Videospiele Game-Kanon mit Killerspiel
"Spacewar!" (1962): Auf einem Großcomputer am Massachusetts Institute of Technology wurde das erste Multiplayer-Actionspiel entwickelt. Kommerziell vermarktet wurde "Spacewar!" nie - nur die Entwickler selbst spielten es mit Begeisterung. Das Spiel ist das älteste auf einer Liste mit 10 Spielen, die US-Experten als Game-Kanon vor dem Verschwinden bewahren wollen.
"Star Raiders" (1979): Kein internationaler Superhit wie "Space Invaders", aber ein Meilenstein wegen des Spielmechanismus, meinen Lowood und seine Kollegen. Der Spieler blickt durch die Cockpit-Scheibe eines Raumschiffs hinaus ins All, vorbeiziehende Pünktchen simulieren ein Sternenfeld. Heute kennt man das aus zahllosen Spielen - 1979 war es unerhört. "Star Raiders" kann sogar als Mutter aller Flugsimulatoren betrachtet werden - und als Geburtsstunde Ego-Perspektive.
"Zork" (1980): Das Text-Adventure aus dem Hause Infocom hat bis heute einen speziellen Platz im Herzen vieler Gamer der ersten Stunde. Das Interface war grafisch karg, aber sprachlich reich: Witzige und bizarre Texte ließen eine seltsame Welt entstehen, ein innovativer Parser verstand auch komplizierte Befehle - und das Spiel antwortete mit gerne mal sadistischem Humor, auch das ein Novum.
"Tetris" (1985): Die Geburststunde der casual games, das plattformunabhängige Suchtmittel, bei dem man nie gewinnen kann und trotzdem immer weiterspielen muss.
"SimCity" (1989): Eines der ersten "God Games", in denen der Spieler die allmächtige Schöpferrolle übernimmt. Lowoods Gruppe lobt auch die Innovation, keine festgelegten Kriterien für den Sieg bereitzustellen - der Spieler entscheidet selbst, was er als Erfolg wertet. Aus Sim City erwuchs später "The Sims" eine der erfolgreichsten Spiel-Serien aller Zeiten. Spiele-Forscher Matteo Bittanti nennt SimCity "eines der wichtigsten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts".
Super Mario Bros. 3 (1990): Nichtlineare Spielmöglichkeiten und die Fähigkeit, sich nicht nur vorwärts sondern auch wieder zurück zu früheren Punkten im Spiel zu bewegen, bewog den Spielejournalisten Christopher Grant, den Nintendo-Klassiker für den Kanon vorzuschlagen.
"Civilization I/II" (1991): Sid Meiers Zivilistations-Simulationen ließen den Spieler Jahrunderte menschlicher Geschichte nacherleben - und vernichteten möglicherweise mehr Zeit als jede andere Spieleserie. "Civilization IV" kam 2006 auf den Markt.
"Doom" (1993): Nicht der erste First-Person-Shooter, aber der erste, der ein globales Phänomen wurde - außerdem die Geburtsstunde des kompetitiven Multiplayer-Geballers - und damit die Mutter von Klassikern wie "Counter-Strike".
Die "Warcraft"-Serie (ab 1994): Zwar gab es auch schon vorher Echtzeit-Strategiespiele, aber Warcraft verhalf dem Genre zum Durchbruch. Heute sind nachfolger wie "Starcraft" noch Jahre nach ihrer Veröffentlichung internationale Wettkampfdisziplinen für die schnellsten Mauskünstler der Welt. Die Rollenspiel-Umsetzung der "Warcraft"-Welt ist heute das erfolgreichste Onlinespiel aller Zeiten.
"Sensible World of Soccer" (1994): Das Spiel verband eine Fußball-Simulation mit einem Liga-Modus, in dem man globale, gewaltige Turniere austragen und sich als Teammanager versuchen konnte. Wie bei vielen anderen der Spiele auf der Liste wird auch der Meileinstein-Status von "Sensible World of Soccer" vermutlich umstritten sein - aber eine Debatte zu provozieren ist ja auch das Ziel eines Kanon-Vorschlages.