Vinyl-Single Abrocken mit 45 Umdrehungen
Die Rückkehr des roten Vinyls: Sein Dixieland-Jazz-Repertoire vermarktete das Storyville-Label in Rot, Gelb und Grün. Aufnahmen wie Brahms' "Wiegenlied" von Papa Bue's Viking Jazz Band (1960) nannte man damals "Pipi-Jazz".
"Rock'n Roll aus England": Der Sound hatte sich eingebürgert, nur die Schreibweise war noch nicht ganz klar. Tommy Steele, ein englischer Seemann, machte die Erkenntnisse seiner USA-Reise gleich zu Musik.
"Honky Tonk Women": Die Rolling Stones erinnerten sich 1969 daran, dass sie einmal eine Singles-Band gewesen waren. Das rockige Stück "Honky Tonk Women" kam nur auf Single raus. Auf der LP "Let It Bleed" veröffentlichten sie "Country Honk", die Country-Version dieses Songs.
Das Füllschriftverfahren: Eduard Rhein demonstriert sein Füllschriftverfahren an einer Schellackplatte. Der Physiker, Journalist, Gründer und Chefredakteur der "Hör Zu", Opernautor und Romancier hatte sich das Verfahren schon vor der Einführung der Single patentieren lassen. Seine Idee: Statt wie bisher den Rillenabstand der Platten gleichmäßig nach dem größten Ausschlag einer Musikpassage zu gestalten, müssten die Rillen je nach Lautstärke und Tonhöhe ständig variieren. Dadurch wäre Platz gewonnen, um mehr Musik auf einer Plattenseite unterzubringen. Erst mit der Single kam das Verfahren zum Durchbruch. Die Extended Play (EP) brachte mit der "verlängerten Spieldauer" einen völlig neuen Plattentyp in die Läden.
Endlich Elvis Presley: Elvis-EP mit "Tutti Frutti" aus dem Jahr 1956. Der Rock'n'Roll kam in Deutschland schrill und laut an. Von der Aufschrift "Füllschriftverfahren" blieb die modern gestaltete Hülle verschont. Auf den Export-Editionen für Schweden brachte die Teldec auf der nach Rheins Methode platzsparend geschnittenen Platte sogar sechs Stücke unter.
Rettungsversuch für die 45er: EMI lancierte 1988 die A-Single für 2,98 DM - "die Alternative mit der drastischen Preissenkung". Auf der A-Seite Musik, auf der B-Seite Infos zum Künstler. Beispiel "Don't Worry, Be Happy" mit "Facts zu Bobby McFerrin": "Gäbe es einen olympischen Wettbewerb für Gesangsathleten, Bobby McFerrin wäre der haushohe Favorit für die Goldmedaille. Denn was der farbige Amerikaner seinen Stimmbändern an Klängen entlockt, ist ohne weiteres als musikalische Entsprechung zu Ben Johnsons Weltrekord über die 100-Meter-Distanz zu bezeichnen..."
"Von Florida bis Frisco": Der Wilde Westen reicht von Florida bis San Francisco - Fünziger-Jahre-Werbung für eine EP ("verlängerte Spieldauer") mit Bibi Johns, Bobby Jaan und Fred Bertelmann, die sich die Frage stellen "Wo, wo, wo liegt Dixieland?"
Ernste Angelegenheit: Auf der Hannover Messe werden Neuheiten der Plattenindustrie vorgestellt. Dritter von Rechts ist der RCA-Manager Peter A. Ingwersen (Dritter von rechts) - er präsentiert Produkte seines Megasellers Elvis Presley. Aufnahme aus den fünfziger Jahren.
Mantovani: Die EP mit Mantovanis Geigen trägt die Aufschrift "Füllschrift. Geschnitten nach dem Rhein'schen Verfahren". Der Musikimport aus England durfte bis in die sechziger Jahre den "Füllschrift"-Vermerk tragen. Die Amerikaner verbaten sich das deutsche Wortungetüm auf ihren Platten schon 1956.
Single-Rarität: Teldec brachte im Jahr 1956 erstmals Elvis Presley auf den deutschen Markt. Sein "Heartbreak Hotel" hatte der RCA in den USA den Durchbruch verschafft. Auf der RCA-Hülle wurde noch der amerikanischen Herkunft des Formats Rechnung getragen: 45 Rpm steht für 45 Revolutions per Minute. Bis teure Bildcover für einfache Singles gedruckt wurden, vergingen Jahre.
Da gab es noch keinen Rock'n'Roll: EP von 1953 mit alten Hüten wie "Ich küsse Ihre Hand, Madame". Interpreten: Lys Assia, Vico Torriani und andere. Bald wurde zum Glück Rock'n'Roll der bestimmende Sound auf den Singles.
"Aus der Stimmungskiste": Das kam dabei raus, wenn man die Stimmungskiste öffnete - Erwin Hartung und das Golgowsky-Quartett schunkelten sich 1953 durch "Trink, trink Brüderlein, trink". Die Hülle der Decca-EP war am Rand vernäht.
Die Stones in der Sparversion: Weil die Firma Teldec (Telefunken-Decca) das Füllschriftpatent und die Rechte am Decca-Label besaß, wurde beides noch 1965 auf Hülle und Label der Rolling-Stones-EPs gedruckt. Aus Kostengründen reizte man den potentiellen Platz aber nicht aus. Hatte "Got Live If You Want It" in England noch sechs Stücke, beschränkte man sich in Deutschland auf vier. Das fiel besonders bei der EP "Five By Five" auf, die - wie der Titel sagt - eigentlich fünf Stücke beinhaltete. Bei uns wurden die Stones dann auf vier Songs gestutzt.
Flexi-Single: Für Werbezwecke produzierte die Industrie preiswerte Flexi-Singles aus Polyethylen. Die biegsamen Platten wurden Postsendungen oder Zeitschriften beigelegt. Hier wirbt Philips-Fontana 1962 für das neue Single-Programm "Spitzenstars und Spitzenschlager" mit Willy Hagara, Anita Lindblom, Peter Beil, Heidi Brühl, Nana Mouskouri und Gerhard Wendland, die eingedeutschte Hits von Don Gibson, Bobby Bare, Hank Locklin und Nat King Cole vortrugen. Dazwischen hat sich auch der Amerikaner Tommy Roe mit "Sheila" verirrt.
Musterplatte für den Fachhandel: Diese erste deutsche Single richtete sich an den Fachhandel ("Musik für jedes Händlerohr"). Untermalt von Marschmusik pries ein Teldec-Sprecher auf der A-Seite die Vorzüge der Neuheit: "Es lohnt sich also, diese neue Platte mit 45 Umdrehungen in der Minute ganz besonders zu beachten. Stellen Sie sich doch einmal vor, dass Ihr Kunde in der Aktentasche fünf Stunden Musik ohne Risiko mit sich nehmen kann und nicht mehr als vier Pfund tragen muss. Und was Sie an Lagerraum sparen! Wie auf der normalen Schallplatte haben Sie auf dieser die gleiche Spieldauer und mehr als die doppelte bei Füllschriftaufnahmen." Als normale Schallplatte galt 1953 noch die Schellackplatte. Auf der B-Seite dieser ersten Single gab es einen Querschnitt durch das Startprogramm der Singles von Decca-Telefunken-Capitol: Mantovani, Vico Torriani, Will Glahé, Lys Assia, Gitta Lind und Billy May.
Flyer für die Kunden des Fachhandels: "Die kleine Schallplatte mit den großen Vorzügen" musste bei der Markteinführung noch erklärt werden. Auf der Rückseite des Blattes führte Teldec das Anfangs-Repertoire auf - von "Orpheus in der Unterwelt" bis "Charmaine". Die EP ("Verlängerte Spieldauer") kostete 7,50 DM, die Single mit zwei Stücken 4 DM.
Von Unterhaltung bis Tanz: Alles zu finden im ersten Katalog der "kleinen Platten". Zur Einleitung bekam Eduard Rhein eine Seite Platz, um seine Erfindung - die "atmende Rille der Füllschrift" vorzustellen. O-Ton: "Da kamen - fast zur selben Zeit - zwei Erfindungen. Eine aus den Vereinigten Staaten, eine aus Deutschland, und retteten die Lage: Aus Amerika kam die neue, praktisch geräuschlose unzerbrechliche Pressmasse - aus Deutschland die Füllschrift."
Les Paul: Der geniale Gitarrist Les Paul wurde als erster amerikanischer Musiker auf der Single in Deutschland verlegt. Sein Label Capitol warb in Plattenläden mit solchen Papp-Plaketten für seine Aufnahme "Mandolino". Berühmt wurden die Singles, die Les Paul mit seiner Frau Mary Ford einspielte: "Vaya Con Dios", "How High The Moon", "Hummingbird". Der Elektro-Gitarren-Tüftler Les Paul gab dem berühmtesten Instrument des Hauses Gibson den Namen.
Eine Weltneuheit: 1949 lüftete RCA in Amerika den Schleier des Projekts "Madame X". Die kleine 17cm-Platte sollte die Schellackplatte ablösen und der Langspielplatte des Konkurrenten Columbia Paroli bieten. Für die Single mit 45 Umdrehungen pro Minute hatte das RCA-Entwicklungs-Team extra einen Plattenwechsler konstruiert. Besonderheit: eine Stapelachse, für die Singles im Unterschied zur LP von Anfang an ein großes Mittelloch hatten. Die 45er war für alle Musikarten gedacht. Bei Konzertaufnahmen sollte der Plattenwechsler den Eindruck pausenloser Musik vermitteln. Die erste Veröffentlichung der RCA Victor war denn auch Jacques Offenbachs "Gaité Parisienne" von Arthur Fiedlers Boston "Pops" Orchestra - vier Singles aus rotem Vinyl in einem Album zusammengefasst.
Single-Werbung: Der deutsche Grafiker ließ sich für die Werbung von Louis Armstrongs "Mack The Knife" 1956 ganz offensichtlich mehr von der Dreigroschenoper inspirieren als vom New Orleans Jazz.
Stolz auf die Platten der Teldec: Im schleswig-holsteinischen Nortorf, wo die ersten Singles in Deutschland gefertigt wurden, stellte man 1959 auf dem Stadtfest die Labels aus der Produktion des Presswerks zur Schau.
Gut in Form: Gut in Form: Auf der einen Seite die Stones-Zunge, auf der anderen die zeitgemäße Visualisierung des Titels "She Was Hot". Die Single der Rolling Stones von 1984 - nur eines von vielen Beispielen der Shape-Mode.
"Der gute Ton": Die Electrola veröffentlichte in den fünfziger Jahren auf ihrem Label Odeon zunächst Jazz von Musikern wie Harry James (Abbildung) oder Louis Armstrong. Die frühen Single- und EP-Hüllen wurden noch sorgfältig an den Rändern mit der Nähmaschine zusammengenäht. Als die Single-Ständer mit stoffbezogenen Drahtbügeln aufkamen, zerfledderten viele der Hüllen und verschwanden im Müll.
Die Firma Teldec: Vor dem Zweiten Weltkrieg war in diesem Gebäude in Nortorf (Schleswig-Holstein) eine Lederfabrik untergebracht. Als die Hamburger Teldec einzog, wurde das Leder durch Schellack und PVC ersetzt. Zunächst verließen Volksmusik und Klassik die Pressen, mit der Single kam der Rock'n'Roll.
Deutscher Plattenwechsler mit Stapelachse für Singles: Das große Mittelloch der kleinen Platte blieb übrigens als Reminiszenz erhalten, auch als niemand mehr daran dachte, einen Plattenwechsler "mit allen Raffinessen fortschrittlicher Technik" zu benutzen. Bei längeren Stücken wie "What'd I Say" von Ray Charles oder "Shout" von den Isley Brothers musste die Single übrigens nach der Hälfte des Songs umgedreht werden.
Beliebte Platten: Die neuesten RCA- und London-Singles in einem Plattenständer - in den fünfziger Jahren ein Magnet für Teenager.
Schallfolie anstatt Vynil: Mit dem Punk bzw. der Neuen Deutsche Welle kehrte auch die Seven- Inch-Single wieder zurück, die längst totgeglaubte Tonträgerformen war reanimiert. Und mit ihr auch die Schallfolie: Das Foto zeigt die Folie der SILUETES 61. Bespielt ist nur eine Seite, das Ganze konnte als Postkarte verschickt werden.
Die Kleinste: Dies ist mit 13 Zentimetern Durchmesser und abspielbarer Möglichkeit von 1 Zentimeter je Seite die kleinste Single der Welt. Sie war eine Werbesingle für einen Boots-Store in Hannover, der diese Single in einer Kleinstauflage über mich herstellen ließ.
Donna Summers Single Nr. 1: Diese kleinen Singles, kamen Ende der Sechziger groß in Mode und waren auch für die Musikbox geeignet. Donna Summers "Try Me, I Know We Can Make It" ist nur eine aus meiner Sammlung kleiner Singles.