Vom alten Rom bis heute: Die Macht des Wetters - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Vom alten Rom bis heute Die Macht des Wetters

Wissenschaftler haben in Baumstämmen die Klimageschichte bis 500 vor Christus gelesen - Temperaturen und Niederschlag aus jedem Jahr. Die Wetterdaten bieten überraschende Einblicke in die Kulturgeschichte Deutschlands und Europas.
1 / 20

Regensburger Altstadt mit der Steinernen Brücke: Im Jahr 1135 fiel auffällig wenig Regen, die Donau trocknete in jenem Jahr fast aus - das nutzten die Regensburger für den Bau der Brücke. Eine Studie zeigt erstmals das Klima Mitteleuropas aufs Jahr genau. Wissenschaftler haben in Baumstämmen die Klimageschichte bis 500 vor Christus gelesen. Die Wetterdaten bieten überraschende Einblicke in die Kulturgeschichte Deutschlands und Europas.

Foto: A3528 Armin Weigel/ dpa
2 / 20

Wolken über Dresden: Die Silhouette der Altstadt mit der Kuppel der Kunstakademie, der Frauenkirche, dem Ständehaus, dem Hausmannsturm und der Kathedrale - die Geschichte Deutschlands wurde vom Wetter geprägt.

Foto: Z1018 Ralf Hirschberger/ dpa
3 / 20

Das neue Klimaarchiv für Mitteleuropa und zentrale Gebiete Südeuropas - wie es eine neue Studie zeigt: Wachstumsringe in Bäumen geben Auskunft über Niederschlag und Temperatur aus jedem Jahr. Die obere Grafik zeigt den Regen, die Daten stammen aus 7284 Eichenstämmen aus Deutschland und Frankreich. Die untere Kurve zeigt die Temperatur, die Daten stammen aus 1546 Kiefern und Lärchen aus den Alpen. Historische Epochen fügen sich in die Klimaschwankungen. Die Kurven enden 2003- dem wärmsten Sommer in den Alpen seit mindestens 2500 Jahren.

Foto: SPIEGEL ONLINE
4 / 20

"Science"-Studie über Klimaschwankungen in Europa: Zugrunde liegen die Wetterdaten aus jedem Jahr (siehe vorherige Abbildung). Über die Kurven von Niederschlag (blau) und Temperatur (rot) haben die Forscher dicke Kurven gelegt, die die langfristigen Klimatrends zeigen. Die parallelen Kurven ober- und unterhalb der dicken Kurven zeigen den sogenannten Fehlerbereich: Innerhalb dieser Grenzen liegt der langfristige Klimatrend. Das Ende der Kurve ist 2003. Die Jahre danach gingen nicht mehr in die Studie ein, sie waren etwas kühler.

Foto: Science
5 / 20

Graffiti aus Pompeji: Die Stadt, 79 nach Christus beim Ausbruch des Vesuvs zerstört, gibt einen unvergleichlichen Einblick in die Geschichte Roms. Der Aufstieg des Reiches wurde vom Klima begünstigt.

Foto: Franco Origlia/ Getty Images
6 / 20

Hannibals Alpenquerung: Der Feldherr aus Karthago passierte das Hochgebirge mit 37 Elefanten. Die neuen Daten zeigen: Er hatte Glück mit dem Wetter.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
7 / 20

Palast von König Herodes: Der Vasallenkönig Roms regierte Judäa in der Hochphase Roms. Das gute Klima ließ die Ernteerträge steigen, Bergbaugebiete konnten erschlossen werden.

Foto: Getty Images
8 / 20

Kolosseum: Das Amphitheater zeugt von der Pracht Roms im ersten Jahrhundert nach Christus.

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images
9 / 20

Römer in Großbritannien: Die römische Statue im britischen Bath kündet von der Expansion Roms: Nordeuropa wurde vereinnahmt, sobald der Weg über die Alpen sogar im Winter passierbar war.

Foto: Matt Cardy/ Getty Images
10 / 20

Harz: Der Höhenzug am Nettetal war ein Schlachtfeld zwischen Römern und Germanen im Zeitalter der Völkerwanderungen. Im sogenannten Klimapessimum rückten Germanen, Goten und andere nach Süden vor. Missernten, Hungersnöte und Seuchen trieben sie aus ihrer Heimat. 410 eroberten die Westgoten Rom.

Foto: Stefan Rampfel/ picture-alliance/ dpa
11 / 20

Friedrich II.: Mitte des zehnten Jahrhunderts wandelte sich das Klima zum Guten, das Mittelalterliche Klimaoptimum brach an. Die Landwirtschaft erholte sich, Hungersnöte wurden seltener. Das Deutsche Reich erlebte unter den Stauferkaisern seine Blüte: Am Hofe Friedrichs II. in Sizilien trafen sich Philosophen, Wissenschaftler und Künstler.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
12 / 20

Folter im 16. Jahrhundert: Ein Angeklagter wird vor Gericht misshandelt. Mit der Kleinen Eiszeit kehrten die finsteren Zeiten des Mittelalters zurück.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
13 / 20

Wachstumsringe von Bäumen: Aus fast 9000 Holzstücken aus alten Häusern und Bäumen haben Forscher um Ulf Büntgen vom Schweizer Umweltforschungsinstitut WSL und Jan Esper von der Universität Mainz das Klima gelesen - ein weltweit einzigartiges Geschichtsarchiv ist entstanden. Jedes Jahr legt sich ein Baumstamm einen Ring zu, seine Breite bezeugt Temperatur oder Niederschlag - je nachdem, wo das Holz gewachsen ist.

Foto: Universität Bologna/ picture-alliance/ dpa
14 / 20

Fundort von Klimadaten: In alten Flussbetten haben die Forscher Baumstämme gefunden, die dort vor Jahrhunderten abgelagert worden sind. Eine datierte Reihe von Jahresringen aus den vergangenen Jahrtausenden liegt der Studie zugrunde. Dieser Muster-Reihe haben die Wissenschaftler ihre Holzfunde zugeordnet.

Foto: K. Nicolussi
15 / 20

Subfossiles Holz: Dieser Eichenstamm ist noch nicht versteinert, aber schon lange tot. Er enthält Informationen über Regenfälle in früheren Zeiten.

Foto: W. Tegel
16 / 20

Historische Eichenhütte: Die Wachstumsringe im Holz von Gebäuden geben Auskunft über das Klima während der Wachstumsphase der verbauten Bäume. Hütten, die im Hochgebirge errichtet wurden, bestehen aus Holz aus dem selben Gebiet, weil niemand das Material ins Gebirge geschleppt hat. Als Temperaturarchive kommen nur Bäume von der Waldgrenze im Gebirge in Frage, denn nur ihr Wachstum wird von der Temperatur bestimmt. Alle anderen Bäume hingegen werden vor allem vom Niederschlag beeinflusst.

Foto: W. Tegel
17 / 20

Alter Holzstamm im Fluss: Seine Wachstumsringe lassen sich aufgrund ihres Musters einer bestimmten Zeit zuordnen.

Foto: K. Nicolussi
18 / 20

Probenahme: Die Wissenschaftler um Büntgen haben Holz in Alpenhütten untersucht.

Foto: W. Tegel
19 / 20

Subfossiler Eichenstamm: Eichen gedeihen in Niederungen, wo das Wachstum von Bäumen vor allem vom Regen beeinflusst wird.

Foto: W. Tegel
20 / 20

Eichenstamm: Aus der Breite von Jahresringen im Holz von Eichen lesen Experten die Niederschlagsmenge im Frühjahr und Juni. Ein unvergleichliches Wettterarchiv ist entstanden. Es liefert überraschende Einblicke in die deutsche und europäische Kulturgeschichte.

Foto: W. Tegel
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?