Verkannter Vordenker - DER SPIEGEL
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Verkannter Vordenker Wie Bernstein die SPD zum Beben brachte

SPD-Granden wie Steinmeier, Steinbrück und Platzeck berufen sich heute gern auf ihn. Doch zu Lebzeiten erntete der Vater der modernen, reformerischen Sozialdemokratie nur Groll. 1932 starb Eduard Bernstein politisch vereinsamt und isoliert - mit einem Satz hatte er die ganze Partei aufgemischt.
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Eduard Bernstein im Studierzimmmer: Der Sohn eines Lokomotivführers hatte 15 Geschwister und musste sich all sein Wissen als Autodidakt aneignen.

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Karl Marx: Vom Denken des ersten und größten Marxisten setzte Bernstein sich schrittweise ab.

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Friedrich Engels: Solange der Mitbegründer des Marxismus lebte, traute Bernstein sich nicht, seine Zweifel gegenüber dem von ihm geschaffenen Paradigma offen auszusprechen.

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Otto von Bismarck: Der "eiserne Kanzler" war auch Erfinder des "Sozialistengesetzes", das faktisch einem Parteiverbot der Sozialdemokratischen Partei von 1878 bis 1890 gleichkam.

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Polizeirazzia: Das Sozialistengesetz verbot den sozialdemokratischen Parteien jegliche Betätigung außerhalb von Parlamenten. Der Holzstich zeigt, wie die Polizei eine Zusammenkunft von Sozialdemokraten auf. Vor dem Fenster stehend ist Karl Liebknecht abgebildet, neben ihm Wilhelm Hasenclever.

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Alfred Krupp: Der Essener Industrielle baute seine Gussstahlfabrik zum damals größten Industrieunternehmen in Europa aus und wurde im Volksmund "Kanonenkrupp" genannt.

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Gussstahlwerk von Friedrich Krupp: Die Marxisten glaubten, dass sich an solchen Arbeitsplätzen die Verelendung der Arbeiterklasse unaufhaltsam vollzog.

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George Bernard Shaw: Der Dramatiker und spätere Gewinner des Literaturnobelpreises war eine der prominenten Figuren der Fabian Society, unter deren Einfluss Bernstein in London geriet.

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Bernhard von Bülow: Als Kanzler des Deutschen Kaiserreichs hob er 1909 den Fahndungsbefehl gegen Bernstein auf, da er hoffte, dieser würde nach seiner Rückkehr nach Deutschland für eine Zersplitterung der SPD sorgen.

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Karl Liebknecht bei einer Rede: Der Mitgründer der Kommunistischen Partei Deutschlands und Eduard Bernstein bekämpften sich erbittert, fanden sich aber in der Ablehnung der Kriegskredite 1914 in einer seltenen Koalition zusammen.

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Rosa Luxemburg auf einem SPD-Parteitag: Die Mitgründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands forderte die Ächtung Eduard Bernsteins.

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Karl Kautsky: Der große Theoretiker der deutschen Sozialdemokratie der frühen Jahre war erst Freund, dann Gegner Eduard Bernsteins.

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Armut auf dem Lande: Im brandenburgischen Peitz sammeln Alte und Kinder kleine Fische vom Boden, die die Binnenfischer erbeutet haben, aber nicht brauchen konnten.

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Missstand in der Mietskaserne: Das Foto der Küche einer Berliner Mietskaserne zeigt die Umstände, unter denen große Teile der Stadtbevölkerung noch im frühen 20. Jahrhundert leben mussten.

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Bernstein auf dem Weg zum Reichstag: Insgesamt 19 Jahre lang war Bernstein Abgeordneter für den Wahlkreis Breslau-West.

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Ferdinand Lassalle: Anders als Bernstein entstammte der Gründer des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins", aus dem später die SPD hervorging, einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie.

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Demonstrationszug der USPD: Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei, die sich 1917 von der SPD im Streit um die Kriegspolitik abgespalten hatte, war von 1917 bis 1919 die ideologische Heimat von Eduard Bernstein.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?