Vergessene Technologien - DER SPIEGEL
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Abhörtechnik der Dreißiger Nicht gerade unauffällig

Mit haushohen Stahlbetonschalen lauschten die Briten in den zwanziger und Dreißigerjahren nach feindlichen Flugzeugen. Die Akustik-Experimente entlang der Küste bescherten der Insel außergewöhnliche Monumente der Architektur - und eine Abhörtechnik, um die es nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sehr still wurde.
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Sound-Experiment: Ein weiteres der experimentellen Hohlspiegelmikrofone an der Küste Großbritanniens, gebaut vor dem Zweiten Weltkrieg, befindet sich in Capel-le-Ferne.

Das Foto wurde von Rob Riddle  zur Verfügung gestellt.

Foto:

Rob Riddle

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Akustikspiegel: 1928 gebaut, misst dieser Sound Mirror am Standort Denge, Großbritannien, imposante neun Meter im Durchmesser. Deutlich zu sehen ist die Metallstange in der Mitte, an der während des Betriebs der Anlage in den dreißiger Jahren ein elektrisches Mikrofon angebracht wurde. Zuvor hatten Horchposten mit Stethoskopen nach dem stärksten zu empfangenen Signal gesucht.

Das Foto wurde von Thomas Cogley  zur Verfügung gestellt.

Foto: Thomas Cogley
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Horcher an der Wand: Auf dem betonierten Vorplatz der 1930 zu Forschungszwecken errichteten Mauer hatte ihr Entwickler William Sansome Tucker 20 strombetriebene Mikrofone installieren lassen. Sie sollten es den Horchposten vor der Wand erleichtern, die Stelle zu finden, an der das empfangene Signal am stärkten war und mit der sich die Richtung des herannahenden Flugzeugs bestimmen ließ.

Das Foto wurde von Thomas Cogley  zur Verfügung gestellt.

Foto: Thomas Cogley
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Abhörraum: In der Kammer unterhalb des Neun-Meter-Hohlspiegelmikrofons am Standort Denge, Großbritannien, liefen die Informationen zusammen und wurden von dort über Telefonleitung an die Zentrale gemeldet.

Das Foto wurde von Thomas Cogley  zur Verfügung gestellt.

Foto: Thomas Cogley
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Monument aus Stahl und Beton: Die 60 Meter lange, gebogene Mauer lieferte während der Akustik-Experimente des britischen Militärs in den dreißiger Jahren die besten Ergebnisse bei der Früherkennung von Flugzeugen. Plänen zufolge sollte daher fast die gesamte Ost- und Südküste der Insel mit Monumenten dieser Art umstellt werden.

Das Foto wurde von Thomas Cogley  zur Verfügung gestellt.

Foto: Thomas Cogley
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Schirme gegen die Angst: Die Abhörstation Denge, Teil der akustischen Versuchsanstalt im britischen Hythe, verfügte über insgesamt drei Hohlspiegelmikrofone - eines mit sechs und eines mit neun Metern Durchmesser sowie die rund 60 Meter langen gebogene Wand. Die Tatsache, dass die Briten so großes Vertrauen in diese Abhörtechnik setzten, wurde psychologisch dahingehend gedeutet, dass die riesigen Betonschalen den Charakter monumentaler Trutzburgen hatten. Allerdings waren sie lange Zeit auch das einzige funktionierende Frühwarnsystem.

Das Foto wurde von Thomas Cogley  zur Verfügung gestellt.

Foto: Thomas Cogley
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"Il Widna": Das Hohlspiegelmikrofon in Maghtab auf Malta ist das einzige dieser Art außerhalb Großbritanniens. "Il Widna" ist Maltesisch für "das Ohr". Der Anstrich in Tarnfarben fügt sich auch heute noch in die Landschaft. Eine baugleiche Stahlbetonwand von 65 Metern Länge steht an der Südküste Englands.

Das Foto wurde von Andrew Grantham  zur Verfügung gestellt.

Foto: Andrew Grantham
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Monumentale Halbkugel: Von den zwei Hohlspiegelmikrofonen, die in den zwanziger Jahren westlich der Ortschaft Hythe in Kent, Großbritannien, auf einem Militärgelände errichtet worden waren, steht nur noch eines. Das Zweite fiel in den achtziger Jahren in sich zusammen. Akustikforscher hatten mit Hilfe dieser Betonschalen die Richtung herannahender Flugzeuge bestimmt. Je größer dabei der Spiegeldurchmesser war, desto besser konnten die Motorengeräusche empfangen werden.

Das Foto wurde von Andrew Grantham  zur Verfügung gestellt.

Foto: Andrew Grantham
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Angeschlagen: Aus der Betonschüssel bei Hythe in der Grafschaft Kent ist bereits ein großes Stück herausgebrochen, der Verfall kaum aufzuhalten. Dennoch erkennt man noch gut die Konstruktionsweise - die Form des Schallreflektors gibt ein Metallskelett vor.

Das Foto wurde von Ian Davies  zur Verfügung gestellt.

Foto: Ian Davies
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Mikrofon am Wegesrand: Wind und Wetter setzen den Konstruktionen aus Stahlbeton seit Jahrzehnten zu. Die britische Regierung hat die Relikte der obsolet gewordenen Technologie inzwischen unter Schutz gestellt. Um sie vor Zerstörung zu bewahren, wurden die Sound Mirrors eingezäunt. Die Aufnahme stammt vom 4. Juli 2010.

Das Foto wurde von Andrew Grantham  zur Verfügung gestellt.

Foto: Andrew Grantham
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Kulturerbe: Eigentlich sollten die Sound Mirrors an der Südostküste Großbritanniens Ende der dreißiger Jahre zerstört werden, nachdem klar war, dass man mit dem Radar über ein sehr viel besseres Frühwarnsystem verfügte. Doch mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gerieten die Betonohren in Vergessenheit - und blieben so bis heute erhalten.

Das Foto wurde von Thomas Cogley  zur Verfügung gestellt.

Foto: Thomas Cogley
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Wetterfester Verstärker: Die ersten Sound Mirrors auf der britischen Insel entstanden während des Ersten Weltkriegs. Während die Akustikforscher für ihre frühen Experimente den hohlspiegelartigen Reflektor etwa in Kalkklippen meißelten, ermöglichte diese Bauweise einen Standort unabhängig von der Geologie. Dieses Exemplar steht auf den Klippen zwischen Capel-le-Ferne und Samphire Hoe in Kent.

Das Foto wurde von Thomas Cogley  zur Verfügung gestellt.

Foto: Thomas Cogley
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"Beton-Ohr": Eines von mehreren Hohlspiegelmikrofonen auf dem ehemaligen Royal-Airforce-Stützpunkt in Denge an der Südostküste Großbritanniens. Bis in die dreißiger Jahre wurden diese "Beton-Ohren" als Frühwarnsystem zur Erkennung feindlicher Flugzeuge genutzt. Heute sind sie eine Touristenattraktion. Foto von September 2005.

Das Foto wurde von Andrew Grantham  zur Verfügung gestellt.

Foto: Andrew Grantham
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Himmelstrompeten: Die Aufnahme, etwa aus den dreißiger Jahren, zeigt die japanische Variante eines Sound-Detektors zur Luftabwehr, fotografiert in Tokio. Das Horchgerät, die sogenannte Japanische Kriegstuba, besteht aus vier tubaähnlichen Röhren, die auf einem vierrädrigen Wagen montiert sind und gen Himmel lauschen.

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Früher Vorläufer des Radar: Das Topophon wurde 1879 von dem US-amerikanischen Professor für Physik, Alfred M. Mayer, erfunden und patentiert. Es sollte Kapitänen und Lotsen zum Orten von Nebelhörnern dienen, denn ohne Sichtkontakt und noch vor Erfindung des Radars war ein sich näherndes Schiff nur akustisch auszumachen. Doch die Richtung des Signals war schwer zu bestimmen. Wie der undatierte Holzschnitt demonstriert, trug der Nutzer des Geräts zwei Hörmuscheln auf einem Tragegestell, von denen aus zwei Schläuche zu den Ohren führten. Hörte er ein Signal, drehte er sich in dessen Richtung, bis er es in beiden Ohren gleich laut vernehmen konnte. Dieser Prozess nahm jedoch zu viel Zeit in Anspruch und war damit unpraktikabel, sodass sich der Apparat nicht durchsetzte.

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Akustische Frühwarnung: Dieses Horchgerät aus den zwanziger Jahren ist die Hälfte eines tschechischen Vier-Horn-Modells. Die zwei Schalen dieses Apparats kontrollieren den Luftraum in der Senkrechten, während der hier nicht abgebildete Teil des Geräts die Waagerechte überwacht. Die Aufnahme entstand wahrscheinlich während eines Tests auf der niederländischen Militärbasis in Waalsdorp.

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Flugabwehr in Frankreich: Die französische Variante eines Verstärkers, mit dem die Soldaten im Ersten Weltkrieg nach Motorgeräuschen feindlicher Flieger lauschten, die sich ihren Häfen näherten.

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Luftschutz-Ohr: Der sogenannte Ringtrichterrichtungshörer, oder auch RHH, wurde von einer drei Mann starken Besatzung bedient. Der Trichter in der Mitte fing Geräusche auf und leitete sie an die Kopfhörer der rechts und links sitzenden Männer weiter. Der Mann in der Mitte protokollierte die Ergebnisse und funkte sie zur Einsatzzentrale. Die Ausrichtung des Geräts konnte per Lenkrad gesteuert werden. Der mobile Apparat war Teil der Verteidigung des deutschen Luftraums zu Beginn des Zweiten Weltkriegs und spürte feindliche Ziele auf eine Distanz von fünf bis zwölf Kilometern auf - je nach Wetterlage. Im späteren Verlauf des Krieges wurden RHHs durch Radargeräte ersetzt. Die Aufnahme entstand am 19. September 1939 in Berlin.

Foto: AP
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Hörgerät: Die niederländische Entwicklung aus den dreißiger Jahren galt als die effektivste ihrer Art des militärischen Forschungsstützpunkts in Waalsdorp. Die zwei Schirme bestanden aus Aluminium.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?