Vergessene Rennstrecken - DER SPIEGEL
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Vergessene Rennstrecken Wo die Zeit rast

Schüsse, Schnaps und Selbstmordkurse: Die Motorsportgeschichte ist voll von legendären Pisten, doch viele von ihnen sind mittlerweile verfallen. Ein Bildband zeigt die vergessenen Strecken und erinnert an ihre großen Zeiten - als Exzesse und Katastrophen zum Rennalltag gehörten.
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Die Nascar-Fans haben sich an einem sonnigen Tag auf dem North Wilkesboro Speedway zusammengefunden, um das Rennen zu genießen. Hier kämpft gerade Dale Earnhardt, einer der Stars der Szene, um die Führung. Er starb 2001 mit 49 Jahren nach einem Unfall bei einem Rennen in Daytona an einem Schädelbruch. Die Nascar erhöhte daraufhin ihre Sicherheitsbestimmungen an den Strecken - es entstanden vor den Begrenzungsmauern unter anderem flexible Barrieren.

Foto: LAT Photographic
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Früher war alles besser: Das letzte Rennen auf der 1947 eröffneten und heute verlassenen Rennstrecke North Wilkesboro in North Carolina fand 1996 statt. 2010 wurde sie noch einmal wiedereröffnet, aber bereits 2011 vorzeitig wieder geschlossen.

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Pilgerstätte der Nascar-Fans: Zu ihren Hochzeiten drängten sich Zehntausende Fans auf der Rennstrecke des North Wilkesboro Speedway. Und auch heute noch kommen sie hier her, um von dem inzwischen geschlossenen Oval Fotos zu machen.

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Als sie Gummi gaben: In Wilkesboro spielten sich immer wieder spektakuläre Szenen ab. So duellierten sich 1972 Richard Petty und Bobby Allison in einer epischen Schlacht. Mehr als zehnmal wechselte die Führung zwischen den beiden Fahrern, die sich immer wieder rammten und bei voller Geschwindigkeit die Zäune berührten. Allision führte in der letzten Runde - doch kurz vor der Zielgeraden zog Petty erneut vorbei und gewann.

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Middle Georgia Raceway: 500.000 Dollar hatte der Bau des Middle Georgia Raceway gekostet, als er 1966 eröffnet wurde. Und gleich im ersten Jahr des Bestehens stellte Richard Petty einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Nascar-Rennen auf. Mehr als 82 Meilen pro Stunde fuhr der Pilot bei seinem Sieg. Auch Jody Ridley gewann ein Rennen in Georgia, hier freut er sich über den Pokal, der ihm von Miss Middle Georgia Raceway überreicht wird.

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Gras statt Gummi: Zwischen 1966 und 1971 kämpften auf dem Middle Georgia Raceway die Stockcars in offiziellen Nascar-Rennen um Siege. Im Juli 1970 fand auf dem Gelände außerdem das dreitägige Atlanta International Pop Festival statt, bei dem sich Hunderttausende Hippies vergnügten. Doch ab Anfang der Siebziger lohnte sich der Betrieb der Strecke nicht mehr und sie wurde geschlossen. Heute...

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...hat sich die Natur die Rennstrecke und die Zuschauertribünen längst zurückerobert.

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Brennen und Rennen: In den sechziger Jahren gehörten zu den Nascar-Rennen nicht nur das Röhren der Motoren und der Jubel der Zuschauer - sondern manchmal auch zwielichtige Geschäfte. So musste beispielsweise der Besitzer des Middle Georgia Raceway 1968 ins Gefängnis, nachdem unter seinem Eintrittskartenschalter die Geheimtür zu einer illegalen Schnapsbrennerei gefunden worden war. Die Fahrer wie Paul Connors stammten häufig aus einfachen Verhältnissen. Connors hatte sich seinen Rennwagen auch selbst zusammengebastelt.

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Brooklands: Die 1907 eröffnete Rennstrecke Brooklands nahe dem englischen Weybridge war die erste ausschließlich für Wettbewerbe entworfene Rennstrecke der Welt. Zur Eröffnung fand hier noch ein Pferderennen statt, an dessen Regeln sich auch die ersten Autorennen orientierten. So trugen die Rennfahrer wie Jockeys verschiedenfarbige Jacken. Die Autos hingegen unterschieden sich kaum und hatten noch nicht einmal Startnummern. Auf dem Bild ist das JCC International Trophy Autorennen von 1936 zu sehen.

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Von der Straße in die Luft: Das letzte Rennen in Brooklands fand am 7. August 1939 statt. Auf der britischen Rennstrecke wurden während des Zweiten Weltkriegs hauptsächlich Flugzeuge gebaut. Nach dem Krieg kaufte der Flugzeughersteller Vickers-Armstrong das Gelände und machte ein Zentrum der britischen Luftfahrtindustrie daraus. Erst 1987 endete die Produktion hier und es entstand ein Museum für Luftfahrt-, Auto- und Motorradgeschichte. 2005 kam noch eine Testanlage der Daimler AG hinzu.

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Party auf dem Wasser: Um den Autorennen näher zu sein, stiegen die Fans in Brooklands (hier 1938) kurzerhand in Badesachen und Holzboote und beobachteten das Spektakel vom Fluß Wey aus, der direkt unter der Piste entlangfloss. Auf Sicherheitsvorkehrungen wurde in dieser Zeit noch nicht geachtet, nur ein einsamer Bobby war zur Bewachung abgestellt.

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Avus - Rennen auf der Autobahn: Der Startschuss für das letzte auf der Avus ausgetragene Formel-1-Rennen fiel am 2. August 1959. Dabei geriet der Pilot Jean Behra in der Steilkurve ins Schleudern, drehte sich um die eigene Achse und raste in den Betonsockel eines ehemaligen Flakgeschützes am Kurvenrand, das vorher offenbar niemandem aufgefallen war. Er war sofort tot, auf der Avus fanden keine Rennen der Königsklasse mehr statt. 1967 wurde die extrem steile Nordkurve abgebaut - und die Avus nur noch als Stadtautobahn genutzt.

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Das Aus für die Avus: Nachdem ab 1959 keine Formel-1-Rennen mehr auf der Berliner Avus stattgefunden hatten, richtete die Deutschen Tourenwagenmeisterschaft DTM auf der Traditionsstrecke Rennen aus. Doch der Kurs war bei den Fahrern aufgrund der Unfälle, die es immer wieder gab, extrem unbeliebt. Die Strecke wurde schließlich in den neunziger Jahren ganz stillgelegt.

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Pista d'alta Velocità - Monza sehen und sterben: Noch heute sprechen Formel-1-Fahrer von der alten Rennstrecke in Monza, der "Pista d'alta Velocità", mit Ehrfurcht. Auf der 1922 fertiggestellten Bahn gab es spektakuläre Rennen - aber auch ebenso aufsehenerregende Unfälle wie den "Schwarzen Sonntag" am 10. September 1933. Drei Fahrer starben auf der Piste, die danach gesperrt wurde. Zwischen 1938 und 1939 wurde die Strecke in drei Bauphasen in Teilen erneuert.

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Lang und schnell: Das Gelände in Monza hatte der Architekt Alfredo Rosselli zunächst mit 14 Kilometern Streckenlänge geplant, doch letztlich baute man 1922 nur zehn - bestehend aus einem Hochgeschwindigskeitsoval und einem Straßenkurs, aus dem sich später die heute noch genutzte Strecke entwickeln sollte. Das Bild zeigt die verlassene alte Rennstrecke von Monza, die 1933 nach dem "Schwarzen Sonntag" als offizielle Rennstrecke geschlossen wurde.

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Kurzes Comeback: Nach 1933 wurden nur noch Teilstücke der alten Rennstrecke von Monza für offizielle Rennen genutzt. So fand 1955, 1956, 1960 und 1961 jeweils der Große Preis von Italien hier statt. Auf diesem Bild ist der Sieger des Rennens von 1955, Juan Manuel Fangio, in seinem Mercedes-Benz W196 vor Stirling Moss (im gleichen Wagentyp) zu sehen.

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