Villa Epecuén Die Geisterstadt aus dem See
Neue Rolle: Aus dem einstigen Badeparadies ist inzwischen ein Dorado für Fotografen geworden. Seit etwa vier Jahren sind die Ruinen von Villa Epecuén wieder zu Fuß zu erkunden, nachdem sie mehr als zwei Jahrzehnte vom Wasser bedeckt gewesen waren.
Wieder aufgetaucht: 1985 war der argentinische Ferienort Villa Epecuén in den Fluten des über die Ufer tretenden Salzsees Epecuén versunken. Jahrelang waren nur die Spitzen der Ruinen zu sehen - das einstige Badeparadies war ein kleines Atlantis.
Doch der Klimawandel in der Region ließ das Wasser in den letzten Jahren nach und nach verschwinden, so dass der jahrzehntelang verschwundene Ort langsam wieder auftauchte - hier ein Luftbild von Mai 2011.
Vor der Katastrophe: Luftansicht des Badeortes Villa Epecuén. Gut erkennbar ist der geplante, quadratische Aufbau und der 1980 erbaute Damm, der den Ort vor Überschwemmungen bewahren sollte.
Folgen des Klimawandels: Weiß stehen die Ruinen des einstigen Ferienorts Villa Epecuén heute wieder auf dem Trockenen. Seit Jahren zieht sich das Wasser des 1985 über die Ufer getretenen Salzsees deutlich zurück - die Region ist bekannt für den drastischen Wechsel zwischen feuchten und sehr trockenen Perioden. In den vergangenen Jahren war der Niederschlag deutlich zurückgegangen.
Standhaft: Eines der wenigen Gebäude in Villa Epecuén, das die lange Überschwemmung einigermaßen gut überstanden hat, ist der ehemalige Schlachthof, einst von einem italienischem Architekten im Art Déco-Stil entworfen
Geisterallee: Vor der Überflutung 1985 befand sich hier eine Straße, davon zeugen der windschiefe Strommast und die akkurat gepflanzten Reihen der schon lange vom Salzwasser abgestorbenen Bäume
Ende einer Erfolgsgeschichte: Villa Epecuén zählte nur etwa 1500 permanente Einwohner, dazu kamen aber in der Hochsaison von Ende November bis März etliche zusätzliche Arbeitskräfte, um den Ansturm der bis zu 25.000 Touristen meistern zu können. Seit Anfang der zwanziger Jahre florierte der Tourismus in dem kleinen Kurort, bis die Überschwemmung von 1985 das einträgliche Geschäft abrupt beendete.
Wasserwege: Noch immer stehen ehemalige Straßenzüge von Villa Epecuén unter Wasser und verleihen der Geisterstadt in der Abendstimmung ein fast schon romantisches Ambiente
Geisterstadt-Romantik: Früher lockten mondäne Thermen die Touristen nach Epecuén - heute ist es der morbide Charme des untergegangenen und wieder aufgetauchten argentinischen Atlantis. "Alle wollen Epecuén sehen", weiß Norma Berg, die als Touristenführerin im nahegelegenen Badeort Carhué arbeitet und fast täglich in den verlassenen Ort geht, der einst auch ihre Heimat war.
Letzte Ruhestätte: Zwischen den Trümmern der zusammengestürzten Gebäude erinnert noch ein vom Rost zerfressenes Bettgestell an jene goldenen Zeiten, in denen Villa Epecuén jährlich von Zehntausenden Urlaubern besucht wurde
Ausgebleicht: Der hohe Salzgehalt in der Laguna Epecuén lockte seit den zwanziger Jahren Kur-Urlauber an und machte das gleichnamige Dorf zum größten Thermal-Badeort Argentiniens. Zu den besten Zeiten gab es hier bis zu 250 Hotels und Pensionen. Von dem einstigen Glanz ist nach der Überschwemmung von 1985 wenig geblieben - das Salzwasser hat Bäume ausgebleicht und Häuserruinen porös gemacht.
Treppe ins Nichts: Eines von rund 440 Wohnhäusern, die bei der Katastrophe von 1985 zerstört wurden
Zerstörerische Kraft: Epecuén gehört zu den weniger bekannten verlassenen Orten, deren besondere Ausstrahlung weltweit Fotografen fasziniert.
2010 machte das Ruinendorf dennoch Schlagzeilen, als zwei Argentinier mit Aufnahmen von Epecuén den renommierten Sony World Photography Award gewannen. Das Thema des Wettbewerbs lautete "Kraft" - und Victoria Ines Dobaño und Rodrigo Terren Toro überzeugten die Jury mit Bildern aus Epecuén von der zerstörerischen Kraft des Wassers.
Touristenmagnet: Im Laufe der Zeit entwickelte sich Villa Epecuén zum größten und am meisten besuchten Thermalbadezentrum Argentiniens. Hier flanieren in den siebziger Jahren Touristen über die Promenade. Zu der Zeit hatte der Ort schon einen eigenen Zugbahnhof. Die Hauptreisezeit waren die Monate Dezember bis März.
Nah am Wasser: Der Standortvorteil von Villa de Epecuén gegenüber dem Konkurrenten Carhué acht Kilometer weiter südlich war seine Nähe zum Wasser. Doch der einstige Vorteil, Garant für den rasanten Erfolg, sollte sich 1985 ins Gegenteil verkehren, als Epecuén in den Fluten versank.
Katastrophe mit Ansage: Wegen anhaltender Trockenperioden in der Region baute die Provinzregierung von Buenos Aires 1975 den 25 Kilometer langen Ameghino-Kanal. Der sollte fortan aus anderen Seen und Flüssen eine Kette von sechs Seen versorgen. In diesem System der miteinander verbundenen Seen ist der Epecuén-See das letzte Glied.
Wie geplant stieg daraufhin der Pegel in all diesen Seen. Doch als sich das Klima in der Region wieder änderte und die Niederschläge zunahmen, stiegen die Wassermengen immer unkontrollierter.
Man hätte, so glauben es viele ehemaligen Bewohner von Villa Epecuén, die Überschwemmung noch rechtzeitig abwenden können, wenn die Regierung den Ameghino-Kanal gesperrt hätte. Das sei aber aus politischen Gründen nicht passiert. So passierte das Unvermeidliche, als am 10. November 1985 der Damm den Wassermassen nicht mehr standhalten konnte und Epecuén überflutet wurde.
Land unter: Aufnahme unmittelbar nach dem Dammbruch am 10. November 1985, der Villa Epecuén für Jahrzehnte unter Wasser setzen sollte. 1500 Einwohner verloren ihre Arbeit und ihre Häuser. Weil sich der Bruch auf Grund des stetig steigenden Wasserpegels angekündigt hatte, gab es bei der Überflutung keine Todesopfer. Allerdings starben einige Ältere in den Tagen nach der Evakuierung an Herzinfarkten.
Gottverlassen: Aufnahme vom Rest des Kirchturms im überfluteten Villa Epecuén. Der Turm hielt sich noch Jahre nach der Katastrophe und wurde ein bekanntes Fotomotiv, bis er schließlich doch zusammenbrach.
Hochwasser: Das Azul Hotel in Villa Epecuen steht, nachdem der Salzsee im November 1985 über seine Ufer getreten ist, unter Wasser
Untergang des Märchenschlosses: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde am Ufer des Lago Epecuén ein für Argentinien ungewöhnliches, romantisches Schloss gebaut, wie man es eigentlich eher aus Europa kennt. Noch Jahre nach der Überflutung stand es, doch ein Turm nach dem anderen brach schließlich zusammen. Auch diese Aufnahme ist historisch - inzwischen ist der Turm ebenfalls zusammengestürzt.
Langsamer Untergang: Villa Epecuén wurde nicht von einer einzigen dramatischen Flutwelle überrollt, sondern versank langsam. Nach dem Dammbruch stieg der Pegel in dem überfluteten Ort noch wochenlang an. Bis zu zehn Meter standen die Gebäude unter Wasser; im Laufe der Jahre änderte sich der Pegel mehrmals und ging schließlich langsam zurück.
Ende einer Epoche: Nur noch die Werbung erinnerte an die goldene Zeit des Tourismus in Villa Epecuén. Auch in dem Nachbarort Carhué konnte der Tourismus erst ab den neunziger Jahren wieder Fuß fassen: Das Wasser hatte anfangs auch Carhué bedroht; zudem war durch die Überschwemmung der Salzgehalt im See dramatisch gesunken. Weshalb sollten Urlauber also ausgerechnet noch hierher kommen?
Heilende Kräfte: Argentinische Touristen posieren auf dieser Aufnahme von etwa 1919 am Ufer des Lago Epecuén. Wegen seiner sehr hohen Salzkonzentration zog er Kururlauber aus ganz Argentinien an, die sich von dem mineralhaltigen Wasser Linderung bei Rheuma, Arthritis oder Schuppenflechte versprachen.
Die Anfänge: Nachdem der kleine Ort Carhué im Jahr 1899 an das Eisenbahnnetz angebunden worden war, kamen die ersten Touristen zum nahegelegenen Salzsee Epécuen. Schon bald wurden am Seeufer einfache Umkleidebaracken und Holzstege errichtet.
Beginn einer Ära: Am 23. Januar 1921 wird feierlich das Thermalbad "Mar de Epecuén" eingeweiht. Der Anstoß kam von dem argentinischen Investor Arturo Vatteone, der dazu zuvor in Buenos Aires eine Kapitalgesellschaft gegründet hatte. Um das "Mar de Epecuén", etwa acht Kilometer vom Bahnhof in Carhué entfernt, entstanden bald etliche andere Thermen und Hotels. 1922 wurde daraus offiziell eine neue Ortschaft - Villa Epecuén.
Riesig und flach: Der See Epecuén hat im Laufe der vergangenen Jahrzehnte wegen des ständigen Klimawandels in der Region häufig seine Ausdehnung und Salzkonzentration geändert. Eine Studie von 1959, während einer besonders trockenen Epoche, maß eine Oberfläche von 10.000 Hektar bei einer durchschnittlichen Tiefe von nur einem Meter. Die Aufnahme stammt von 1919, einer deutlich niederschlagsreicheren Zeit.
Märchenhafter Urlaub: Schon in den zwanziger Jahren entstanden am Ufer des Salzsees einige mondäne und luxuriöse Thermen mit breiten Holzstegen und verspielten Torbögen
Ruheoase: Eines der bekanntesten Kurbäder war das "Balneario Minas de Epecuén" (Foto), ein hufeneisenförmiger Erholungsort für geplagte Minenarbeiter und ihre Familien. Besonders berühmt war es für sein modernes Hydrothermalbad, in dem auch medizinische Behandlungen angeboten wurden. Zu dem Komplex gehörten auch Tennisplätze und ein Süßwasserschwimmbad. Den Strom lieferte ein eigenes Elektrizitätswerk.
Urlaub! Stolz posiert eine Familie vor dem berühmten "Balneario Minas de Epecuén". Tief, das zeigt auch diese Aufnahme, war das Wasser dort nicht, und die Verdunstung erhöhte die Salzkonzentration derart, dass in den trockenen dreißiger Jahren mitunter mehr als 300 Gramm Salz pro Liter gemessen wurden. Selbst am Toten Meer ist die Konzentration nicht viel höher.
Auf dem Trockenen: Mitunter verschwand das Wasser völlig im Badebereich. Es blieb, auf die heilende Wirkung des Schlamms zu vertrauen, wie es offenbar diese junge Urlauberin tat.
Heilende Kraft: Es könnte eine Aufnahme vom Toten Meer sein - doch das Bild zeigt zwei Touristen, die die Wirkung des Heilschlamms des Lago Epecuén genießen
Untergang: Aufnahme von Epecuén unmittelbar nach dem Dammbruch im November 1985. Rund 1500 Bewohner mussten evakuiert werden. Einigen Flutopfer finanzierte die Regierung später den Bau eines neuen Hauses.
Ausgebremst: Mit der Flut von 1985 kam in Villa Epecuén das abrupte Ende des Tourismus. Der fasste ab den neunziger Jahren im acht Kilometer weiter südlich gelegenen Carhué wieder Fuß.