VfB-Abstieg 1975 Singen mit Sing
Historischer Abstieg: 1975 musste Stuttgart das erste und bisher einzige Mal in seiner Vereinsgeschichte den Gang in die Zweite Bundesliga antreten. Der VfB startete mit hohen Ambitionen, musste aber nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen Bochum sechs Niederlagen in Folge hinnehmen. Damit war Stuttgart von Anfang bis Ende im Abstiegskampf.
Roland Sandberg köpft für den 1. FC Kaiserslautern das 2:0 gegen den VfB. Torwart Helmut Roleder ist machtlos. Die Partie am 15. Spieltag endete 0:6, weil der VfB ab der 81. Minute noch vier Tore kassierte. Stuttgart stand zu diesem Zeitpunkt bereits auf Platz 16. Nach der Partie wurde Trainer Hermann Eppenhoff entlassen.
Fritz Millinger saß beim 2:1-Sieg gegen Duisburg als Interimstrainer auf der Bank. Danach übernahm Albert Sing und verlor zum Einstand mit 3:1 gegen Rot-Weiß Essen. Sing, der die Spieler gern Volkslieder singen ließ, hatte den VfB schon in der Saison 1966/1967 vor dem Abstieg gerettet und sollte das nun wiederholen. Er übernahm die Mannschaft auf Platz 16, konnte den Gang in die zweite Liga aber auch nicht abwenden.
Hans Joachim Weller im Zweikampf mit Kölns Jürgen Glowacz: Gegen den FC feierte Stuttgart ein seltenes Erfolgserlebnis. Das 2:0 war einer von insgesamt nur acht Siegen in 34 Spielen. Hans Ettmayer traf gegen Köln am 24. Spieltag doppelt, vergab anschließend noch einen Elfmeter. Kurios: Noch beim Stand von 0:0 hatte auch Markus Elmer einen Elfmeter verschossen.
Ein wegweisendes Spiel: Im direkten Abstiegsduell gegen Werder Bremen am 28. Spieltag kam Stuttgart nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus. Hermann Ohlicher, hier im Zweikampf mit Poul-Erik Thygesen, und Manfred Weidmann brachten den VfB zweimal in Führung. Werner Weist glich jedoch zweimal aus und hielt die punktgleichen Stuttgarter damit auf Platz 16. Die Sing-Elf gewann keins der folgenden fünf Spiele. Damit stand der erste Abstieg der Vereinsgeschichte schon nach dem 33. Spieltag fest.
2014/2015 steckt der VfB wieder im Abstiegskampf. Lange Zeit war Stuttgart Tabellenletzter. Vor dem 34. Spieltag befindet sich Stuttgart wieder auf Platz 16. Das würde diesmal jedoch zumindest die Relegation bedeuten. Zum Saisonfinale treffen die Schwaben auf Schlusslicht Paderborn.
Genau wie 1974/1975 gab es auch in dieser Saison in der Hinrunde einen Trainerwechsel. Armin Veh wurde jedoch anders als damals Hermann Eppenhoff nicht entlassen - er ging freiwillig. Nach der 0:1-Heimniederlage gegen den FC Augsburg am 12. Spieltag gab er seinen Trainerposten nach nur 146 Tagen auf.
Ebenso wie in der Abstiegssaison kam auch in diesem Jahr ein altbekannter Retter. Huub Stevens nahm seine alte Funktion wieder auf. Im Vorjahr hatte er den VfB als Nachfolger von Thomas Schneider vor dem Abstieg bewahrt. Bis zur Winterpause holte der Niederländer noch acht Punkte aus fünf Spielen und führte Stuttgart von Platz 18 auf Rang 15. In der kompletten Rückrunde stand der VfB jedoch maximal auf dem Relegationsplatz.
Der Erfolgsgarant: Martin Harnik ist einer der Stuttgarter Schlüsselspieler. In der Schlussphase der Saison war er gerade in den direkten Abstiegsduellen extrem wichtig. Beim 2:2 gegen Freiburg bereitete er ein Tor vor und schoss den zweiten Treffer selbst. Gegen den HSV traf er zum 2:1-Siegtreffer und schoss sein Team damit erstmals seit der Hinrunde wieder auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Insgesamt ist der 27-jährige Österreicher mit neun Toren der Top-Torschütze der Stuttgarter.
Der stark ansteigende Trend und der gute Zustand des Teams sind zum Saisonfinale der große Unterschied zum Abstieg von 1975. Die Stuttgarter Mannschaft hat zusammen mit Trainer Huub Stevens gezeigt, dass sie lebt. Nun hat es der VfB im letzten Spiel gegen Paderborn in der eigenen Hand, den zweiten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern.