Volksvertreter im Urlaub - DER SPIEGEL
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Volksvertreter im Urlaub Politik der Badehose

Südsee statt Sitzungssaal: Auch unter den Berliner Abgeordneten bricht dieser Tage Ferienstimmung aus. Doch selbst im Urlaub widmen sich Politiker seit jeher der Arbeit - am eigenen Image. Eine kleine Revue der Urlaubsinszenierungen von Friedrich Ebert bis Angela Merkel.
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Präsident in Badehose: Friedrich Ebert (r.), erster Präsident der Weimarer Republik, und Reichswehrminister Gustav Noske (l.) hatten sich am 15. Mai 1919 zur Eröffnung eines Kinderheims in Haffkrug bei Travemünde aufgehalten. Beim Bad in der Ostsee ließen sie sich von einem Strandfotografen gemeinsam mit dem Vorstandsmitglied der Kinderheim Stiftung (als tauchender Neptun mit Dreizack) ohne "schickliches" Ganzkörper-Badekostüm fotografieren. Die Veröffentlichung des Fotos löste einen Skandal aus; rechte Kreise nutzten das Bild jahrelang zur Diffamierung des Reichspräsidenten und der Republik. Vielleicht nie wieder hatte das Urlaubsfoto eines Politikers derart nachhaltige Folgen.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Wilhelm Steffen
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Das Durchschnittspaar mit Geheimnis: Es existieren unzählige Bilder von Helmut Kohl und seiner damaligen Frau Hannelore aus den jährlichen Sommerferien im österreichischen St. Gilgen. Am 1. August 1994, als dieses Foto aufgenommen wurde, machten die Kohls zum 24. Mal Urlaub am Wolfgangsee. In jenem Jahr unternahmen sie allerdings besondere Anstrengungen in Sachen Urlaubs-PR - schließlich standen im Oktober 1994 Bundestagswahlen an. So fand die süßliche Inszenierung der Ferienidylle mit dem Rehkitz einen absoluten Höhepunkt.

Foto: AP
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Boccia mit Bedacht: Konrad Adenauer widmet sich im März 1963 unter der Aufsicht seiner Tochter Ria seinem liebsten Hobby. Die Erholung in der Urlaubsresidenz am Comer See tat Not; wenige Monate zuvor hatte der Altbundeskanzler einen Herzinfarkt erlitten. Von 1959 an verbrachte Adenauer jeden Sommer in der Villa La Collina in Cadenabbia. Noch heute kann man ihn dort beim Boccia-Spiel beobachten: Dem Ehrenbürger von Cadenabbia wurde ein Denkmal in Bronze gebaut, das ihn bei seiner Lieblingsbeschäftigung zeigt.

Foto: AP
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Die Brandts in USA: Willy Brandt und seine Frau Rut verbringen im Januar 1972 einen Urlaub in Fair Horizons auf der Halbinsel Longboat Key im US-Bundesstaat Florida).Die anerkennenden Blicke der Hotelnachbarn kommen nicht von ungefähr. Einige Wochen zuvor hatte der damalige Bundeskanzler in Oslo den Friedensnobelpreis entgegennehmen können.

Foto: AP
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Silvio Berlusconi: Italiens Ministerpräsident erholt sich im Urlaub auf Sardinien von seinen Schönheitsoperationen. Der damals 68-jährige Medien-Tycoon hatte sich liften lassen, um, wie er sagte, für seine Mitmenschen angenehm auszusehen. Die Aufnahme entstand am 16. August 2004 vor Berlusconis Luxusvilla in Porto Rotondo auf Sardinien.

Foto: Anonymous / AP
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Ab auf die Insel: Der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau und seine Frau Christina im Sommer 1996 auf der friesischen Insel Spiekeroog bei einem Fahrradausflug. Der Regierungschef des größten deutschen Bundeslandes erholte sich mit seiner Familie regelmäßig auf der Nordseeinsel, auf der er 1982 auch geheiratet hatte und später seine drei Kinder taufen ließ.

Foto: dpa
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JFKs Sommerfrische: John F. Kennedy und Jacqueline posieren im November 1960 mit ihrer Tochter Caroline in Hyannis Port, Massachusetts. Kennedys Vater hatte das Haus 1929 für seine Familie gekauft. Mit dem Einzug JFKs in das Weiße Haus in Washington erhielt seine Sommerresidenz im Laufe der Zeit den scherzhaften Beinamen "Summer White House" - Weißes Sommerhaus.

Foto: AP
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Die Merkels auf Ischia: Als ganz normale Touristen schlendern Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer Ostern 2007 zwischen den Auslagen der Souvenierläden von Ischia. Weder Helikopter noch Schnellboot hatten die Bundeskanzlerin auf die Insel im Golf von Neapel gebracht, sondern die Fähre - wie alle andern Besucher auch.

Foto: FRANCO CASTANO'/ AP
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Gipfelstürmer mit Bodenhaftung: Bundespräsident Horst Köhler genießt mit seiner Frau Eva die Aussicht vom Gipfel des Großen Arber bei Zwiesel. Das Paar unternahm am ersten Tag des Sommerurlaubs 2005 eine Wanderung auf den höchsten Berg des Bayerischen Waldes. Wandern ist seit jeher eine beliebte Ferienform für Politiker, Bundespräsidenten voran, die sich so als bodenständig und heimatverbunden zeigen können.

Foto: AP
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Stark, Stärker, Putin: Russlands damaliger Präsident Wladimir Putin angelt am 15. August 2007 am Khemchik-Fluss in Sibirien. Das Foto ist Teil einer ganzen Serie von Bildern, in denen Putin den starken Mann in der herben Wildnis mimt. Sein Begleiter und Staatsgast Fürst Albert von Monaco war vermutlich nicht besonders erbaut von der Oben-ohne-Show des Kreml-Herren, der Herrscher des Zwergstaats am Mittelmeer dürfte im Kalkül Putins aber keine Rolle gespielt haben. Allerdings kam der Auftritt zumindest außerhalb Russlands nicht gut an.

Foto: dpa
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Beck und Balou: Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck geht in Cochem an der Mosel vor dem Panorama der Reichsburg mit Bearded Collie Balou Gassi. Balou ist der Hotelhund des Romantikhotels Kessler-Meyer, in dem der Ministerpräsident regelmässig seinen Sommerurlaub verbringt.

Foto: ddp
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Sarkozy, in Szene gesetzt: Der soeben gewählte Präsident Frankreichs auf dem Winnipesaukee-See in Wolfeboro, New Hampshire. Im August 2007 wehrte sich Sarkozy noch gegen Ferienaufnahmen - wenige Monate später posierte er mit seiner neuen Ehefrau Carla Bruni im gemeinsamen Urlaub in Ägypten.

Foto: AP
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Süßes Nichtstun: Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sitzt in einem Straßencafe auf dem Markusplatz in Venedig. Obwohl er sich bei früheren Ferienreisen nach Italien anstandlos von Fotografen begleiten ließ, guckte er 2001 mürrisch in die Kamera und begann, sich gegen Urlaubsaufnahmen zu sträuben.

Foto: dpa
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Die Schmidts in Florida: Kanzler Helmut Schmidt spaziert mit seiner Frau Loki am Strand von Sundial Beach auf Sanibel Island. Die Schmidts verbrachten die Weihnachtsferien 1981 in Florida und reisten danach nach Washington weiter - in Zeiten des Kalten Krieges und gleichzeitigen deutsch-amerikanischen Verstimmungen auch ein politisches Signal.

Foto: AP
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Stillleben mit Minister: Bundesaußenminister Joschka Fischer bei einem SPIEGEL-Gespräch in seinem Feriendomizil in der Toskana. Fischer galt als Prototyp der "Toskana-Fraktion" - ein Begriff, mit dem politische Gegner so etwas wie die postmoderne Variante von "Salonkommunisten" verbanden: Linke Weltverbesserer, die die Vorzüge guten Essen und Trinkens wie generell des Müßiggangs zu schätzen gelernt hatten.

Foto: Monika Zucht/DER SPIEGEL
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Aktivurlaub: Der spätere bayerische Ministerpräsident (und frühere Bundesverteidigungsminister) Franz Josef Strauß, CSU, im August 1972 beim Pingpong an der Cote d´Azur. Zu der Zeit war der Strauß wirtschafts- und finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.

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