Kryptisch Der Schlüssel zu den Geheimnissen
Verschlüsselungsmaschine: Mit der Verschlüsselungsmaschine Enigma sicherten die Deutschen im Zweiten Weltkrieg wichtige Funksprüche. Den Briten gelang es jedoch, einen Großteil dieser Nachrichten zu dechiffrieren - dies erwies sich als kriegsentscheidender Vorteil.
Jürgen Reinhold: Im Zweiten Weltkrieg war Jürgen Reinhold (Jahrgang 1923) in einer Panzernachrichtenabteilung aktiv. In seiner neunmonatigen Ausbildung lernte er das Morsen und wurde in der Nutzung des Doppelkastenschlüssels sowie der Enigma ausgebildet. Beide Verfahren gehörten später zu seinem Soldatenalltag. Als Reinhold später von der erfolgreichen Dechiffrierarbeit der Briten hörte, war er überrascht: "Wir waren davon überzeugt, dass die Enigma nicht zu knacken war."
Jürgen Reinhold 2010: Heute ist Jürgen Reinhold 87 Jahre alt und lebt in Essen. Er zählt zu den letzten Zeitzeugen, die noch von ihrer Arbeit mit der Enigma im Zweiten Weltkrieg berichten können.
Doppelkastenschlüssel: Für den Einsatz an der Front war die Enigma zu schwer und zu sperrig. Daher nutzten die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg Verschlüsselungsverfahren, die mit Papier und Bleistift ausgeführt wurden. Das wichtigste davon war der Doppelkastenschlüssel. Jürgen Reinhold kann 65 Jahre nach Kriegsende immer noch vorführen, wie dieser funktionierte. In diesem Beispiel verschlüsselte er den Text "Der Doppelkastenschlüssel des deutschen Heere[s]". Das Ergebnis lautet: "dsadb bmeop atvwt qkgno hplkn hehnf snchz mlegu ieabc".
Hermann Kleditz: Bei der Wehrmacht wurde Hermann Kleditz (Foto etwa von 1942) als Fernsprecher und Funker ausgebildet. Dabei lernte er auch, die Enigma zu bedienen. Der Zweite Weltkrieg führte ihn als Funker nach Russland, wo es für ihn zum Alltag gehörte, Funksprüche mit der Enigma zu verschlüsseln. Wie seine Kameraden ging er davon aus, dass der Feind keine Chance hatte, Enigma-Nachrichten zu dechiffrieren. Heute weiß man, dass das ein Irrtum war.
Hermann Kleditz im Jahr 2010: Heute ist Hermann Kleditz 89 Jahre alt und lebt in Essen. Als der Duisburger Informatiker Arno Wacker 2009 über einen Zeitungsartikel nach Enigma-Zeitzeugen suchte, meldete er sich. 65 Jahre nach Kriegsende gibt es nur noch wenige Veteranen, die über ihre Arbeit mit der Enigma berichten können. Obwohl die Enigma im Zweiten Weltkrieg zehntausendfach im Einsatz war, gibt es nur verhältnismäßig wenige Zeitzeugenberichte. Dies liegt daran, dass das Interesse an diesem Gerät erst seit etwa 15 Jahren ein größeres Ausmaß angenommen hat.
Kleditz's Weg 1941: Diese liebevoll gestaltete Karte zeigt den Weg, den Hermann Kleditz mit seiner Einheit im Jahr 1941 nahm. Von Radom in Polen ging es bis vor die Tore Moskaus.
Abhörtechnik im Auto: Ab 1942 arbeitete Hermann Kleditz als Funker für eine Aufklärungseinheit, die den verschlüsselten Morsefunk der Sowjets abhörte und auswertete. In dem hier abgebildeten Auto war die zum Abhören notwendige Technik untergebracht. Den besten Horchmöglichkeiten folgend zog die Einheit durch ganz Russland bis nach Stalingrad.
CrypTool: Die Software CrypTool ist ein Lernprogramm, mit dem sich etwa 70 Verschlüsselungsverfahren ausführen lassen. Dazu gehören auch die Enigma - hier im Bild - und eine vereinfachte Version des Doppelkastenschlüssels, die sogenannte Playfair-Verschlüsselung.
Enigma mit aufgeklappter Abdeckung: Einige hundert Enigmas haben das Kriegsende überstanden und sind heute begehrte Sammlerstücke. Wer ein gut erhaltenes Exemplar erwerben will, muss etwa 20.000 Euro dafür investieren.