Fordlândia Stechuhren und Haferbrei
Grüne Hölle: Arbeiter roden in Fordlândia den Regenwald, um Platz für Plantagen zu schaffen. Benannt war die Urwaldsiedlung in Brasiliens nach dem Autotycoon Henry Ford, der von 1928 bis 1945 Millionen US-Dollar investierte, um in Fordlândia Kautschuk anzupflanzen, was für die reifenproduktion wichtig war. Das ambitionierte Projekt endete für Ford jedoch im Desaster; heute ist Fordlândia eine fast vergessene Geisterstadt im Urwald.
Die einfachen Arbeiter erhielten damals einen Tageslohn von 35 Cent. Das war sehr viel in Brasilien, doch weit weniger als die legendäre "Five-Dollar-Day"-Bezahlung, mit der Henry Ford in den USA berühmt geworden war.
Stillstand: Innenansicht des einstigen Elektrizitätswerks von Fordlândia, das heute eine fast vergessene Geistersiedlung in Brasilien ist. Hier waren riesige Heizkessel untergebracht.
Spuren der Vergangenheit: Heute hat der Dschungel viele Relikte von Fordlândias Industriegeschichte verschlungen, alte Maschinen verrosten in dem feuchten Klima.
Zeugen der Vergangenheit: Aus heutiger Sicht erscheint Fordlândia nur als eine "bizarre Fußnote der Industriegeschichte", wie es die "Neue Zürcher Zeitung" einmal schrieb. Ende der zwanziger Jahre war Henry Fords Projekt jedoch ein echter Aufreger in der US-Presse und weckte auch in Brasilien immens hohe Erwartungen und Hoffnung.
Verlassene Fabrikhallen: Mit dem Verkauf von Tropenholz wollte Henry Ford den kostspieligen Bau der Siedlung Fordlândia und der Plantage refinanzieren.
Komfort im Urwald: Innenansicht einer verlassenen Villa im amerikanischen Stadtteil von Fordlândia. Während die US-Manager und Ingenieure in solch luxuriösen Holzhäusern unterkamen, mussten die einfachen Arbeiter in einfachen Schlafbaracken wohnen - oder gar in Hängematten unter freiem Himmel schlafen.
Sicherheitstrakt: In diesem Gebäude waren früher unter anderem die Gefängniszellen von Fordlândia untergebracht.
Teures Unternehmen: Werkzeuge und Maschinen wurden aufwändig aus den USA nach Fordlândia importiert. Wegen Niedrigwasser und Zollkontrollen lagen Fords Schiffe monatelang fest. Die Behauptung von Henry Fords Vertragshändler, Willis Blakeley, die Zentralregierung in Rio de Janeiro habe Ford eine zollfreie Einfuhr zugestanden, war eine reine Erfindung - und ließ die Kosten explodieren.
Erinnerung an die Dschungelstadt: Eine ehemalige Villa eines US-Managers in Fordlândia beherbergt heute ein kleines Museum.
Amerikanischer Traum im Urwald: Henry Ford wollte Fordlândia zu einer Mustersiedlung nach Vorbild einer kleinbürgerlichen US-Stadt machen - mit Holzhäusern mit Spitzdach und Veranda, roten Hydranten und weißen Lattenzäunen. Das Bild zeigt verlassene Villen in dem Stadtteil, in dem die US-Führungskräfte lebten.
Geisterstadt: Als "wirtschaftliches und soziologisches Experiment" wollte Automagnat Henry Ford seine Dschungelstadt verstanden wissen. Es wollte nicht nur das britische Kautschukkartell brechen, sondern gleichzeitig amerikanische Werte verbreiten, den Dschungel zivilisieren und einen Mittelweg zwischen Industrialisierung und Landwirtschaft finden. Das Experiment scheiterte - Fordlândia wurde zur Geisterstadt.
US-Idylle: Ein typischer Clapboard-Bungalow, wie er einer amerikanischen Kleinstadt entstammen könnte, steht heute verlassen im brasilianischen Dschungel in Fordlândia.
Fords Spuren: Das Foto zeigt ein umgebautes ehemaliges Fabrikgebäude von Fordlândia, das heute eine Werkstatt beherbergt.
Unwirkliche Welt: Heute sind die monströsen Industrieruinen im brasilianischen Urwald ein Paradies für Fotografen. Regelmäßig kommen auch Touristen nach Fordlândia und Belterra.
Rache der Natur: US-Amerikaner besichtigen eine Kautschukplantage in Fordlândia. In freier Natur wachsen in Brasilien nur etwa sieben Gummibäume pro Acre (etwa 4000 Quadratmeter). Auf ihren Plantagen pflanzten die Amerikaner 200 Bäume auf dieser Fläche - und veränderten damit das empfindliche Ökosystem so sehr, dass sie einen idealen Brutkasten für Schädlinge schufen, die die Bäume zerstörten.
Soziale Spannungen: Zwischen den einfachen brasilianischen Hilfsarbeitern und den US-Ingenieuren und Managern gab es kulturelle Konflikte. Besonders unbeliebt waren die penibel per Stechuhr protokollierten Arbeitszeiten, die keine Rücksicht auf das lokale Klima nahmen. Ganz verpönt war das strikte Alkoholverbot - schließlich war Alkohol in Brasilien erlaubt. Mehrmals kam es in Fordlândia zu Aufständen.
Unpassende Architektur: Die Straßen in Fordlândia waren nach dem Vorbild einer US-Stadt angelegt. Viele der amerikanischen Bungalows hatten Metalldächer, um die Hitze abzuhalten. Doch das Gegenteil trat ein: Innen war es "heißer als an der Pforte zur Hölle", beschwerte sich ein Zeitzeuge.
Unwirtliches Klima: Ein Lincoln Zephyr versinkt während der Regenzeit im Schlamm. In den dreißiger Jahren gab es in Fordlândia asphaltierte Straßen, Bäckereien, Friseure, Kinos, Schulen und ein hochmodernes Krankenhaus, das die Arbeiter und auch ihre Angehörigen kostenlos behandelte.
Einar Oxholm: Führende Ford-Kräfte auf dem Deck des US-Frachters "The Ormoc". Zweiter von links ist Henry Fords Sohn Edsel; rechts daneben der Norweger Einar Oxholm. Er trug von 1928 bis 1930 die Verantwortung in Fordlândia. Eingestellt für seine große "Aufrichtigkeit", beging auch er viele Managementfehler.
Sägewerk in Fordlândia: Das Holzgeschäft erwies sich als nicht rentabel. Zunächst war geplant, Tropenholz zu verschiffen und in den USA zu verkaufen. Doch es fehlte an Möglichkeiten, die Baumstämme lange trocken zu lagern, und Fords schwere Frachtschiffe konnten den Rio Tapajós nicht immer befahren.
Walzer statt Samba: Tanzhalle mit einer großen Leinwand für Kinofilme im Hintergrund. Weil Henry Ford moderne Musik wie Jazz verabscheute, wurden auch im fernen Fordlândia in Tanzgruppen oder auf Betriebsfesten klassische Musik wie Walzer oder Polka gespielt.
Fehlinvestition: Für nur 125.000 US-Dollar erwarb Henry Ford umfangreiche Rechte in Fordlândia, unter anderem für die steuerfreie Ausfuhr von Rohstoffen. Das Gelände war allerdings für Kautschukplantagen ziemlich ungeeignet.