Verlegerlegende Lord Weidenfeld "Ich konnte nie antideutsch sein"
Verleger Weidenfeld: Gemeinsam mit Nigel Nicolson, dem Sohn des Labour-Politikers Harold Nicolson und der Schriftstellerin Vita Sackville-West, gründete der österreichisch-jüdische Immigrant George Weidenfeld 1945 den Verlag Weidenfeld & Nicolson, in dem er bis heute tätig ist. Die Aufnahme zeigt Weidenfeld 1981.
Demonstration der Macht: Eine Formation deutscher Polizisten marschiert am 12. März 1938 in die österreichische Stadt Imst ein - die Deutschen werden mit dem Hitlergruß willkommen geheißen. Kurz nach dem "Anschluss" wurde der vater von George Weidenfeld wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen verhaftet - ein glück, sagt sein Sohn heute rückblickend, denn so wurde er "auf dem Gerichtsweg eingesperrt und nicht in ein KZ geschickt".
Kurt Waldheim: Der spätere Generalsekretär der Vereinten Nationen (1972-81) und österreichische Bundespräsident (1986-92) besuchte in den dreißiger Jahren gemeinsam mit George Weidenfeld die Konsularakademie, eine Schule für angehende Diplomaten. Der jüdischstämmige Weidenfeld durfte nach dem "Anschluss" Österreichs an das "Dritte Reich" 1938 die Akademie aber nicht mehr betreten. damit er dennoch an der Prüfung teilnehmen konnte, so Weidenfeld, habe ihm Waldheim die Lehrmaterialien abends nach Hause gebracht. Weidenfeld glaubt nicht, dass Waldheim, der in den achtziger Jahren wegen seiner Mitgliedschaft in NS-Organisationen in die internationale Kritik geriet, tatsächlich ein Nazi war.
Begeisterte Massen: Die unblutige Eroberung Österreichs durch Hitler wurde von den Wienern stürmisch gefeiert - als sich der Wagen Adolf Hitlers am 15. März 1938 nähert, mussten Wiener Polizisten die Massen mit Körpereinsatz zurückhalten. Für die in Wien lebenden Juden hingegen war der Einmarsch der Deutschen in Österreich ein schreckliches Ereignis, dem Verhaftungen und Schikanen folgten - dennoch erwarteten viele, dass Hitlers Herrschaft nicht lange dauern würde und blieben im Lande.
"This is the BBC": Das Londoner Hauptgebäude des britischen Rundfunksenders BBC im Jahr 1939. In der Auslandsabteilung des Senders bekam der junge George Weidenfeld nach seiner Flucht aus Wien seine erste Stelle, einen dreimonatigen Probevertrag.
Regierungschefs: Als diplomatischer Kommentator des BBC World Service stand George Weidenfeld während des Zweiten Weltkriegs in engem Kontakt mit den in London ansässigen Exilregierungen. Die Aufnahme zeigt den britischen Premier Winston Churchill (M.) zwischen Charles de Gaulle, dem Führer des freien Frankreich (2.v.r.) und dem General Wladyslaw Sikorsky (2.v.l.), dem Chef der polnischen Exilregierung, nach einer Panzervorführung im Februar 1941.
Kontrollraum der BBC: Das Innenleben der Londoner BBC-Zentrale, fotografiert im Juni 1943 startete auch Georg Weidenfeld seine Karriere. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Kontinentaleuropa von hier mit Informationen aus der freien Welt versorgt. George Weidenfeld arbeitete die letzten drei Kriegsjahre als diplomatischer Kommentator für die BBC. Außerdem schrieb er ein Buch ("Das Goebbels-Experiment") und arbeitete für die Psychological Warfare Executive (PWE) an Gegenpropaganda.
Zionistenführer Weizmann: Nachdem Chaim Weizmann 1949 der erste Präsident des neugegründeten Staates Israels geworden war, machte er George Weidenfeldzu seinem Stabschef. Die Freundschaft der beiden erlitt einen Dämpfer, als Weidenfeld nach einem Jahr nach London zu seinem Verlag zurückkehrte.
Jubelfeier: Junge Judenfeiern am 14. Mai 1948 überschwänglich die Unabhängigkeit des jüdischen Staates. George Weidenfeld ist der zionistischen Idee seit den dreißiger Jahren verbunden und bis heute ein erklärter und stimmgewaltiger Unterstützer Israels.
Ehepaar Weidenfeld: 1966 heiratetet George Weidenfeld in London Sandra Meyer. Insgesamt war Weidenfeld vier Mal verheiratet.
Bräutigam Weidenfeld: George Weidenfeld am Tag seiner Hochzeit mit Jane Sieff am 31. Januar 1952 in der New West End Synagogue in Bayswater, London.
Preisträger Weidenfeld: Nach dem krieg hatte der Emigrant George Weidenfeld 1946 die britische Staatsangehörigkeit angenommen, seit 1994 ist der Verleger auch wieder österreichischer Staatsbürger. Am 10. April 2002 verlieh ihm Österreichs Bundespräsident Thomas Klestil in Wien das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.