Sport-verrückt Schweine, Schnupfen, Schlamm
Schaf, Kindchen, Schaf: Tierquälerei und Kindesmissbrauch oder einfach nur ein großer Spaß? Gegner und Befürworter des Schafrodeos für Vorschulkinder reden sich seit Einführung des Spektakels in den achtziger Jahren durch die ehemalige Rodeo-Queen Nancy Stockdale Cervi die Köpfe heiß. Offizielle Statistiken gibt es nicht, aber es sollen Tausende Kinder sein, die sich jedes Jahr in den USA während der Rodeos auf den Rücken eines Schafs schwingen und versuchen, möglichst lange oben zu bleiben.
Vollkontakt - in Unterwäsche: Was sehen Männer sich gerne an? Sport und Frauen in Unterwäsche. Was liegt da näher als beides zu kombinieren und Frauen in Unterwäsche Football spielen zu lassen? Das fragten sich einige findige US-Fernsehchefs und ließen 2003 in der Halbzeitpause des Super Bowl als Alternative zur (familienfreundlichen) Halbzeitshow ein Spiel Lingerie Football als Pay-per-View-Sendung laufen. Die Einschaltquoten waren so gut, dass aus der Idee eine erfolgreiche Profiliga mit zwölf Teams entstand, deren Spiele regelmäßig riesige Sportstadien füllen.
Regelmäßig werden die niedrigen Gehälter und Versicherungssummen der Spielerinnen angeprangert und die Spiele der "Lingerie Football League" als "sexistische Softpornografie" kritisiert. Das, genauso wie die Klausel im Vertrag, dass "versehentliche Nacktheit während des Spiels" (wenn beispielsweise ein Oberteil von der Gegnerin heruntergerissen wird), als "sportliches Risiko" hingenommen werden muss, ist wohl eher ein Teil des Erfolgs.
Schweine gehabt: Auf dem Volksfest von Tillamook im US-Bundesstaat Oregon findet seit 1925 jedes Jahr das "Schwein und Ford"-Rennen statt. Der Name ist dabei Programm, denn die Rennfahrer schwingen sich nicht nur jeder hinter das Steuer eines Ford Modell T, sondern haben auch ein Schwein unter dem Arm. Der Ursprung des Wahnsinns geht wie so häufig auf eine Legende zurück. In diesem Fall sollen Anfang des 20. Jahrhunderts Bauern aus Tillamook erstmals die Sau durchs Dorf gefahren haben, um wenig später feste Regeln einzuführen.
Wo Schnupfen keine Erkältung ist: Möglichst schnell und vollständig fünf Gramm Schnupftabak durch die Nase ziehen? Was sich wie ein Verwandter des Komasaufens anhört, gilt in Wahrheit als ernsthafter Sport mit Vereinen, Regeln, Schiedsrichtern und einer Weltmeisterschaft - das Schnupfen.
Den bisherigen Weltrekord mit 4,995 Gramm erschnüffelte sich während der Meisterschaft 2004 ein Schwabe. Den konnte auch der amtierende Weltmeister, in dessen Nase bislang nur 4,993 Gramm passten, noch nicht brechen.
Puck die Badehose ein: Nachdem der Taucher Alan Blake 1945 im englischen Southsea einen Tauchclub gegründet hatte, machte er sich Sorgen, dass die Mitglieder sich im Winter im Schwimmbad langweilen könnten. Um das zu verhindern, erfand er Octopush, einen Mannschaftssport, bei dem jeweils acht Spieler, ausgerüstet mit einem kurzen Schläger, versuchten, einen Puck in das gegnerische Tor zu schieben - allerdings unter Wasser.
Trotz erheblicher Bedenken der Bademeister setzte Blake seine Idee durch. Heutiges Unterwasserhockey wird zwar nur noch mit sechs Spielern pro Mannschaft gespielt, erfreut sich aber unter Tauchern großer Beliebtheit.
Spaß mit Bällen: Dieses Spiel ist die US-amerikanische Variante des deutschen Völkerballs und wird - genau wie dieses - hauptsächlich in Schulen im Sportunterricht gespielt. Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Spielen ist, dass es beim Dodgeball kein Außenfeld gibt, in das die Spieler wechseln.
In den USA gibt es seit 2000 die "National Amateur Dodgeball Association" (NADA), die Spaßturniere ausrichtet, bei denen jeder der ein Team zusammenstellt, mitmachen kann. Wirklich populär wurde das Spiel aber erst 2004, nachdem der Film "Voll auf die Nüsse" (Originaltitel: "Dodgeball: A True Underdog Story") von und mit Ben Stiller in die Kinos kam.
Hot Dog im kühlen Nass: Seit 2005 steigen zum Ende des Sommers Hunde aus Kalifornien aufs Brett. Eingeteilt in Gewichtsklassen und gesichert durch Rettungswesten treten Schäferhund, Pudel, Dogge und Co. beim Surf City Surf Dog Contest in San Diego - laut Veranstalter der weltgrößte Surfwettbewerb für Tiere - gegeneinander an.
Der Vierbeiner, der sich am längsten auf dem Brett halten kann und dabei noch eine gute Figur macht, gewinnt die Trophäe. In diesem Jahr durfte sich der 14-jährige Buddy über den Sieg freuen. Der Jack-Russell-Terrier bekam Extrapunkte dafür, dass er ohne Herrchen geritten war - und mehr stand als lag.
Die Ritter des Pappkartons: Laut der offiziellen Website der Cardboard Tube Fighting League (CTFL) geht der Papprollen-Kampf zurück auf die kaum bekannte Pappkartonzeit, direkt vor der Eisenzeit, etwa im 14. Jahrhundert vor Christus. Der Kampf mit dieser Waffe tauchte von den römischen Gladiatoren über die Pappkarton-Ritter der Tafelrunde bis in das feudale Japan immer wieder auf in der Geschichte.
Tatsächlich reicht die Herkunft allerdings nicht ganz so weit zurück und ist sehr viel banaler. Eines Tages erinnerte sich Robert Easley in Seattle, im US-Bundesstaat Washington daran zurück, wie er als Kind mit seinen Freunden zum Spaß Fechtkämpfe mit Papprollen ausgetragen hatte. Mit dem Vorsatz, dass die Menschen sich selbst weniger ernstnehmen sollten, gründete er die CTFL und richtete am 22. Juli 2007 das erste Turnier aus. Seitdem finden regelmäßig Turniere und Wettkämpfe statt, bei denen der Gewinner stets derjenige ist, der es schafft, als letzter noch mit heiler Papprolle dazustehen.
Voller Körpereinsatz: Als die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia stattfinden sollten, machten sich einige Medien über die Bewohner des geplanten Austragungsorts lustig und kolportierten, die Spiele würden von einem Haufen Hinterwäldler organisiert.
Mac Davis, Chef eines lokalen Radiosenders in East Dublin, konnte das nicht auf sich sitzen lassen und erfand die "Redneck Games" (Hinterwäldler-Spiele), die seitdem jährlich in East Dublin ausgetragen werden. Nach dem traditionellen Entzünden der Bierdosenfackel finden dort so schöne Disziplinen wie Toilettensitz-Weitwurf, Achselfurzen, Schweinefußbeißen und der hier zu sehende Schlammloch-Bauchklatsch-Wettbewerb statt.
Tierisch abgehen: Drachen verprügeln Vögel, Insekten schubsen Monster durch den Ring - und mittendrin steht ein Ringrichter, der aussieht wie Super Mario. Gibt es nicht? Gibt es doch! Beim Kaiju Big Battel, dem Monster-Wrestling, stehen sich absurde Geschöpfe im Ring gegenüber und schlagen und treten sich nach Strich und Faden.
Das Ganze erinnert sehr an die Choreografien beim Wrestling, und das soll es auch: Kaiju Big Battel, erfunden von den Brüdern Rand und David Bordon, versteht sich ausdrücklich als Hommage an das Prof-Wrestling und japanische Monsterfilme.
Statt Pferd: Um die Halbzeitpause eines Footballspiels der Minnesota Vikings etwas aufzulockern, hatte Jonathan van Clute, Mitglied des Segway-Fanclubs "Bay Area SEG", die Idee, auf den eher unsportlich anmutenden Fahrzeugen Polo zu spielen. So kam es am 11. Juli 2004 zum ersten Spiel in Segwaypolo. Das machte ihm und seinen Mitstreitern so viel Spaß, dass sie daraus eine regelmäßige Veranstaltung machen wollten.
Nachdem sich genug Mannschaften zusammengefunden hatten und ein Regelwerk erstellt war, wurde 2006 schließlich das erste Mal der "WOZ Challenge Cup" ausgerichtet, benannt nach dem Segwaypolospieler und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak. Mittlerweile gibt es außer in den USA auch Mannschaften in Neuseeland, Deutschland, Barbados, Schweden, Österreich, der Schweiz und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Dreirad-Freifahrt: Sie tragen lustige Verkleidungen und nehmen sich auch sonst nicht sonderlich ernst. Warum auch? Schließlich sind sie Erwachsene, die auf Kinderdreirädern Straßen herunterbrettern. Big Wheel Race heißt die Sportart, bei der es wenigen um den ersten Platz geht und den meisten um Spaß.
Denn wo sonst wird man gefeiert, wenn man als Bruchpilot auf seinem rosa Dreirad aus der Kurve fliegt oder sich mit seinem gelben Buggy überschlägt? Vor allem in San Francisco, bekannt für seine steilen Straßen, ist das Big Wheel Race extrem beliebt.
Der Laibhaftige: Was für ein Käse! Immer im Mai wird im englischen Brockworth eine mindestens 200 Jahre alte Tradition zelebriert. Tausende Menschen stürmen beim sogenannten Käserennen einen Hügel hinunter, Männer und Frauen getrennt. Ihr Ziel: einen Laib Gloucester-Käse einfangen, den der Zeremonienmeister kurz zuvor den Berg hinabgerollt hat.
Das Ganze ist natürlich nahezu unmöglich, weil nicht nur der Käse sehr schnell rollt, sondern auch die Menschen schnell fallen. Sieger sind deshalb der Mann und die Frau, die als erstes unten sind. Ihr Preis: viel Ruhm und die Käserolle.
Völlig kaputt: Einfach mal ein Auto rammen? Und dann gleich noch mal? Und noch mal? Der Reiz der Demolition Derbys, die überall in den USA regelmäßig stattfinden, erschließt sich sofort. Der Kick von Zerstören und im Zweifel zerstört werden können - das sind weitere Zutaten dieses darwinistischen "Sports", bei dem am Ende der Letzte gewinnt, dessen Auto noch funktioniert. Gleichwohl ist der Kampf der Blechlawinen kein US-amerikanisches Phänomen geblieben. Auch in Westeuropa finden solche Veranstaltungen regelmäßig statt, bevorzugt auf dem Land.
Sarg mal: Es gibt sie natürlich in den USA, es gibt sie aber auch in den Niederlanden, wie dieses Bild beweist - Sargrennen. In diesem Fall ist der Wettbewerb Teil des alljährlichen Festivals "Frozen Dead Guy Days", das an den Norweger Bredo Morstoel erinnern soll, der sich nach seinem Tod 1989 einfrieren ließ. Ansonsten folgen Sargrennen überall auf der Welt der gleichen, nicht sonderlich ausgefallenen Dramaturgie: Männer versuchen, Särge möglichst schnell zu tragen.
Der Hammer! Jaja, die Schotten. Immer ein bisschen härter, immer ein bisschen anders als der Rest der Welt, oder zumindest anders als die anderen Briten. Das ist im Leben nicht anders als im Sport. Seit mehr als zwei Jahrhunderten lieben die Schotten ihre Highland Games, bei denen nicht nur Hammerwerfen, Dudelsackspielen, Tänze und Hügelwettläufe auf dem Programm stehen, sondern auch das - zumindest in Schottland weltberühmte - Tossing the Caber, das Baumstammwerfen.
Wie das Bild von den 64. jährlichen Highland Games in Aboyneaus aus dem September 1935 zeigt, ist die Sportlerkleidung ganz stilecht - ein Schottenrock.
Naked Punch: Nacktproteste, Nacktbaden oder nackte Flitzer bei Sportveranstaltungen - viel Aufmerksamkeit erreicht oft, wer nichts anhat. Diese Rechnung haben auch diese Herren auf dem Bild aufgemacht, als sie sich öffentlichkeitswirksam am Rande der Rugby-WM in Neuseeland mit den Spanish Conquistadores aus Barcelona maßen.
Die "Nude Blacks" sind ein Nackt-Rugby-Team, ihr Name lehnt sich an den Spitznamen des neuseeländischen Rugby-Teams an, die sich "All Blacks" nennen. Diese wurden übrigens Weltmeister, die "Nude Blacks" hingegen verloren gegen die bekleideten Spanierinnen 20:25.
Basketrugbypolo: Sie reiten, wie beim Polo. Sie tragen den Ball dabei in den Händen, während die Gegner versuchen, ihn ihnen zu entreißen, wie beim Rugby. Ihr Ziel ist es, den Ball in einem Korb zu versenken, wie beim Basketball. Der Sport, von dem wir hier sprechen, heißt aber nicht Basketrugbypolo - sondern Horseball.
Die Disziplin ist so alt, wie sie sich anhört, ihr Ursprung reicht bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. Und sie ist von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung anerkannt. Hier erzielt der Brasilianer Jose Ricardo Alfonso de Souza ein Tor für seine Mannschaft im Spiel gegen Italien während der Horseball-WM im April 2006 in Buenos Aires.
Wollen wir (H)ausziehen? Während Toilettenhäuschen in den meisten Fällen einfach nur herumstehen, kommt es in vielen US-amerikanischen Kleinstädten immer wieder vor, dass sie sich doch bewegen - sogar ziemlich schnell. Denn zu den verschiedensten Gelegenheiten erfreuen sich hier die sogenannten Outhouse Races einer wachsenden Beliebtheit.
Die Regeln dabei sind denkbar einfach. Jedes Team muss sein selbstgebasteltes Häuschen möglichst schnell über die Ziellinie befördern. Häufig gibt es dazu noch ein lustiges Motto und phantasievolle Kostüme.
Auf die Palme gebracht: Während in manchen Ländern der Unabhängigkeitstag mit Paraden und Feuerwerk gefeiert wird, haben die Indonesier sich etwas Besonderes ausgedacht, um diesen Tag zu begehen. An den Spitzen von Palmenstämmen werden Preise befestigt, die die Bürger sich erklettern können. Offensichtlich ist das Palmenklettern allerdings nur als Mannschaftssport möglich, Einzelkämpfer scheitern hier kläglich.
Schlammsport: Am Strand des südkoreanischen Boryeong wird für die Kosmetikindustrie Heilschlamm gewonnen. Um dieses heilende Nass bekannter zu machen, wurde 1998 zum ersten Mal das sogenannte Schlammfestival ins Leben gerufen.
Über zwei Millionen Menschen pilgern seitdem jährlich im Juli nach Boryeong, um hautnah die heilende Wirkung des Schlamms beim Schlammwrestling oder Schlammrutschen zu erleben. Und auch einen Titel gibt es zu gewinnen - selbstredend den des Schlammkönigs.
Harte Jungs (und Mädchen): Im Dunkeln durch eine Eiswasserhöhle tauchen, unter Stacheldraht durch den Schlamm robben, haushohe Wände erklimmen, durch brennende Strohballen laufen - was für die meisten Menschen nach einem Alptraum klingt, ist für die Teilnehmer des Tough Guy Race, das jedes Jahr im Januar nahe der englischen Stadt Wolverhampton stattfindet, die pure Freude. Tausende Männer...
...und mittlerweile auch einige Frauen messen sich auf einem 12 Kilometer langen Hindernisparcour, um festzustellen, wer der Härteste ist. Erfunden hat dieses Rennen, bei dem es regelmäßig nur etwa die Hälfte der Teilnehmer über die Ziellinie schafft, Billy Wilson, genannt "Mr. Mouse".
Das ehemalige Mitglied eines der Leibregimenter der britischen Königin Elisabeth II. beschäftigte sich zuvor damit, Trainingscamps für Elitesoldaten zu entwerfen. Während Verletzungen wie gebrochene Knochen, ausgekugelte Gelenke, Verbrennungen, Unterkühlung und Dehydrierung bei diesem Spektakel auf der Tagesordnung stehen, hat es erstaunlicherweise seit 1986 "nur" zwei Todesfälle gegeben.
Helden und Heilige: Wenn sich in Mexiko Tausende Menschen in einer riesigen Hallen versammeln und begeistert maskierten Muskelmännern in seltsam anmutenden Kostümen zujubeln, dann ist es eine Veranstaltung des dort überaus beliebten Volkssports Lucha Libre. Das beim amerikanischen Wrestling abgeguckte Massenspektakel kam in den dreißiger Jahren nach Mexiko und wird bis heute leidenschaftlich verehrt.
Allein in Mexiko-City gibt es 15 verschiedene Arenen, in denen die durchchoreografierten Showkämpfe regelmäßig stattfinden. Auch die Fernsehübertragungen sind die Quotenrenner. Die Kämpfer haben festgelegte Identitäten, die entweder gut oder böse sind und treten immer nur mit Masken auf. Auch wenn sie außerhalb Mexikos so gut wie unbekannt sind, werden sie hier wie Helden verehrt. Hier huldigen zwei Fans ihrem Idol, indem sie zu dem Kampf in Tijuana seine Maske tragen.