Volkswagen in Russland Putins raffinierte Industriepolitik
Bühne frei für Volkswagen! Wladimir Putin hat die Autobranche seines Landes zur Chefsache gemacht. Die Strategie: Wer in Russland Autos verkaufen will, der soll in Russland auch Arbeitsplätze schaffen. Das Bild zeigt Putin 2009 bei der Eröffnung eines VW-Werks in Kaluga. Damals war er Premierminister.
Bosse unter sich. Zur Eröffnung des Werks in Kaluga war auch VW-Chef Martin Winterkorn angereist. In den vergangenen drei Jahren hat VW den Absatz in Russland fast verdreifacht. Von Januar bis Oktober 2012 zogen die Verkäufe um 46 Prozent an. 300.000 verkaufte Fahrzeuge sollen es bis Ende dieses Jahres sein.
Volkswagen hat Ingenieure aus Deutschland, Polen und Tschechien nach Kaluga geschickt. Sie sollen helfen, Russlands lukrativen Automarkt zu erobern. Der boomt so sehr, dass Experten nicht mehr daran zweifeln, dass Russland Deutschland als größten Automarkt Europas überholen wird.
Innerhalb von gerade einmal zehn Jahren brachte der Kreml internationale Autokonzerne dazu, ein Werk nach dem anderen in Russland zu bauen. Die Führung in Moskau lockte mit Investitionsvergünstigungen und hohen Wachstumsraten.
Wichtige Männer vor einem Kofferraum. Putin und Winterkorn ließen sich 2009 in Kaluga erklären, wie man so ein Auto zusammenbaut. Ursprünglich wollte die russische Führung aus ehemals sowjetischen Herstellern wie dem riesigen Lada-Konglomerat international konkurrenzfähige Global Player formen. Doch weil sich diese Hoffnungen zerschlugen, ließ Putin eine neue "Automobil-Strategie 2020" entwerfen.
Ein russischer VW-Mitarbeiter in Kaluga poliert einen Passat in der Endkontrolle. Volkswagen ist nicht der einzige Hersteller, der Russland entdeckt hat. In Sankt Petersburg im Westen lassen Ford und Toyota Autos bauen, in Kaliningrad montiert der Autozulieferer Magna mit russischen Partnern BMW, in Wladiwostok im Osten will Mazda eine Fabrik bauen - und auch Mercedes lässt in Russland seinen Kleintransporter Sprinter bauen. 1,7 Millionen Fahrzeuge mit dem Gütesiegel Made in Russia liefen so schon im vergangenen Jahr in Russland vom Band.