Wacken Open Air 2017 Schlammkur, Hochzeitstag und eine Bier-Pipeline
Grüßt euch! Metal-Familie beim Wacken Open Air. Und immer schön die Finger zur Metalhand, auch Teufelsgruß oder Pommesgabel genannt.
Von Mittwoch bis Samstag fand in diesem Jahr das Wacken Open Air am Rande des gleichnamigen 1850-Seelen-Dorfes in Schleswig-Holstein statt.
150 Bands, 75.000 Besucher: Wacken gilt als das größte Metal-Festival der Welt, fand zum 28. Mal statt und war mal wieder ausverkauft.
Dieses Paar feierte seinen ersten Hochzeitstag auf dem Festival.
Schlamm en masse: Nach Regenschauern am Donnerstag schlitterten Besucher auf Luftmatratzen oder Schlitten über das Festivalgelände.
Über Maßnahmen, die Wiesen künftig effizienter trocken zu halten, werde nachgedacht, sagte Festivalgründer Thomas Jensen. Allerdings: "In Kurbädern muss man viel, viel Geld für Schlammpackungen bezahlen, das ist hier alles all-in."
Die Fans in Wacken trinken viel, gelten bei Polizei und Rettungskräften aber als "zumeist ausgelassen und friedlich".
Ein Bodengemisch aus Regenwasser, Erde, Bier und Urin.
Höhepunkte waren Auftritte von Alice Cooper, Marilyn Manson, Turbonegro, Accept und Megadeth.
Aus Leder oder Jeansstoff - über das richtige Kuttenmaterial für echte Metal-Fans scheiden sich die Geister. Der Wert des Kultkleidungsstücks wächst jedenfalls mit der Zeit und der Arbeit, die der Träger investiert.
Aus Sicherheitsgründen galt auf dem Festivalgelände wie im Vorjahr ein Rucksack- und Taschenverbot.
Kutten werden mit Aufnähern oder Nieten individuell gestaltet. Bei welchen Konzerten es bereits getragen wurde, wissen viele im Detail.
In diesem Jahr gab es erstmals eine Pipeline, die das entlegene Festivalgelände mit Bier versorgt: 10.000 Liter Bier pro Stunde sollten bei voller Auslastung aus insgesamt zehn angedockten Schnellzapfanlagen schießen.
Aus den Anfängen vor 20 Jahren mit Familienfestcharakter ist ein hochkommerzielles Event geworden.
Ein Besucher des Wacken Open Air wusste offenbar nicht, was ihn bei dem Heavy-Metal-Festival erwartet. Der Mann habe sich in der Nacht zu Donnerstag verzweifelt über zu laute Musik auf einem der Campingplätze beschwert, teilte die Polizei mit.
Die Beamten empfahlen ihm Ohrstöpsel, um den Rest des Festivals zu überstehen und Stress mit den Camp-Nachbarn aus dem Weg zu gehen. Bei den Konzerten in Wacken werden Lautstärken bis zu 120 Dezibel erreicht. Anschließend geht die Party auf den Campingplätzen weiter.
Rund ein Drittel der Festivalbesucher kommt aus dem Ausland. Die Heavy-Metal-Fans reisten zum Teil mit Sonderzügen wie dem sogenannten Metal-Train an. Auch der Hamburger Flughafen hat sich auf das Festival eingestellt: Gegen Vorlage des Festivaltickets können Wacken-Reisende unter anderem vergünstigt essen und trinken.
Kaum einer, der in diesen Tag rund um Wacken nicht mit der Metalhand grüßt. Hauptsache, die Wackener und die Festivalbesucher gewöhnen sich Mano cornuta bis zum Italien- oder Spanienurlaub wieder ab, da gilt das Mosher-Händchen als vulgäre Geste.
Die Stiefel bleiben dort, die Besucher ziehen ab. Das war Wacken 2017.