das Fundament von den Gebäuden übriggeblieben. Bretter erinnern daran, dass die Insel immerhin von 1890 bis 1974 bewohnt war.
Ruine mit Seeblick: Die verlassene Insel liegt inmitten des stahlblauen Ostchinesischen Meers.