VfL Bochum Tief im Westen
Mister VfL: Zwischen 1972 und 1988 trug Michael "Ata" Lameck das Trikot des VfL Bochum. Mit 518 Bundesliga-Einsätzen (37 Tore) belegt der Mittelfeldspieler Platz neun in der Liste der Liga-Rekordspieler. Alle Partien bestritt er für die Bochumer. Lameck hält damit auch eine kuriose Bestmarke - er ist der einzige deutsche Profi, der mit derart vielen Bundesliga-Einsätzen nie für die deutsche A-Nationalmannschaft auflaufen durfte.
Zu seinem 60. Geburtstag erhielt er im September 2009 die Ehrenmitgliedschaft des Vereins. Lameck gehörte zu den legendären "Unabsteigbaren" des VfL Bochum, die sich mit Spielern wie Hans Walitza, Jupp Tenhagen oder Lothar Woelk von 1971 bis 1993 ununterbrochen hartnäckig in der Bundesliga hielten.
Dieser Mann (r.) war von 1972 bis 1984 erst Mitspieler, dann zwischen 1986 und 1988 Trainer von Lameck: Mittlerweile ist Hermann Gerland schon seit Jahren beim FC Bayern tätig. Er führte junge Talente wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Thomas Müller oder Holger Badstuber an die Profis der Münchner heran. Als VfL-Profi erlebte Gerland ein kuriose Partie gegen die Bayern: Bochum führte am 18. September 1976 bereits 4:0 gegen die Münchner. Nach 90 Minuten hieß es aber 5:6.
Bis heute können die VfL-Fußballer keinen Titel vorweisen. Immerhin zweimal gelang ihnen aber zumindest der Sprung ins DFB-Pokalfinale. 1968 unterlag der Club aus dem Ruhrgebiet dem 1. FC Köln 1:4. 20 Jahre später erzielte Lajos Detari (Bild) im Berliner Olympiastadion den 1:0-Siegtreffer für Eintracht Frankfurt.
Im Sommer 1993 war es soweit: Die "Unabsteigbaren" mussten runter in die zweite Liga. Trotz einer Aufholjagd in der Rückrunde (18:16 Punkte) fehlte der Mannschaft von Trainer Jürgen Gelsdorf (Bild) am Saisonende ein Punkt auf Dynamo Dresden - und zum Klassenerhalt. Besonders bitter: Lokalrivale SG Wattenscheid 09 übernahm nun ein Jahr lang die fußballerische Vorherrschaft in der Stadt.
Entscheidenden Anteil am sofortigen souveränen Wiederaufstieg hatte Uwe Wegmann (l.). Der Offensivspieler erzielte 22 Treffer für die Bochumer, die ab dem zweiten Spieltag der Saison 1993/1994 auf Platz eins der Zweitligatabelle standen.
Mitte der neunziger Jahre wurden die Bochumer endgültig zur Fahrstuhlmannschaft. Trainer Klaus Toppmöller (l.) konnte den zweiten Abstieg nicht verhindern, schaffte anschließend erneut den sofortigen Wiederaufstieg und führte den VfL in der Bundesliga-Saison auf Platz fünf - und damit erstmals in der Vereinsgeschichte in den Uefa Cup.
Dort erreichten die Bochumer unter anderem durch einen 5:3-Heimsieg gegen Trabzonspor und einen 4:1-Heimerfolg gegen den FC Brügge das Achtelfinale - das Highlight der Vereinsgeschichte. Im Hinspiel führte der VfL bei Ajax Amsterdam, das 1995 noch die Champions League gewonnen hatte, sensationell 2:0. Doch dann erzielten die Niederländer innerhalb von elf Minuten vier Treffer und gewannen 4:2. Ein Tor steuerte Shota Arveladze (l.) bei, hier im Laufduell mit VfL-Verteidiger Torsten Kracht. Im Rückspiel standen die Bochumer beim zwischenzeitlichen Stand von 2:1 dicht vor der großen Überraschung, am Ende hieß es aber 2:2 und der VfL war draußen.
Zu den bekanntesten Spielern, die je das VfL-Trikot trugen, gehört sicherlich Stefan Kuntz (l.). Der Nationalstürmer begann seine Bundesliga-Karriere in Bochum (1983 bis 1986) und beendete sie auch dort (1998/1999). In der Saison 1985/1986 holte Kuntz mit 22 Treffern als erster Bochumer die Torjägerkanone.
Von April 2006 bis April 2008 war Kuntz (r.) Manager und Mitglied des VfL-Vorstands. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Feier, hier mit Abwehrspieler Heiko Butscher, des fünften und bislang letzten sofortigen Wiederaufstiegs.
Die sportliche Heimat der Bochumer liegt bereits seit rund 100 Jahren an der Castroper Straße, nördlich der Innenstadt. Auch das Ruhrstadion hat dort seinen Platz, es wurde im Juli 1979 offiziell eingeweiht. Heute halten die Bochumer Stadtwerke die Namensrechte an der Arena.
Zu den prominenten Fans des VfL zählt der in Bochum aufgewachsene Musiker Herbert Grönemeyer. Sein Lied "Bochum" wird vor dem Anpfiff jedes Heimspiels im Stadion gesungen. Am 14. Oktober 2006 wurde Grönemeyer VfL-Mitglied. Er verlas die Mannschaftsaufstellung für die Partie gegen Werder Bremen und stimmte vor den Fans in der Ostkurve seine Bochum-Hymne an. Das Spiel endete übrigens 0:6.
Zwei Nationalspieler im VfL-Dress: Dariusz Wosz und Paul Freier erkämpften sich durch starke Leistungen in Bochum Einsätze in der DFB-Auswahl. In dieser Szene feiern die beiden nicht nur einen Treffer Freiers am 5. Mai 2002 auf dem Aachener Tivoli, sondern auch das glückliche Ende eines spannenden Aufstiegskrimis. Vor dem letzten Spieltag lag der VfL auf Patz vier, doch weil die Bochumer in Aachen siegten und Union Berlin gegen Mainz gewann, reichte es für den VfL zu Platz drei und zur Rückkehr in Liga eins - obwohl der Klub seit dem dritten Spieltag nicht mehr auf einem Aufstiegsplatz gestanden hatte.
Der Aufstiegstrainer hieß Peter Neururer. Er stellte eine starke Mannschaft zusammen - und gab für die Transfers nicht einen Cent Ablöse aus. Aus den ersten vier Spielen der Saison 2002/2003 holte das Team vier Siege. Das bedeutete Platz eins in der Bundesliga-Tabelle - ein Novum für den Klub.
Am Ende reichte es für den VfL zu Platz neun, für Thomas Christiansen jedoch zu Platz eins - in der Torjägerliste. Der Stürmer erzielte 21 Treffer, genauso viele wie Giovane Elber vom FC Bayern München.
Die folgende Saison sollte zur erfolgreichsten der Vereinsgeschichte werden: 56 Punkte, so viele wie nie zuvor. 15 Siege, so viele wie nie zuvor. Eine Heimniederlage, weniger als je zuvor. Ein Garant für den Erfolg war Torhüter und Publikumsliebling Rein van Duijnhoven. Der Niederländer blieb in Heimspielen 911 Minuten in Folge ohne Gegentor - das ist immer noch Bundesliga-Rekord. Platz fünf, vor Dortmund und Schalke, bedeutete die zweite Uefa-Pokal-Teilnahme für den VfL.
Sie sollte den Bochumern aber kein Glück bringen. Verteidiger Edu wurde zur tragischen Figur im Erstrunden-Rückspiel gegen Standard Lüttich. Nur wenige Sekunden fehlten dem VfL zum Weiterkommen, doch Edu schlug im eigenen Strafraum über den Ball, der Ausgleich fiel, Bochum war ausgeschieden. Trainer Neururer sprach vom "dümmsten Gegentor der Geschichte" - und stellte den Brasilianer daraufhin nur noch als Stürmer auf.
Am Ende der Saison stand trotzdem wieder mal ein Abstieg. Die VfL-Anhänger nahmen es mittlerweile schon mit Galgenhumor: "Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendurch Uefa-Cup" lautete ein beliebter Fan-Gesang an der Castroper Straße. Die Rückkehr in die Bundesliga ließ dann auch nur zwölf Monate auf sich warten.
Und im folgenden Sommer gab es mehr zu feiern als nur den Klassenerhalt: Theofanis Gekas (r.) sicherte sich mit 20 Treffern als dritter VfL-Stürmer die Torjägerkanone in der Bundesliga.
In der Saison 2009/2010 hatte der Klub mit Marcel Koller, Frank Heinemann und Heiko Herrlich bereits drei Trainer verschlissen, als Dariusz Wosz in der Schlussphase der Spielzeit das Kommando übernahm. Doch auch der Ex-Profi schaffte es nicht, den VfL vor dem sechsten Absturz in die zweite Liga zu bewahren.
Fortan sollte Friedhelm Funkel in Bochum die Richtung vorgeben - und den Verein zurück ins Oberhaus führen. Ein Plan, der nur knapp nicht aufging. Der VfL scheiterte in der Relegation an Borussia Mönchengladbach und musste somit eine weitere Saison in Liga zwei spielen. Dort lief es dann überhaupt nicht, Funkel musste gehen und Bochum landete lediglich im Mittelfeld.
Als der VfL in der Saison 2012/2013 in akute Abstiegsnot geriet, holte der Klub Peter Neururer zurück. Der hatte zuvor vier Jahre lang keinen anderen Trainerjob bekommen. Unter dem neuen alten Coach gab es zunächst vier Siege in Folge und später den letztlich souveränen Klassenerhalt zu feiern. Neururers Vertrag wurde daraufhin bis 2015 verlängert.