W.E.B. Du Bois: Ein Mann mit Mission - DER SPIEGEL
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W.E.B. Du Bois Ein Mann mit Mission

Für gleiche Rechte und gegen Rassenhass kämpften viele Generationen von Afroamerikanern. Zu ihren Köpfen zählte W. E. B. Du Bois, Intellektueller mit Studienzeit in Deutschland. Seine Ideen wirken bis heute fort.
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Amerikaner in Paris: Schon knapp 50 Jahre zuvor hatte Du Bois dort Aufsehen erregt, als er für die Weltausstellung von 1900 eine Sektion über Afroamerikaner zusammenstellte. Die gut 500 Fotos und an die 60 Schautafeln kamen einer Sensation gleich. Später kam Du Bois noch häufiger nach Paris, wo er zum Beispiel 1919 den ersten Panafrikanischen Kongress organisierte.

Foto:

University of Massachusetts Amherst Libraries

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Prominente Verbündete: Über die Jahrzehnte hatte der US-Bürgerrechtler W. E. B. Du Bois (links) die unterschiedlichsten Mitstreiter, darunter Pablo Picasso, hier bei der Weltfriedenskonferenz in Paris im April 1949. Picasso hatte dafür das Motiv der Friedenstaube entworfen, das später zur Ikone der Friedensbewegung wurde. Du Bois war mit 81 Jahren Redner in Paris und hatte sich schon sein ganzes Leben für seine Überzeugungen engagiert - als Vordenker der Bürgerrechtsbewegung. 

Foto: JEAN-JACQUES LEVY/ ASSOCIATED PRESS
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Role Models: Bei der Weltausstellung in Paris zeigte Du Bois Porträts von Afroamerikanern. Eine große Überraschung für die Besucher, denn die selbstbewussten und modernen Menschen entsprachen so gar nicht dem Bild von "Jim Crow"-Schwarzen. Dieses verbreitete rassistische Klischee stellte Afroamerikaner als roh und geistig unterlegen dar, es diente als Begründung, ihnen höhere Bildung vorzuenthalten.

Foto: Library of Congress
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Schwarzer unter Weißen: W. E. B. Du Bois wurde 1868, drei Jahre nach Abschaffung der Sklaverei, in Massachusetts geboren und war 1884 der einzige schwarze Absolvent der Highschool von Great Barrington. Das Bild zeigt ihn mit der Abschlussklasse. Für seinen Vortrag über den Sklavereigegner Wendell Philipps bekam er lauten Beifall, "vermutlich wegen meiner Rassenzugehörigkeit und wegen des Themas", wie er später schrieb. "Ich war ja unter Menschen aufgewachsen, die stolz darauf waren, dass sie dabei mitgeholfen hatten, eine bösartige Rebellion niederzuschlagen und vier Millionen Sklaven zu befreien."

Foto: University of Massachusetts Amherst Libraries
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Diese Aufnahme von Studenten an der Fisk University in Nashville wurde ebenfalls bei der Weltausstellung gezeigt. Auch Du Bois selbst studierte dort, seine Lehrer hatten ihn gefördert und zum Studium ermutigt. Bereits mit 15 Jahren wurde er Korrespondent des "New York Globe" und schrieb in der schwarzen Wochenzeitung aus Sicht der schwarzen Gemeinde.

Foto: Library of Congress
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Gegen kulturelle Klischees: Ein junger Schwarzer erteilt einer Afroamerikanerin Klavierunterricht in viktorianischem Ambiente - auch diese Aufnahme war Teil der Afroamerikaner-Porträts bei der Weltausstellung 1900.

Foto: Library of Congress
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Alles handgemalt: Etwa 60 Charts hatte Du Bois für die Weltausstellung gefertigt. Als Professor der Universität Atlanta wählte Du Bois beispielhaft die Situation der Schwarzen in Georgia. Die linke Tafel zeigte die Verteilung auf Berufe bei Schwarzen und Weißen, die rechte Tafel nach Alter die Anteile von Singles, verheirateten, verwitweten afroamerikanischen Männer und Frauen.

Foto: Library of Congress
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Rivalen: Um die Jahrhundertwende war Booker T. Washington, hier bei einer Rede in Lakeland, der führende Vertreter der Schwarzen. Er akzeptierte Einschränkungen bei Wahlrecht und Bildung im Gegenzug für die Ausbildung in Industrieberufen - und habe damit den Ausverkauf der afroamerikanischen Interessen betrieben, so die Auffassung von Du Bois: Denn nur gleichberechtigte Ausbildung führe zu ihrem Weiterkommen. Du Bois prophezeite eine "Katastrophenernte" für die kommende, schlecht gebildete Generation.

Foto: Library of Congress
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Keine Kompromisse: 1905 trafen sich rund 30 schwarze Aktivisten am Eriesee und gründeten unter Du Bois' Vorsitz die "Niagara-Bewegung", die sich von Booker T. Washington abgrenzte. Nach Ansicht von Du Bois (in der Mitte der Fotomontage) sollten die Schwarzen dumm gehalten und als billige Arbeitskräfte gegen das weiße Industrieproletariat ausgespielt werden, wie er in "The Souls of Black Folk" schrieb. Der britische "Guardian" wählte das Buch kürzlich unter die 100 wichtigsten Sachbücher aller Zeiten.

Foto: Library of Congress
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Aktivisten in Aktion: 1909 ging aus dem "Niagara Movement" die Association for the Advancement of Colored People (NAACP) hervor, die bis heute besteht und zu den einflussreichsten Bürgerrechtsorganisationen zählt. Auf diesem Foto von 1944 tragen NAACP-Mitglieder symbolisch "Jim Crow" zu Grabe, die Zerrfigur eines dummen, faulen Schwarzen.

Foto: ullstein bild
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Lynchjustiz: Du Bois am 28. Juli 1917 bei einem Protestmarsch nach Ausschreitungen gegen Schwarze in St. Louis, Missouri (3. von rechts in der 2. Reihe). Ab Ende des 19. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Gewalttaten von weißen Mobs auf Schwarze. Häufig entführten die Täter Untersuchungshäftlinge gewaltsam aus Polizeigewahrsam, um sie in Selbstjustiz brutal zu ermorden und zu verstümmeln. Nach dem ersten Weltkrieg kam es zu großen Wellen von Lynchmorden.

Foto: ullstein bild
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Sprachrohr der Afroamerikaner: "The Crisis" war die erfolgreichste schwarze Monatsschrift ihrer Zeit und hatte 1918 mehr als 100.000 Leser, darunter auch viele Weiße. Als Chefredakteur machte Du Bois Übergriffe gegen Schwarze publik und prangerte die Benachteiligung an. Zunehmend schränkten Landesgesetze die von der Verfassung gewährte Gleichheit aller Bürger ein; "Mischehen" wurden verboten, Schwarze durften nicht mehr dieselben Transportmittel wie Weiße benutzen. Du Bois solidarisierte sich auch mit anderen. Er schrieb für das Frauenwahlrecht ebenso wie gegen Zulassungsbeschränkungen von Juden in Harvard. Bei Afroamerikanern sorgte er damit auch für Irritationen.

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Bei der Weltfriedenskonferenz in Paris 1949 sprach Du Bois in einer Reihe mit Intellektuellen und Künstlern wie Jean-Paul Sartre, Pablo Picasso oder Pablo Neruda. Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte er sein Engagement über die amerikanischen Grenzen hinweg aus und sprach zum Beispiel als NAACP-Vertreter vor der neugegründeten Uno. Als er in der McCarthy-Zeit ins Visier der Kommunistenjäger geriet, versagte ihm die NAACP allerdings die Unterstützung.

Foto: LEVY/ AP
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"Agent einer fremden Macht": Viele Intellektuelle sahen die Sowjetunion kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Friedensmacht, US-Sicherheitsbehörden die Weltfriedenskonferenz indes als kommunistische Veranstaltung. 1951 musste sich Du Bois als "Agent einer fremden Macht" vor Gericht verantworten. Dem bereits 83-Jährigen wurde auf Jahre der Reisepass entzogen, so dass er die USA nicht verlassen konnte. "Ich bin kein Kommunist", sagte Du Bois, andererseits denke er, dass Karl Marx "seinen Finger direkt auf unsere Probleme legte".

Foto: Levy/ ASSOCIATED PRESS
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Späte Ehrung: 1958 wurde Du Bois rehabilitiert und erhielt die Ehrendoktorwürde der Fisk-Universität, an der er gut 70 Jahre zuvor sein Studium begonnen hatte. Du Bois unternahm eine Weltreise, die ihn auch nach Ostberlin führte, wo ihm ebenfalls die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Die Friedrich-Wilhelm-Universität, an der er drei Semester bei Gustav Schmoller und Heinrich von Treitschke studiert hatte, hieß nun Humboldt-Universität.

Foto: University of Massachusetts Amherst Libraries
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Klassenfreunde: Auf seiner Weltreise besuchte Du Bois 1958/59 viele junge Nationen und begrüßte ihre Befreiung aus der Abhängigkeit der Kolonialmächte. In Moskau wurde er von Chruschtschow empfangen und war dann in Peking Gast von Mao. An seinem 91. Geburtstag am 23. Februar 1959 bekundete Du Bois per Radioansprache seine Sympathie für Chinas Abkehr vom Westen, "der es 500 Jahre lang versklavt und gedemütigt hat".

Foto: UMass Amherst/ University Libraries
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Neue Heimat Afrika: Mit 93 Jahren wurde Du Bois Staatsbürger des seit 1957 unabhängigen Ghana, auf Einladung des jungen Staatschefs Kwame Nkrumah. Das Foto zeigt beide 1962 in Accra. Du Bois verbrachte seine letzten Jahre mit dem Aufbau einer afrikanischen Enzyklopädie. Bei einer Rede hatte er die jungen afrikanischen Demokratien vor neuer Abhängigkeit gewarnt: "Lehnt es ab, Kakao, Kaffee, Palmöl und Früchte für lächerlich niedrige Preise abzugeben, während ihr für die alkoholischen Getränke, die Kühlschränke und die Automobile, die ihr einführt, ungeheuerliche Preise zahlen müsst."

Foto: Anonymous/ ASSOCIATED PRESS
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Tod im Exil: Seine afrikanische Enzyklopädie konnte W. E. B. Du Bois nicht mehr beenden. Mit 95 Jahren starb er am 27. August 1963 als ghanaischer Bürger. Präsident Nkrumah ordnete ein Staatsbegräbnis an und führte die Witwe beim Trauerzug. Nkrumah wurde drei Jahre später aus dem Amt gejagt. Heute ist das ehemalige Haus von Du Bois eine Gedenkstätte.

Foto: NAACP
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Er hatte einen Traum: Einen Tag nach dem Tod von Du Bois demonstrierten beim Marsch auf Washington 200.000 Menschen vor dem Lincoln Memorial gegen die Rassendiskriminierung. Martin Luther King hielt seine berühmte Rede "I have a dream". Durch seinen unermüdlichen Einsatz habe Du Bois einen festen Platz in der Geschichte, sagte King später. 1964 trat der "Civil Rights Act" in Kraft, der die Gleichheit der Afroamerikaner mit allen anderen US-Bürgern vor dem Gesetz sicherte.

Foto: dpa
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