Vögel: Fest der Triebe - DER SPIEGEL
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Vögel Fest der Triebe

Federschau, Flügelsong, Mannschaftstanz – die verrückten Verführungskünste der Vögel
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Wenn es ums Gefieder geht, kann sich kaum ein Vogel mit dem männlichen Argusfasan messen. Seine Pracht setzt er nur in Szene, wenn ein Weibchen seinen Balzplatz besucht. Aufgeregt pickend stolziert der Hahn vor der Umworbenen umher. Ganz plötzlich beugt er sich nieder und stülpt seine Flügelfedern empor. Es ist ein einzigartiges Spektakel: Goldgelb leuchtend wölbt sich ein etwa 1,20 Meter hoher Federschirm vor dem weiblichen Vogel. Sichtbar wird darauf ein raffiniert verschlungenes Streifenmuster, aus dem ganze Ketten goldener Kreise blitzen. Dem Weibchen müssen diese dank täuschend echter Schatten dreidimensional wie Kugeln erscheinen. Den Kopf übrigens steckt das Männchen während der Präsentation manchmal unter den Flügel. Nur die schwarzen Augen lugen dann zwischen den Schwingen hervor, neugierig darauf, wie die Darbietung ankommt.

Foto: Senckenberg
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Insgesamt 54 Arten von Schnurrvögeln oder Pipras sind bekannt, deren jede ihr eigenes Balzritual entwickelt hat. Die Männchen der Keulenschwingenpipras etwa versuchen, ihre Partnerinnen akustisch zu bezirzen: Sie singen, und zwar mit ihren Flügeln. Um dem Federkleid Töne zu entlocken, waren anatomische Veränderungen nötig: Einige Flugfedern sind bei diesen Vögeln eigenartig deformiert. Der Schaft ist verbreitert, die Spitze zu einer Art Knauf verdreht. Eine Hochgeschwindigkeitskamera verriet dem Team um den Ornithologen Richard Prum, wie diese umfunktionierten Federn Klänge erzeugen: Mit rasend schnellen Muskelbewegungen reiben die Pipras die Federn aneinander, sodass, ähnlich wie bei Grillen, helle Zirpgeräusche entstehen. Zwar beeinträchtigt der Umbau zum Musikinstrument die Flugtauglichkeit der Flügel. Dem Erfolg beim weiblichen Geschlecht tut das jedoch keinen Abbruch: Die Weibchen finden die Flügelgesänge offenbar unwiderstehlich.

Foto: National Geographic / Getty Images
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Die Männchen der Blaubrustpipras balzen auf ganz andere Weise: Sie führen vor den Weibchen Mannschaftstänze auf. Es handelt sich um eine Art Formationshüpfen, das eine Handvoll Männchen auf einem Ast präsentiert. Mitunter wird die Choreografie jahrelang einstudiert, vor allem gilt es, die Sprünge mit dem Gesang abzustimmen. Nur wer beim Vortanz perfekte Koordination beweist, wird am Ende mit Sex belohnt. Allerdings kommt nur das Alphamännchen zum Zuge. Den anderen bleibt nur die Hoffnung, irgendwann selbst in diesen Rang aufzusteigen, um ein eigenes Tanzteam gründen zu können. Bei den Blaubrustpipras, meint Ornithologe Richard Prum, hätten die Weibchen den vollkommenen Sieg im Geschlechterkampf davongetragen. Denn sie hätten bei der Partnerwahl Kriterien gefunden, die den männlichen Aggressionstrieb zügeln. Sie erwählten nur jene, die sich als Meister im Schmieden von Freundschaften erwiesen hätten. Kurzum: Den Weibchen der Blaubrustpipras sei es gelungen, sich Männchen zu züchten, die friedfertig sind.

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"Es war, als schriebe ich einen Naturführer für 'Jurassic Park'", sagt Prum, wenn er an die Zeit zurückdenkt, als er elektronenmikroskopische Aufnahmen von fossilen Dinosaurierfedern studierte. Er wusste: Wurstförmige Farbstoffbeutel enthalten ein schwarzes, bohnenförmige hingegen ein rotbraunes Pigment. Stück für Stück rekonstruierte er so das Federkleid des Anchiornis, eines Sauriers, der dem Velociraptor ähnelt. Prum fand: weiß-schwarz gebänderte Konturfedern an den Beinen, einen rotbraunen Irokesenschopf auf dem Kopf. Schon vor 160 Millionen Jahren dienten Federn demnach der Prachtentfaltung. Möglicherweise, meint Prum, war das sogar ihre ursprüngliche Funktion: Die Oberfläche der Federn habe gleichsam als Leinwand gedient, auf der bunte Muster besonders brillant zur Geltung kamen. Erst später seien die Federn von der Evolution zum Zwecke des Fliegens umgewidmet worden. Falls diese Hypothese zutrifft, wäre es der Schönheitssinn gewesen, der den Vögeln den Weg in die Lüfte ebnete.

Foto: AKG images / Science Photo Library
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Einzigartig im Tierreich sind die Verführungskünste der Laubenvögel. Aus Ästen konstruieren die Männchen Hütten oder Alleen, in die sie die Weibchen zur Paarung locken. Vor ihrer Laube räumen sie einen Balzplatz frei, auf dem sie Schätze zur Schau stellen. Bei der Auswahl ist meist die Farbe entscheidend: Einige Arten tragen blaue Blüten und Federn, aber auch blaue Plastikdeckel und Bonbonpapiere zusammen, andere bevorzugen weiße oder gelbe Objekte. Eine besonders exzentrische Vorliebe begegnete Prum bei einem Graulaubenvogel in Australien. Er hatte vor seiner Laube strahlend weiße Muschelfossilien arrangiert. "Als Kurator eines Museums fühlte ich sofort eine tiefe Verbundenheit zur paläontologischen Leidenschaft dieses Vogels", sagt Prum.

Foto: M. Breiter / picture alliance
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