Verreisen in der DDR Zwangseinweisung ins Ferienheim
"Frei vom Alltag": Das Cover einer Werbebroschüre des staatlichen Deutschen Reisebüros aus dem Jahr 1958. Das Reisebüro, später in Reisebüro der DDR umgetauft, organisierte Busfahrten für Betriebe und viele der vergleichsweise teuren Pauschalreisen in die befreundeten Ostblockstaaten. In den fünfziger Jahren konnten nur ein paar Hundert Touristen jährlich ins Ausland reisen - 1977 verbrachten schon mehr als 420.000 ihren Urlaub am Schwarzen Meer, am Plattensee oder an der Wolga.
Freiheit durchs Zelten: Camping wurde in der DDR in den sechziger Jahren langsam zu einer Massenbewegung. Es war nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil es die beste Möglichkeit bot, privat und individuell zu reisen. Viele DDR-Bürger hatten keine Lust auf Reisen im Kollektiv oder auf ein sozialistisches Rahmenprogramm im Betriebsferienheim.
Urlaubsparadies Sächsische Schweiz: Auch in der DDR machten idyllische Kurorte für sich Werbung, um Feriengäste anzulocken. Darin unterschied sie sich nicht vom Westen.
Kinder des Sozialismus: Insbesondere um die Kleinen wollte sich die DDR besonders intensiv kümmern - auch um sie schon in jungen Jahren im Sinne des Sozialismus erziehen zu können. Die Palette reichte von Freizeitangeboten am Nachmittag bis zur Organisation von Ferienlagern.
Sicher Reisen mit dem Trabi: Damit der DDR-Urlauber seine Reise auch unbeschadet überstand, beschäftigte sich die Zeitschrift "Der Deutsche Straßenverkehr" aus dem Berliner VEB Verlag für Verkehrswesen in dieser Ausgabe von 1971 mit Tipps für die sichere Urlaubsreise im eigenen Auto.
"Urlaubsfreuden durch Sparen": Im Gegensatz zu Werbeanzeigen in West-Magazinen regten die in DDR-Zeitschriften nicht nur zum Geldausgeben, sondern auch zum Sparen an. Urlaub hatte in der Sozialpolitik der DDR einen hohen Stellenwert - das "Recht auf Urlaub" stand sogar in der Verfassung.
Erholung auf Staatskosten: Um den Genossen auch im Urlaub nicht allein zu lassen, gab der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) 1957 diesen Wegweiser durch 450 Kur- und Erholungsorte in der DDR heraus. Der Aufenthalt mit einem speziellen FDGB-Ferienscheck war zu zwei Dritteln vom Staat finanziert und daher spottbillig.
Begehrte Ferienschecks: Um seine begrenzten Ferienplätze gerecht zu verteilen, vergab der Feriendienst des Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) sogenannte Ferienschecks. Die Gutscheine für Unterkunft und Vollpension wurden von der Gewerkschaftsleitung und speziellen Ferienkommissionen nach Kriterien wie Arbeitsleistung, familiärer Situation, Anzahl der bereits erhaltenen Ferienschecks und gesellschaftlicher Aktivität ausgeteilt. Statistisch gesehen erhielt man nur etwa alle fünf Jahre einen Ferienscheck, der einen äußerst günstigen Urlaub garantierte.
Brigadeausflug mit der "Karl Marx": Freizeit, wie auch Urlaub, sollten in der DDR nicht einfach nur mit "Nichtstun" verbracht werden. Nach staatlichen Vorstellungen sollte eine "aktive Erholung" stattfinden. Der Urlaub mit den Kollegen sollte das Kollektiv stärken. Betriebsausflüge wie dieser wurden daher gern gesehen.
Feriendienst gesucht: Viele der Angebote konnten nur durch die tatkräftige Mithilfe von Freiwilligen realisiert werden. Gerade in den Anfangsjahren fehlte noch die Infrastruktur für den späteren Massentourismus.
Berlin oder Leipzig?: Auch der DDR-Bürger nahm - genau wie der Westdeutsche - auf Reisen gern den eigenen Wohnwagen mit. Dem widmete sich 1971 die Berliner Verkehrszeitschrift "Der Deutsche Straßenverkehr".
Erholung für die Kleinen: Jedes Kind sollte in der DDR die Gelegenheit haben, in die Ferien zu fahren. Für diejenigen, deren Eltern keine Zeit hatten, wurden Ferienlager wie dieses in der Stadt Thum im Erzgebirge organisiert (Foto um 1960).
Freizeit auf zwei Rädern: Ein beliebtes Fortbewegungsmittel in der Freizeit war auch in der DDR das Fahrrad. Die Zweiräder konnten von staatlichen Betrieben bezogen werden - und das ohne die langen Wartezeiten wie bei einem Trabi.
Urlaubssparkassse: Ganz kostenlos war auch der Urlaub in der DDR nicht. Daher wurde lieber rechtzeitig gespart. Dennoch konnte sich nicht jeder jede Reise leisten. Am teuersten waren die Fahrten mit Luxusdampfern wie der "Völkerfreundschaft". Die steuerte auch Fidel Castros Kuba an - drei Wochen unter Palmen kosteten stattliche 5400 Mark. Da die "Völkerfreundschaft" zunächst auch in westlichen Häfen anlegte nutzten einige den Urlaub zur Flucht. Später strichen die Luxusdampfer daher Helsinki oder Stockholm aus ihrem Programm und mieden sogar den Bosporus.
Massentourismus in der DDR: In den siebziger und achtziger Jahren war die DDR das Land innerhalb des Ostblocks mit dem größten Massentourismus. Besonders beliebt war die Ostseeküste: Von 1946 bis 1980 stieg die Zahl der Urlauber von etwa 24.000 auf 2,67 Millionen.
Urlaub zu Hause: Auch Laubenkolonien wurden in der DDR angelegt. Die Bürger konnten sich dort im Sommer erholen, ohne in den Urlaub zu fahren. Denn weil die Schulferien landesweit zeitgleich lagen, waren Urlaubsheime und Campingplätze im Sommer hoffnungslos ausgebucht.
Tangermünder Pfefferminz: Für den richtigen Reiseproviant für den Freizeitwanderer in der DDR sorgte - zumindest laut Werbung - die Schokoladenfabrik Feodora mit ihren Pfefferminzpastillen.
Bürokratie vor dem Urlaub: Auch Zeltplatzplätze gab es in der DDR nur auf Antrag. Dieser wurde bei der Zentralen Campingplatzvermittlung eingereicht - dann hieß es Daumendrücken, dass der gewünschte Platz zur angegebenen Zeit noch frei war. Im Sommer war es hoffnungslos, ohne eine Genehmigung auf die überfüllten Plätze zu fahren. In der Nebensaison drückten die Betreiber auch mal ein Auge zu.
Fit für den Skiurlaub: Die DDR regte ihre Bürger selbstverständlich nicht nur zum Sommer- sondern auch zum Winterurlaub an - mit passender Kleidung aus dem Berliner Konsum-Kaufhaus.