Vergessene Orte Die Spaß-Tanken
Boxen-Stopp: Das Goggomobil war die Ikone des deutschen Wirtschaftswunders, die Agip-Tankstellen das Synonym für den Aufschwung in Italien - auf diesem Werbemotiv für den Kleinstwagen kamen beide zusammen.
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Enrico Mattei: Enrico Mattei vor seinem Privatflugzeug. Der italienische Manager hatte sich beim Aufbau seines Ölimperiums mit einem der mächtigsten Kartelle der Welt angelegt und sich viele Feinde gemacht. Wenige Monate nach dem Entstehen dieser Aufnahme, am 27. Oktober 1962, stürzte der Jet in einem Feuerball vom Himmel. Schon direkt nach dem Absturz kursierten die ersten Gerüchte über einen Mordanschlag. Jahre später bestätigte sich: Matteis Jet war sabotiert worden.
Typische Agip-Tankstelle: Der zwischen Dach und dem abgerundeten Unterbau ist das charakteristische Fensterband zu erkennen.
Der große Wurf: Schaut man auf die Entwürfe von Mario Bachiocci, wird deutlich, wie dicht man bei den endgültigen Bauten der Agip-Tankstellen an der Vision des Architekten geblieben war.
Architektonisches Charakteristikum: Auf diesem Foto einer Agip-Tankstelle in der italienischen Gemeinde Cortemaggiore ist deutlich das stark vorspringende Dach mit der nach unten gebogenen Abschlusskante zu erkennen.
Service, Service, Service: Den Servicegedanken hatte Agip-Chef Enrico Mattei aus den USA übernommen und erfolgreich auf seine Tankstellen übertragen. Wie stark sich dadurch das Bild der Tank-Tempel änderte, zeigte sich eindrucksvollsten im Sprachgebrauch der Italiener. In den fünfziger Jahren wandelten sich die "stazione di rifornimento" (Tankstellen) zu "Stazione de servizio" (Servicestationen). Die Neonreklame dieser Agip-Autobahnraststätte macht deutlich: Hier wird Service großgeschrieben.
Fokus auf Service: Agip setzte auf ein neues Image der Tankstelle - es sollte ein Ort sein, an dem die Kunden sich wohl fühlen. Entsprechend waren die Tankwarte nicht mehr ölverschmierte Schrauber, sondern adrett uniformierte Servicekräfte. Diese wurden in Lehrgängen geschult, um den Konzern angemessen zu repräsentieren.
Rundum-Service: Das Agip-Personal wurde im firmeneigenen Fortbildungszentrum geschult. Die Teilnehmer lernten nicht nur den Umgang mit der Zapfsäule und das Prüfen des Reifendrucks, sondern auch die Kunst des Verkaufens sowie den höflichen Umgang mit den Kunden.
Treffpunkt Tanke: Für viele Italiener wurden die Agip-Tankstellen zur beliebten Anlaufstelle, das Mittagessen in einer der Autobahnraststätten mit dem sechsbeinigen Hund im Logo zum Ausflugsziel von Familien, die ihren nagelneuen Fiat 500 am Wochenende ausfahren wollten.
Benzin-Bar: Architekt Mario Bachiocci, er entwarf 13 standardisierte Versionen der Agip-Tankstelle. Die kleinste war ein einfacher Kiosk, je größer die Tankstelle, desto größer auch das Serviceangebot: Es gab dann angegliederte Werkstätten, Bars und Restaurants. Telefone und Toiletten gehörten bei den Agip-Tankstellen zur Standardausstattung - in den fünfziger Jahren keine Selbstverständlichkeit.
Pause an der Tanken-Theke: Während sich draußen die Service-Kräfte um die Wagen der Kunden kümmerten, konnten sich diese im Restaurant oder der Bar größerer Agip-Tankstellen entspannen.
Agip-Motel: Die Agip-Motels waren mit ihren modernen, schicken Einrichtungen sowie eigenen Bädern für jedes Zimmer eine preisgünstige und viel frequentierte Alternative zu herkömmlichen Unterkünften. Allerdings hatte sich Enrico Mattei auch hier einen schlauen Kniff ausgedacht: Nur die erste Nacht im Motel war überragend günstig, danach steig der Preis pro Nacht sukzessive an - schließlich sollten die Leute nicht bei ihm einziehen, sondern lieber sein Benzin verfahren.
Tankeschön: Einige Tankstellen, wie diese am Comersee vor malerischer Alpenkulisse, avancierten förmlich zum Ausflugsziel. Der Tischarrangement auf der Tankstellenvorplatz verdeutlicht: Tanken ist hier fast Nebensache.
Agip-Logo: Gleich mehrfach prangt das Agip-Logo an dieser Tankstelle in Como. Das sechsbeinige, feuerspeiende Wesen - halb Drachen, halb Hund - war das Ergebnis eines Designwettbewerbs, den der Konzern 1952 ausgerufen hatte.
Benzin-Bluff: "Supercortemagiore" stand als Slogan in großen Lettern an allen Agip-Tankstellen. Toller Treibstoff aus der heimischen Gemeinde Cortemaggiore statt von arabischen oder amerikanischen Ölfeldern - das war die Botschaft, mit der die Kunden in den fünfziger Jahren an die Zapfsäulen gelockt werden sollten. Tatsächlich stammte nur ein Bruchteil des Benzins aus italienischen Quellen - funktioniert hat der Trick aber trotzdem.
Augenweide: Alle Agip-Tankstellen eint das nüchterne, aber elegante Design, das weit auskragende Betondach und natürlich das Agip-Logo - der sechsbeinige Hund, der Feuer speit.
Bar statt Benzin: Welchen Stellenwert das Tanken im Gesamtkonzept der Agip-Tankstellen einnahm, lässt sich an diesem Bild wunderbar ablesen. Zwei kleine Zapfsäulen, dafür eine riesige Bar - so setzte der italienische Ölkonzern die Prioritäten.