Verlassener Armeestützpunkt - DER SPIEGEL
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Wünsdorf in Brandenburg Überreste des Kalten Krieges

Ein Hauch von Moskau - mitten in Brandenburg: Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen 50.000 Rotarmisten in die winzige Gemeinde Wünsdorf. Die wichtigste sowjetische Militäranlage Deutschlands lag verschanzt hinter Mauern und Stacheldraht. Heute erobern Fotografen die Anlage und dokumentieren ihren Verfall.
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Verwaistes Machtzentrum: Düstere Stimmung empfängt den Besucher beim Eintritt in die Architektur der Wünsdorfer Militäranlage. Hier residierte einst das Oberkommando des Heeres der Wehrmacht.

Die Bilder haben keinen rein dokumentarischen Charakter. Sie sollen vielmehr einen atmosphärischen Eindruck des verlassenen Orts vermitteln.

Foto: Jörg Rüger
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Ausgespielt: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier sowjetische Soldaten stationiert. Noch heute finden sich in den verlassenen Räumlichkeiten Spuren der Besatzer, die 1994 wieder abgezogen wurden - etwa dieser zurückgelassene Flügel, der zur musikalischen Unterhaltung der Soldaten diente. Doch ein näherer Blick auf das Instrument zeigt,...

Foto: Jörg Rüger
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...dass hier niemand mehr in die Tasten greifen wird, um Mitsoldaten zum Singen zu animieren. Von dem Instrument ist nur noch ein leerer Rahmen übrig geblieben.

Foto: Jörg Rüger
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Begehbares Museumsstück: Ein Förderverein hält heute die leerstehende Militäranlage instand und führt Besuchergruppen über das Gelände. Da die Stromversorgung des Stützpunkts noch immer intakt ist, können auch große Hallen wie dieser Theatersaal in ihrer ganzen Pracht bewundert werden.

Foto: Jörg Rüger
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Der letzte Vorhang ist gefallen: Früher wurden die russischen Truppen hier mit Aufführungen in ihrer Muttersprache fern der Heimat bei Laune gehalten. Heute verirren sich nur noch gelegentlich kleine Gruppen von Geschichtsinteressierten und Fotografen in den Saal.

Foto: Jörg Rüger
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Verwaistes Schauspielhaus: Der Eingangsbereich des großen Theaters des ehemaligen sowjetischen Militärstützpunkts. Auch nach dem Abzug der Armee im Jahr 1994 fanden hier gelegentlich noch Aufführungen statt.

Foto: Jörg Rüger
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Relikte der Besatzungszeit: Anfang der neunziger Jahre begann die sowjetische Armee mit der "Heimkehr in Würde". Militärfahrzeuge und -maschinen wurden über Jahre hinweg mit Zügen und Fähren zurück in die Sowjetunion verfrachtet - oder direkt vor Ort verschrottet. Nur wenige Überbleibsel von Geräten und Militärfahrzeugen blieben in der Anlage zurück - wie in dieser alten Fahrzeughalle.

Foto: Jörg Rüger
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Bodenlos: Nachdem alle Holzdielen in diesem Raum entfernt wurden, blieb nur ein Rippenmuster an seinem Boden zurück. Darunter zeigen sich die größten Feinde aller verlassenen Bauwerke - Feuchtigkeit und Moder.

Foto: Jörg Rüger
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WC-Romantik: Nicht nur die alten Militärfahrzeuge und -maschinen, selbst die Trennwände und Türen der Toiletten wurden demontiert.

Foto: Jörg Rüger
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Verbliebene Einrichtungsstücke: Die Gebäude sind größtenteils leergeräumt worden. Hier und da finden sich jedoch vereinzelt Gegenstände, die durch ihren fortschreitenden Verfall umso wirkungsvoller erscheinen - wie dieser Tresor, dessen abblätternder grüner Lack fast an Laub erinnert.

Foto: Jörg Rüger
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Malerische Ansichten: Verlassen von seinen früheren Bewohnern wirkt die einstige Militäranlage heute friedlich und oft idyllisch - etwa wenn, wie hier, Sonnenlicht durch die Fenster einfällt und die Räume in einen bernsteinfarbenen Ton taucht.

Foto: Jörg Rüger
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Ausgeblichene Farben: Bei seiner Besichtigung des Geländes hatte Jörg Rüger den Eindruck, das russische Militär habe nur sechs verschiedene Farben verwendet: gelb, blau, grau, braun, rosa oder - wie hier - grün. Nach Jahren des Leerstands entwickeln die abblätternden Pastelltöne in dem Gebäude heute eine ganz eigene Atmosphäre, die Rüger in seinen Fotografien festzuhalten versuchte.

Foto: Jörg Rüger
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Durchblick: Sicht durch die Aussparung für einen Projektor. Viele Räumlichkeiten des Militärstützpunkts in Wünsdorf waren für die Unterhaltung der Soldaten vorgesehen.

Foto: Jörg Rüger
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Leibesertüchtigung: In diesem Schwimmbad zog auch der letzte Oberkommandierende der Sowjettruppen in Deutschland, Generaloberst Burlakow, seine Bahnen. Doch seit Jahren...

Foto: Jörg Rüger
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...befindet sich kein Wasser mehr im Becken. Wie die anderen Sporteinrichtungen des Armeestützpunkts dient auch diese Halle derzeit nur noch als Museumsstück.

Foto: Jörg Rüger
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Reinliche Armee: Gut erhalten sind auch heute noch die Duschanlagen des Schwimmbads, in denen sich die Soldaten nach Feierabend abbrausten, bevor sie ins kühle Nass tauchen durften.

Foto: Jörg Rüger
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Altertümliche Heizanlage: Die richtige Temperatur für das Badewasser des Schwimmbads wurde mit diesen Öfen sichergestellt. Während sich oben Soldaten im Wasser entspannten, mussten hier unten schweißtreibend Kohlen geschippt werden.

Foto: Jörg Rüger
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Freizügig: Selbst die Trennwände der Umkleidekabinen im Schwimmbad wurden vor dem endgültigen Abzug der Sowjet-Truppen demontiert - vielleicht, weil für das Holz der Wände anderweitig Bedarf bestand.

Foto: Jörg Rüger
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Letzter Verbliebener: Durch die trüben Fenster des Gebäudes wird eine Gestalt sichtbar, die einst von größter Bedeutung für die Bewohner der Anlage gewesen sein dürfte - es ist...

Foto: Jörg Rüger
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...eine Statue Lenins, die an längst vergangene Zeiten erinnert. Heute blickt der Gründer der Sowjetunion nicht mehr auf exerzierende Hundertschaften sowjetischer Soldaten, sondern auf einen leeren Platz.

Foto: Jörg Rüger
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Gut gesicherte Leere: Oft lassen die verwaisten Räumlichkeiten und ihre Einrichtung den Besucher rätseln, wozu sie einst genutzt wurden. Was zum Beispiel wurde hier wohl so kunstvoll gesichert - die Zahlstelle?

Foto: Jörg Rüger
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Romantik des Verfalls: Verlassener Flur in der ehemaligen sowjetischen Militärbasis Wünsdorf. Obwohl der riesige Gebäudekomplex erst seit 17 Jahren leersteht, wirkt es, als hätten ihn seit Ewigkeiten keine Menschen mehr betreten.

Foto: Jörg Rüger
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Miniatur-Sporthalle: In einigen der zahllosen Räume erwarten einen noch Überraschungen - wie dieser zurückgebliebene Turnbock.

Foto: Jörg Rüger
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Lichtspiel: Bei seinem Rundgang durch die leerstehende Anlage war Jörg Rüger immer wieder fasziniert vom Spiel von Licht und Schatten, das selbst einfachen Treppenhäusern eine geheimnisvolle Atmosphäre verlieh.

Foto: Jörg Rüger
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Karg möbliert: Im Dachgeschoss des Theaters fand Jörg Rüger diesen zurückgelassenen Stuhl - und freute sich über ein willkommenes Fotomotiv.

Foto: Jörg Rüger
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Spurlos verschwunden: Nur an wenigen Stellen finden sich in den leeren Räumen noch Spuren der einstigen Bewohner - etwa bei diesem in einem Fenster eingeklemmten Vorhang.

Foto: Jörg Rüger
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Geometrische Muster: Auch wenn die meisten Räume seit Jahren verlassen und leergeräumt sind - alleine der Lichteinfall ließ in vielen von ihnen Formen entstehen, die Jörg Rüger fasziniert mit seiner Kamera einfing.

Foto: Jörg Rüger
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Detail im Kaserneneinerlei: Nicht alle Treppenhäuser der Anlage sind mit solch dekorativen Geländern ausgestattet. Die kahlen Räume unterstreichen die nüchterne Kasernenarchitektur zusätzlich.

Foto: Jörg Rüger
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Hinter den Kulissen: Seilzüge zum Bewegen der Bühnenaufbauten und Scheinwerfer des Militärtheaters. Sie gehören zu den wenigen Gerätschaften, die unverändert vor Ort belassen wurden - wohl, weil sie weder zu schützendes militärisches Wissen darstellen, noch einer sinnvollen weiteren Verwendung zugeführt werden konnten.

Foto: Jörg Rüger
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Stille nach dem Abzug: Einst hätte man durch die Bodendielen dieses Ganges die gedämpften Geräusche der Theateraufführungen im Saal darunter hören können. Heute sind die einzigen Geräusche dort die Schritte der seltenen Besucher und das Knarren der Holzdielen.

Foto: Jörg Rüger
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