Assistenten Die sich für den Chef den Kopf zerbrechen
Strategin mit drei Streifen: Erika Swan, 32, Assistentin von Adidas-"Global Operations"-Vorstand Glenn Bennett, leitet auch die Strategieabteilung des Bereichs. Von ihrem Job als Vorstandsassistentin träumen viele aufstrebende Young Professionals. mehr...
Rollenwechsel: Einst Assistent von Ex-Bayer-Chef Werner Wenning, ist Axel Steiger-Bagel, 44, inzwischen selbst Vorstand bei Bayer MaterialScience. "Als Generalist war die Assistentenposition für mich wie ein Sechser im Lotto", sagt er rückblickend.
Vorteil Erfahrung: Bevor Isabel Bergmann (40) Assistentin von "Leben"-Vorstand Joachim Wenning (Hintergrund) wurde, hatte sie bereits neun Jahre bei Munich Re gearbeitet. Sie hatte als Trainee bei dem Rückversicherer angefangen und war bereits Kundenmanagerin für Leben in Lateinamerika und Italien.
Hoffnung auf den Karriereturbo: "Der Job ist ideal, um sich schnell zu entwickeln", sagt Joscha Rosenbauer, 26, Assistent von Porsche-Vertriebsvorstand Bernhard Maier (Hintergrund). Job und Freizeit trennt er nicht: "Mein Telefon ist immer an, der Beruf hat für mich oberste Priorität."
Elementare Lektionen: Drei Top-Manager schildern ihre Erfahrungen als Vorstandsassistenten
Mathias Döpfner, 1993 bis 1994 Assistent von Gerd Schulte-Hillen, damals Vorstandsvorsitzender Gruner + Jahr: "Sie sollen sich meinen Kopf zerbrechen", beschrieb Schulte-Hillen meine Aufgabe treffend. Man arbeitet Tag und Nacht wie ein Besessener und lernt so viel wie nirgendwo sonst. Die Aufgabe definiert man im Wesentlichen selbst. Manche schreiben nur Protokolle, andere ändern die Strategie des Unternehmens. Überrascht hat mich, wie locker und lustig es in Vorstandssitzungen zugeht - denn nur in dieser Atmosphäre entsteht eine offene und ehrliche Diskussion. Von Schulte-Hillen habe ich unbedingte Bodenständigkeit gelernt: Je größer die Aufgabe, desto gesünder muss der Menschenverstand sein. Dazu drei elementare Lektionen: Misstraue den Sprücheklopfern. Tricksen lohnt nicht. Und: Gewinn ist, wenn man mehr Einnahmen als Ausgaben hat.
Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn, 1990 bis 1992 Assistent von Hartmut Mehdorn, damals Geschäftsführer Deutsche Airbus: Schon der Start war eine verrückte Geschichte. Hartmut Mehdorn ist mir wegen seines außergewöhnlichen Engagements aufgefallen. Ich rief in seinem Büro an, bekam einen Termin und sagte: "Sie kennen mich nicht, aber ich möchte für Sie arbeiten." Weil er skeptisch war, bot ich an, drei Monate ohne Gehalt zu arbeiten. Das gefiel ihm, und ich wurde eingestellt. Besonders faszinierend fand ich mitzuerleben, wie bestimmte Entscheidungen fallen und warum es so entscheidend ist, Mitarbeiter und Führungskräfte zu beteiligen. Vor allem aber habe ich in dieser Zeit gelernt, immer ein festes Ziel vor Augen zu haben und dass sich ein Unternehmen nicht ohne Leidenschaft führen lässt. Gewinnen kann nur, wer bereit ist, stets einmal mehr aufzustehen als hinzufallen.
Bettina Anders, IT-Vorstand Ergo Versicherungsgruppe AG, 1992 bis 1995 Assistentin von Michael Rosenberg, damals IT-Vorstand Victoria Versicherung AG: Erstaunt hat mich damals, dass sich die Wirkung des Vorstands weniger in seiner Arbeit am Schreibtisch manifestiert als in der Kommunikation. Dass also wesentliche Eigenschaften erfolgreicher Top-Manager Empathie und Authentizität sind, dazu eine klare und transparente Kommunikation, verbunden mit der Fähigkeit, Menschen motivieren und begeistern zu können. Mein damaliger Chef etwa pflegte einen sehr offenen Kommunikationsstil und ließ mir viele Freiräume. So lernte ich das Unternehmen aus der Vorstandsperspektive kennen, auch über das Ressort meines Vorstands hinaus. Am Ende der Assistenz wusste ich, dass mein Ziel eine Funktion im Top-Management war, um die strategische Ausrichtung der Firma aktiv mitgestalten zu können.