Von Ost nach West Wie sich die DDR einen Zahnarzt zog
Rönnefarth als Student: Als Peter Rönnefarth 1974 sein Studium in Jena begann, war die Welt für ihn noch in Ordnung. Drei Jahre später wurde er exmatrikuliert - aus politischen Gründen. Er hatte versucht, aus der Jugendorganisation FDJ auszutreten.
Rönnefarth als Schüler: Mit guten Abiturnoten hatte sich Peter Rönnefarth, Sohn eines Apothekers in Jena, für das Studium an der Friedrich-Schiller-Universität qualifiziert. Als Fach hatte er "Stomatologie" gewählt - doch abschließen konnte er sein Zahnarzt-Studium in der DDR nicht.
Jenaer Universität: Blick auf das historische Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität. Die Uni feiert 2008 ihr 450-jähriges Bestehen. Im Januar 1558 hatte Herzog Johann Friedrich der Mittlere die Statuten der Alma Mater unterzeichnet.
Oskar Brüsewitz: Der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz entrollte am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz ein Plakat mit der Aufschrift "Funkspruch an alle: Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung in Schulen an Kindern und Jugendlichen". Anschließend übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an. Wenige Tage später erlag Brüsewitz im Krankenhaus seinen schweren Verbrennungen.
Wolf Biermann: 1976 bürgerte die DDR den Liedermacher Wolf Biermann aus. Das Foto zeigt den Künstler bei seinem Konzert am 14. November 1976 in Köln.
FDJ-Parade: Die Jugendorganisation "Freie Deutsche Jugend" (FDJ) als Stütze des DDR-Regimes. So frei, wie der Name vermuten ließ, war die Organisation nicht. Als der Jenaer Student Peter Rönnefarth versuchte, aus der FDJ auszutreten, wurde daraus ein politischer Disziplinarfall. Das Foto zeigt FDJ-Mitglieder, die anlässlich der Kundgebung zum 20. Jahrestag der DDR mit einem Großportrait von SED-Chef Walter Ulbricht sowie FDJ- und DDR-Flaggen, demonstrieren. Die Organisation für die ostdeutsche Staatsjugend wurde am 7. März 1946 - noch in der "Sowjetischen Besatzungszone" - gegründet. Die Farbe Blau und das Zeichen der aufgehenden Sonne waren fortan ihre Symbole.
Grenzübergang Chaussseestraße: Die Mauer trennte West- von Ostberlin - für viele Bürger beiderseits der Sektorengrenze eine Provokation. Und ein Ort für Provokationen: Der Jenaer Ex-Student Peter Rönnefarth wollte seine Übersiedlung in die BRD erzwingen. An der Grenzübergangsstelle Chausseestraße legte er am 31. Juli 1979 seinen Personalausweis vor und forderte, ausreisen zu dürfen. Wegen dieser Aktion wurde er zu einer Zuchthausstrafe verurteilt.
Das Foto zeigt den Übergang Chausseestraße 1964: Nachdem im Sowjetsektor das linke Plakat angebracht wurden war, lautete die Antwort aus dem Westen: "Die Mauer bleibt trotz Passierscheine eine Provokation!"
Peter Rönnefarth: Der gebürtige Jenaer, der in den siebziger Jahren in der DDR studierte, arbeitet heute als Arzt in Freiburg im Breisgau.