Wolfsburgs Stars in der Einzelkritik Einfach überrannt
Diego Benaglio, Tor: Seine Vorderleute schienen lange Zeit alles im Griff zu haben. Zwei mehr oder weniger gefährliche Torschüsse in der ersten Halbzeit (19. und 31. Minute) stellten kein Problem dar für den Schweizer Nationaltorhüter. Doch dann brach die Torflut über ihn herein, an den Treffern der Bayern nach der Pause war Benaglio weitgehend unschuldig, das 3:1 hätte er beinahe noch verhindert. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, konnte er mit einigen Paraden ein komplettes Debakel verhindern.
Christian Träsch, Abwehr (Archivbild): Wirkte schon vor der Pause manchmal nicht auf der Höhe des Geschehens und ließ sich bisweilen von Götze überlaufen. Versuchte immer wieder, sich in das Angriffsspiel einzuschalten - und spielte letztlich viel zu offensiv. Als Lewandowski seine ersten Tore erzielte, hatte sich Träsch kurz zuvor immer im gegnerischen Strafraum aufgehalten und somit Gegenstöße begünstigt. Zeigte in der zweiten Halbzeit ein großes Laufpensum und viel Einsatz.
Dante, Abwehr: Wurde bei seiner Rückkehr nach München vor dem Spiel von mehreren Bayern-Spielern herzlich umarmt, bekam dann auch noch einen Blumenstrauß und viel Beifall. Den hatte er sich auch für seine erste Halbzeit verdient: Stand gegen Stürmer Müller immer richtig, weil er dessen Laufwege in- und auswendig kennt. Gleich nach der Pause machte er den Bayern aber ein Geschenk und legte Lewandowski mit einer Grätsche unglücklich das 1:1 auf (51.). Die Laufwege Lewandowskis scheint man nicht auswendig lernen zu können.
Naldo, Abwehr (r.): Ließ in der 16. Minute einmal Müller enteilen, ansonsten lange Zeit Herr der Lage. Kam allerdings überhaupt nicht damit zurecht, dass Bayern nach der Pause plötzlich schneller durch die Mitte spielte, und verlor Lewandowski komplett aus den Augen. So zum Beispiel beim 5:1, als er beim Seitfallzieher ehrfürchtig zusah. Der Brasilianer glaubte, alles im Griff zu haben, in Wahrheit war er nur eingeschläfert worden.
Ricardo Rodríguez, Abwehr: Der Linksverteidiger stand Bayerns Douglas Costa oft auf den Füßen, sodass dieser nicht zu seinen berüchtigten Sprints ansetzen konnte. War an den meisten Gegentreffern nicht beteiligt, verhinderte auf der Linie ein weiteres Lewandowski-Tor. Seine Leistung fiel nach der Pause noch vergleichsweise wenig ab.
Luiz Gustavo, Mittelfeld (bis 58. Minute): Der ehemalige Bayern-Spieler strahlte zunächst viel Ruhe aus, verteilte unaufgeregt die Bälle nach vorne und stellte den lange ratlosen Bayern erfolgreich die Lauf- und Passwege in der Mitte zu. Als Bayern dann seine Tore schoss, wirkte seine Art zu spielen aber nur noch lethargisch. Wurde dann zum Bauernopfer, als Hecking auf der verzweifelten Suche nach mehr Stabilität vor der Abwehr den Brasilianer auswechselte.
Maximilian Arnold, Mittelfeld (ab 58. Minute, Archivbild): Kam zu einer denkbar ungünstigen Phase ins Spiel, fiel zunächst durch ein paar Nicklichkeiten auf, dann gar nicht mehr.
Joshua Guilavogui, Mittelfeld: Einer der besten Wolfsburger und zugleich Pechvogel des Abends: Der Franzose hatte in der 39. Minute die Riesenchance zum 2:0, als er von der Mittellinie aufs leere Tor schoss und nur den Außenpfosten traf. Defensiv stand er den Bayern oft im Weg, köpfte immer wieder hohe Bälle aus der Gefahrenzone und leitete Gegenangriffe ein. Seine Körpersprache ließ nach dem Rückstand allerdings zu wünschen übrig.
Daniel Caligiuri, Mittelfeld: Machte auf der rechten Seite nach vorne viel Betrieb und suchte bei Ballbesitz ständig den freien Raum. So stand er auch völlig allein, als er von Draxler bedient zum 1:0 für die Gäste einschoss (26.). Spielte giftig und selbstbewusst, tauchte später aber völlig unter.
Julian Draxler, Mittelfeld (Archivbild): Spielte eine Art hängende Spitze auf der linken Seite und erlief sich dort viel Platz - und den nutzte er für viele gute Angriffe. In der siebten Minute lief er sich noch in der Bayern-Abwehr fest, danach verteilte er aber gut die Bälle und war auch bei Kontern immer anspielbar. Seine Flanke zum 1:0 war maßgeschneidert, sein verdeckter Torschuss in der 33. Minute ein echtes Problem für Neuer. Seine bei Schalke erlernten Qualitäten auf der Sechser-Position hätte Wolfsburg allerdings nach der Pause nutzen sollen - als die Lewandowski-Festspiele begannen, war er viel zu weit weg vom Geschehen.
Max Kruse, Angriff (bis 78. Minute): Seine Gefährlichkeit baute er vor allem durch Fleiß auf: Der Angreifer rannte ständig die gegnerischen Abwehrspieler an und bei eigenem Ballgewinn wie ein Berserker nach vorne. Hatte bis zur Pause schon über sechs Kilometer zurückgelegt. Versuchte auch nach dem Rückstand mit energischen Antritten, wieder Leben in das Wolfsburger Angriffsspiel zu bekommen. Es gelang ihm aber nicht.
André Schürrle, Angriff (ab 78. Minute): Beteiligte sich gegen Ende noch an der einen oder anderen Abwehrarbeit, offensiv boten sich dem Angreifer allerdings keinerlei Möglichkeiten.
Bas Dost, Angriff (bis 78. Minute): Trainer Hecking, der den Holländer unter der Woche öffentlich für seine Einstellung kritisiert hatte, dürfte zufrieden gewesen sein: Ließ im Spiel nach vorne den Ball immer präzise zum Mitspieler abtropfen und löste sich dabei geschickt von seinen Gegenspielern. Bekam dann freilich immer weniger zu tun. Doch an ihm lag es nicht, dass sich nach der Pause plötzlich alles auf der anderen Seite des Spielfelds zutrug.
Nicklas Bendtner, Angriff (ab 78. Minute): Wartete nach seiner Einwechslung nahe der Mittellinie auf lange Bälle. Und wartete meist vergeblich, von Wolfsburg kam in der Schlussphase nichts mehr.